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50 Stimmen für Dippoldiswalde

Der Friedrich-Silcher-Chor bereichert seit 40 Jahren das Musikleben der Stadt. Zum Tag der Einheit treten die Frauen und Männer endlich wieder auf.

Sein 40. Jubiläum feierte der Friedrich-Silcher-Chor im September 2020 in in den Parksälen.
Sein 40. Jubiläum feierte der Friedrich-Silcher-Chor im September 2020 in in den Parksälen. © Egbert Kamprath

Was die Gebrüder Grimm für die Märchenwelt waren, war Ludwig Silcher für die Welt der Lieder.  "Deshalb heißt auch unser Chor nach ihm", sagt Hermann Kleßig, der zu den Gründungsmitgliedern des Dippoldiswalder Friedrich-Silcher-Chores gehört. Damals, 1980, brauchte die Stadt Dippoldiswalde offensichtlich einen Chor: "Wir Lehrer wurden so gut wie verpflichtet", erinnert sich Kleßig: "Der Kammersänger Christian Pötsch legte den Grundstein für den damaligen Volkschor."

Erst 1990 benannten sie sich nach dem Komponisten und Liedersammler Ludwig Silcher um, passend zum größten Auftritt der ganzen Chorgeschichte:  Dem Auftritt der ersten gesamtdeutschen Fernsehproduktion "Alles singt", die damals zum Tag der Deutschen Einheit ausgestrahlt wurde. 

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Der diesjährige Tag der Deutschen Einheit bedeutet deshalb in vielfacher Hinsicht ein Jubiläum für den Chor: Er kann sein vierzigjähriges Bestehen feiern, den 30. Jahrestag der Einheit - und er kann feiern, dass er während der deutschlandweiten Mitsing-Aktion "Deutschland singt" überhaupt wieder auftreten darf. 

Auftritte sind das Salz in der Suppe

Denn bisher sind alle geplanten Auftritte ausgefallen. Die Chorfeier zum 40. Geburtstag, die eigentlich mit Publikum in den Dippoldiswalder Parksälen stattfinden sollte, feierten die 50 Mitglieder unter sich. Die regelmäßigen Proben an jedem Dienstag fanden seit März nicht mehr statt: "Als Chor sind wir ja eine einzige Aerosolwolke", sagt Chormitglied Wolfgang Meisel: "Aber für einen Chor sind doch die Auftritte das Salz in der Suppe."

Auf dem Marktplatz in Dippoldiswalde lassen sich selbst mit einem Chor die Corona-Abstandsregeln einhalten.
Auf dem Marktplatz in Dippoldiswalde lassen sich selbst mit einem Chor die Corona-Abstandsregeln einhalten. © Egbert Kamprath

Am Sonnabend um 19 Uhr wird es so weit sein: Der Dippoldiswalde Marktplatz erlaubt den Abstand von 1,50 Meter zu jedem Nebenmann und jeder Nebenfrau und noch ein paar Mitsängern dazu, denn das Publikum kann nicht nur zuhören, sondern auch selbst mitsingen. Ein Programm aus 18 Liedern hat der Chor zusammengestellt: "Freude, schöner Götterfunke" darf an solch einem Tag natürlich nicht fehlen, genauso wenig wie die Erzgebirgshymne "Glück auf". "Der Mond ist aufgegangen" wird ebenso mit dem Publikum angestimmt wie die Nationalhymne am Ende. Zu all diesen Liedern wird der Text an Mitsingwillige ausgeteilt.

Bei acht weiteren Liedern zeigt der Friedrich-Silcher-Chor, was vierzig Jahre Gesangsarbeit bewirken können:  Das vierstimmige "Laudate omnes gentes" beispielsweise benötigt weniger Text- als Stimmsicherheit. Seinen guten Klang hat der Chor bereits 1999 beim Festival für Chormusik in Verona unter Beweis gestellt - damals gewannen sie den Bronzepokal. 13 Sängerbälle wurden gestaltet, unzählige Chortreffen in Mannheim, Wittenberg, Heidelberg und Naumburg arrangiert, jedes Jahr steht eine Chorfahrt auf dem Plan. In Dippoldiswalde werden die Sängerinnen und Sänger wieder am Vortag des 1. Advents die Weihnachtszeit in der Katholischen Kirche einsingen. 

Um eine Sache machen sich die Chormitglieder Sorgen: "Wir müssten eigentlich viel mehr neue Mitglieder gewinnen", sagt Kleßig. Denn wer seit 40 Jahren singt, ist eben auch entsprechend älter geworden. "In den alten Bundesländern ist das anders als hier, dort bringen die Eltern ihre Kinder mit, und dann singen die im Chor", sagt er. Wer beitreten möchte, muss keine Notenkenntnisse mitbringen. Nur die Bereitschaft, dienstags 19 Uhr im kleinen Parksaal zu proben - wenn das wieder möglich ist.  

"Deutschland singt", 3. Oktober, 19 Uhr, Marktplatz Dippoldiswalde

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