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Osterzgebirge: Schlemmen und Blüten gucken

Viele Wanderer zieht es auf den Geisingberg, weil die Bergwiesen in voller Blüte stehen - und auch, weil die Bergbauden wieder Deftiges kochen.

Bergwiesen blühen am Geisingberg bei Altenberg.
Bergwiesen blühen am Geisingberg bei Altenberg. © Egbert Kamprath

Die kleine Gaststube der Bergbaude auf dem Geisingberg ist voll. Eine Großfamilie hat die Lockerungen genutzt und ist mit Opa, Kind und Kegel angerückt und freut sich laut über den Luxus, die deftigen Gerichte der Bergbaudenküche an einem Tisch verzehren zu können.

"Seit Freitag geht das so", sagt Baudenbetreiber Marcel Klein und meint die vollen Tische drin und draußen. Er hat kaum Zeit, seinen Kopf aus der Küche zu stecken, denn gerade haben sich schon wieder neue Wandergruppen überall dort niedergelassen, wo gerade erst etwas frei wurde. Und alle wissen schon genau, was sie wollen: Rinderleber mit Röstzwiebeln und Bratkartoffeln, Bauernfrühstück oder das klassische Schweineschnitzel mit hausgemachtem Kartoffelsalat.

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Seit Freitag können die Wirte im Landkreis wieder die ihre Innenräume für Gäste öffnen, ab Montag entfällt endlich auch die leidige Testpflicht, denn die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mittlerweile hinreichend stabil unter 35.

Ganze Familie hilft mit

"Wir haben sieben Monate lang vom Außer-Haus-Verkauf gelebt", sagt Klein. Er ist den alten Stammkunden dankbar, dass sie beim Skifahren eine extra-Runde über den Geisingberg drehten und bei ihm einen Imbiss abholten. "An vielen Tagen haben wir uns trotzdem für 30 Euro hier hingestellt." Seine frühere Hilfskraft hat er schon seit dem ersten Lockdown vor einem Jahr nicht mehr.

Jetzt ist er heilfroh, dass er auf die Hilfe seiner Frau und seiner beiden Söhne bauen kann. Gerade ruft sein Jüngerer mit voll beladenem Tablett von der Terrasse aus "Wer hat die 35?" Wie sich herausstellt, haben Hannelore und Lothar Hanack das Szegediner Gulasch und die Rinderleber bestellt. "Seit September sind wir Dauercamper auf dem Campingplatz Galgenteich", erzählen die beiden Dresdner.

Hannelore und Lothar Hanack aus Dresden kennen Altenbergs Umgebung gut. Sie genießen, dass sie wieder in die Bergbaude auf dem Geisingberg einkehren können.
Hannelore und Lothar Hanack aus Dresden kennen Altenbergs Umgebung gut. Sie genießen, dass sie wieder in die Bergbaude auf dem Geisingberg einkehren können. © Egbert Kamprath
Bockwurst und Gräupcheneintopf sind die Imbiss-Klassiker aus der Bergbaudenküche.
Bockwurst und Gräupcheneintopf sind die Imbiss-Klassiker aus der Bergbaudenküche. © Egbert Kamprath
Die Klengelstegwiese am Geisingberg ist eine der artenreichsten Sachsens.
Die Klengelstegwiese am Geisingberg ist eine der artenreichsten Sachsens. © Egbert Kamprath
Trollblumen fühlen sich auf feuchten, leicht sauren Böden wohl...
Trollblumen fühlen sich auf feuchten, leicht sauren Böden wohl... © Egbert Kamprath
...genau wie das Gefleckte Knabenkraut.
...genau wie das Gefleckte Knabenkraut. © Egbert Kamprath

Rund um Altenberg würden sie schon seit Jahrzehnten ihre freien Tage verbringen. "Wir haben auch schon alle 8.000er bestiegen", sagt Hannelore Hanack. Der Geisingberg mit seinen 820 Höhenmetern - die eben 8.200 Dezimetern entsprechen - ist einer davon.

Knabenkraut, Trollblumen und Hain-Wachtelweizen

Doch an diesem warmen Junisonnabend haben alle Wanderer ein Ziel, das zu Füßen des Geisingbergs liegt: Die Bergwiesen blühen - mit einiger Verzögerung wegen der kalten Tage im Mai. Dafür nun um so prachtvoller. Das gefleckte Knabenkraut gibt mit seinen tiefvioletten Orchideentrauben den Ton an, bestens kontrastierend zu den dicken gelben Blütenblätterkugeln der Trollblumen. In den Nebenrollen: das rosafarbene Wiesenknöterich, die Himmelblauteppiche des Vergissmeinnicht und gelbvioletter Hain-Wachtelweizen.

Wanderertreff auf dem Wiesenweg

"Wir wollten einen Ausflug zum Geisingberg machen, und da ist mir eingefallen, dass ja jetzt genau die Zeit der Blüte ist", sagt eine Kreischaerin. Ihre Tochter ist mitsamt einer Freundin damit beschäftigt, ihren Selfies eine bunte Blühwiesen-Umrahmung zu verschaffen.

Normalerweise sind Begegnungen auf den Wegen im Osterzgebirge eher selten, doch auf dem Klengelsteig kommen genügend Wanderer für Fachsimpeleien zusammen: "Die habe ich noch nie gesehen", sagt ein Schmiedeberger und meint den Bach-Nelkenwurz, der sich einen Steinrücken als Biotop ausgesucht hat.

Klengelsteigwiesen eine der artenreichsten Sachsens

Die Klengelsteigwiese stuft die Grüne Liga als eine der artenreichsten von ganz Sachsen ein. Sie stand schon zu DDR-Zeiten unter Naturschutz und hat deshalb nie die Düngung anderer Wiesen abbekommen, die landwirtschaftlich genutzt wurden. Die Folge ist ein magerer Boden, der dank des Quarzporphyrs im Untergrund auch noch sauer ist und dank etlicher Senken teilweise sehr feucht ist.

All diese Besonderheiten führen zu verschiedenen Biotopen, die eng miteinander verzahnt sind und letztendlich den aktuellen Blumenreichtum hervorbringen. "Das ist jetzt noch eine ganze Weile zu sehen", sagt Sina Klinger, die Projektkoordinatorin in der Altenberger Naturschutzstation Osterzgebirge: "Die Mahdphase beginnt erst am 15. Juli."

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