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"Erzgebirger sind hart im Nehmen"

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten über die Pläne für 2021 - und welche Nachwirkungen das Krisenjahr 2020 haben wird.

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten. "Nach dem Lockdown müssen wir in die Wirtschaft investieren und gut für uns werben – ähnlich wie nach 2002."
Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten. "Nach dem Lockdown müssen wir in die Wirtschaft investieren und gut für uns werben – ähnlich wie nach 2002." © Egbert Kamprath

Herr Kirsten, was waren die Meilensteine für Altenberg im Jahr 2020?

Es ging sportlich los mit dem Rennrodelweltcup und der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft. Auch die Deutschen Meisterschaften im Biathlon im September liefen richtig gut: Ministerpräsident Michael Kretschmer war da, wir hatten tolles Wetter, tollen Sport. Solche Wettbewerbe sind wichtig für unsere Anerkennung als Bundesstützpunkt im Biathlon. Für Altenberg bedeuten sie außerdem: 20 Stunden Fernsehpräsenz während der WM. Unbezahlbare Werbung für unseren Fremdenverkehr! Wir machen im Jahr 100 Millionen Euro Umsatz mit Tourismus, das sichert 2.000 Arbeitsplätze.

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Dazu passt der neue Parkplatz am Wildpark Geising, die neue Mountaincartanlage und der neue Lift der Ski- und Rodelarena Wiegand. Im Oktober konnten wir die 8000er Blockline eröffnen. Bei dieser Mountainbikestrecke über 140 Kilometer durch drei Landkreise zieht auch der Tourismusverband Erzgebirge richtig mit. Radfahren ist die Trendsportart der Stunde: individuell, umwelt- und familienfreundlich. Der entsprechende touristische Ausbau hier ist eine Geschichte mit Zukunft.

Was hat sich noch entwickelt im Jahr 2020?

Die Firma Herbrig & Co in Bärenstein hat eine neue Produktionshalle gebaut, die Firma Feinwerktechnik in Geising hat mächtig am Produktionsstandort investiert und die Firma Ehrlich in Fürstenau hat eine gute Auftragslage. Solche Arbeitsplätze machen Altenberg für Familien interessant, die hier auf eine gute Infrastruktur von Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen stoßen.

Deshalb bin ich froh über die prima Zusammenarbeit mit der Firma Herbrig, die uns ihr Bürohaus in Bärenstein zur Kindereinrichtung mit Platz für 100 Kindergarten- und Hortkinder umbauen ließ. Das hat uns 432.000 Euro gekostet – deutlich weniger als jeder Neubau, und die Kosten für die gesamten Außenanlagen hat die Firma Herbrig gespendet.

Mit dem Stadtrat haben wir sichergestellt, dass das Mundloch für die Lithiumgewinnung am Europark sein wird. Mit dem Unternehmen sind wir jetzt in Verkaufsgesprächen für die entsprechenden Grundstücke. Es würde mich freuen, wenn wir in diesem Jahr noch einen Spatenstich feiern könnten.

Welche Vorhaben konnten Sie 2020 umsetzen?

Wir haben die Antennenanlage der IG Antenne Altenberg rückkanalfähig gemacht. Bei über der Hälfte der angeschlossenen Haushalte sind wir fertig damit. Sie können jetzt über das Kabelnetz auch telefonieren und ins Internet gehen.

Als praktisch erwies sich die Leitungsumstrukturierung der Kindertagesstätten. Die Gesamtleitung liegt jetzt bei Jens Reinsch, der hier im Rathaus sitzt. Gerade in Zeiten der Pandemie sind die kurzen Wege ein Segen, wenn es darum geht, den Überblick über positiv getestete Erzieher und Erzieherinnen zu behalten oder darüber, wie viele Kinder die Notbetreuung nutzen – ca.70 derzeit.

Mich freut auch, dass wir den B-Plan für das Neubaugebiet in Altenberg auf den Weg gebracht haben. Beim B-Plan der Schlosswiese in Bärenstein sind wir jetzt beim Aufstellungsbeschluss. Auch für den Hotelstandort in Altenberg haben wir jetzt einen Investor, die Planung läuft.

Welche Pläne gibt es für 2021?

Ich hoffe, dass wir den Auftrag für schnelleres Internet im Sommer vergeben können – es geht noch um 500 Adressen.

Der Schulhof der Altenberger Grundschule bekam schon 2020 ein Grünes Klassenzimmer und neue Spielgeräte. Nun soll der Hort mit einziehen. Dafür muss der derzeitige Anbau mit Sanitär- und Sozialräumen erweitert werden. Darüber soll ein Mehrzweckraum für Veranstaltungen entstehen. Derzeit werden die Hortkinder in der Kindertagesstätte am Schellerhauer Weg betreut. Ginge das in der Schule, hätten wir dort 70 Kindergartenplätze mehr und das Platzproblem bis mindestens 2025 gelöst. Für den Ausbau haben wir eine Förderung von 68.000 Euro erhalten, bräuchten aber wesentlich mehr. Da schauen wir gerade, wo es Förderungen gibt.

Die Kita in Geising bauen wir für 150.000 Euro eine zusätzliche Etage mit Platz für 24 Kinder aus. Für den Hort und die Grundschule in Lauenstein müssen wir ein gemeinsames Konzept finden. Beide Gebäude stehen nebeneinander und jeweils die Hälfte des Tages leer. Der Platz ist also da, es ist nur eine Frage der Nutzung und der Absprachen.

Die Geisinger Oberschule braucht auch mehr Räume. Die Ortsverwaltung direkt daneben steht leer – ich kann mir vorstellen, dass darin beispielsweise die Vorbereitungsräume der Lehrer und vielleicht ein Klassenzimmer einziehen.

Wir lange wird Altenberg mit den Folgen von Corona zu tun haben?

Wir werden noch lange an Corona zu knaupeln haben. Gaststätten, die geschlossen sind, machen im Zweifel für immer zu. Das gleiche gilt für Geschäftsschließungen in Folge des Lockdown.

Ungeklärt ist, ob und was uns der Freistaat für die kommunalen Angestellten zahlt, die nun wegen geschlossener Kindereinrichtungen ihren Nachwuchs selbst betreuen und zu Hause bleiben – kriegen wir da auch 60 bis 67 Prozent der Lohnkosten? Was ist mit den Elternbeiträgen? Die können wir für Nichtbetreuung auch nicht erheben. Im ersten Lockdown erhielten wir vom Freistaat dafür einen Ausgleich. Das sollte auch jetzt gelten, denn die Betriebskosten laufen weiter.

Ab wann bekommt Altenbergs Haushalt die wirtschaftlichen Folgen zu spüren?

Für 2021 gehen Prognosen von 2,2 Millionen Euro Mindereinnahmen im Jahr 2020 durch fehlende Gewerbesteuer, Kurtaxe, Parkplatzbewirtschaftung und fehlende Eintritte in Sportstätten, Schloss und Museen aus. Vom Freistaat haben wir bislang 230.000 Euro als Ausgleich erhalten. Die Gewerbesteuern der Unternehmen fließen aus ihren Erträgen vom vergangenen Jahr. Auch jetzt haben viele wegen des Lockdowns geringere Umsätze. Das werden wir 2022 zu spüren bekommen. Mit einer Erholung ist also bestenfalls 2023 zu rechnen.

Wie meistern die Altenberger diese Situation?

Nach dem Lockdown müssen wir in die Wirtschaft investieren und gut für uns werben – ähnlich wie nach 2002. Deshalb bin ich auch dankbar, dass es mit der Wirtschaftsförderung weitergeht. Von der Standortmarketingkampagne mit Glashütte erwarte ich mir einen Schub für die Region. Wir sind besser als wir uns selbst nach außen darstellen – das merke ich immer dann, wenn lobende Kommentare von außerhalb kommen.

Der Bürgerschaft bin ich dankbar, wie sie mit der Pandemie umgegangen ist: Mit kreativen Ideen, neuen Wegen durch Online Shopping, Lieferdiensten und dergleichen. Die Erzgebirger sind hart im Nehmen, immer schon. Dafür geben sie mit Liebe. Das macht auch den Zusammenhalt aus.

Das Gespräch führte Siiri Klose

Dafür gab Altenberg 2020 Geld aus:

  • Sanierung des Vorschlosses von Schloss Lauenstein fertiggestellt. Den Antrag auf Fördermittel hat die Stadt bereits 2015 beim Bund gestellt und bekam 3,5 Millionen Euro. Das hat zwar nicht ganz gereicht, aber man konnte die Außenhülle sichern und so die Bausubstanz retten. Im Inneren gibt es jetzt einen Veranstaltungsraum, einen Seminarraum und einen Sportraum für die Lauensteiner Grundschüler, so dass die Kinder nicht mehr nach Geising in die Turnhalle fahren müssen.
  • Das Feuerwehrgerätehaus in Bärenfels konnte übergeben werden, der Bau hat 430.000 Euro gekostet. Das in Fürstenau ist für 240.000 Euro auch fast fertig. Dankbar bin ich den Kameradinnen und Kameraden, die 1.500 Arbeitsstunden in ihrer Freizeit beim Malern, Schrauben oder Fliesenlegen geleistet haben.
  • Erneuert wurde der Luftschacht im Bünaustollen in Zinnwald für 250.000 Euro. Er dient als Fluchtschacht und ist eine Bedingung für Führungen.
  • Aufwändig und teuer war der Bau der Straßenentwässerung für die Bahnhofstraße in Bärenstein für 450.000 Euro. Vorher floss das Wasser quer über ein Privatgrundstück. Dieses Problem sei für die nächsten 100 Jahre gelöst.
  • Für die Biathlonarena hat Altenberg 760.000 Euro ausgegeben – 580.000 Euro kamen vom Freistaat, der Rest vom Förderverein. Davon wurden der Zieleinlauf und der Startbereich verbreitert. Nur so habe man die Deutschen Meisterschaften nach Altenberg bekommen, heißt es. Jetzt wird an einer Brücke gebaut, damit keine Fahrzeuge die Laufstrecke zerfahren.
  • Schließlich ist jetzt auch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED fast fertig - 2700 Lichtpunkte für fast eine Million Euro. Refinanzieren wird die Summe über den Betrag, der nun beim Energieverbrauch eingespart wird. Jetzt kann der Bewirtschaftungsvertrag mit den Technischen Diensten und der SachsenEnergie abgeschlossen werden. (nur die größeren Vorhaben, Quelle: Rathaus)

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