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Altenberger Bergbaumuseum baut um

Die Mitarbeiter des Museums nutzen den Lockdown. Es gibt einige Neuerungen, die den Besuch deutlich vereinfachen werden.

Museumsleiter Christoph Schröder hofft, bald wieder Besucher im Altenberger und Zinnwalder Schaustollen begrüßen zu können. Bis dahin wird die Zeit für Arbeiten genutzt.
Museumsleiter Christoph Schröder hofft, bald wieder Besucher im Altenberger und Zinnwalder Schaustollen begrüßen zu können. Bis dahin wird die Zeit für Arbeiten genutzt. © Egbert Kamprath

Der Corona-Lockdown bedeutet seit November auch Stillstand im Altenberger Bergbaumuseum mit seinen Schauanlagen. Doch tief im Berg tut sich einiges. Sowohl im Neubeschert-Glück-Stollen direkt neben der früheren Zinnwäsche als auch im Zinnwalder Bünaustollen wird kräftig gesägt, gebohrt und geschraubt. Wenn schon keine Gäste kommen, machen die Museumsmitarbeiter aus der Not eine Tugend und nutzen die Baufreiheit, um schon lange dringend nötige Arbeiten anzugehen.

Feuchtigkeit im Stollen greift Holzeinbauten an

Der 200 Meter lange Altenberger Neubeschert-Glück-Stollen feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen als Schauanlage. Die letzten größeren baulichen Veränderungen gab es 1993. Seitdem sind Tausende Besucher hier eingefahren. Das feuchte Klima im Berg tat sein übriges und setzte vor allem dem Holzausbau stark zu.

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Mitarbeiter Andreas Fromm arbeitet im Altenberger Schaustollen an den neuen Stufen für diesen Steigort.
Mitarbeiter Andreas Fromm arbeitet im Altenberger Schaustollen an den neuen Stufen für diesen Steigort. © Egbert Kamprath

„Aus Sicherheitsgründen wird natürlich regelmäßig kontrolliert und entsprechend ausgetauscht“, sagt Museumsleiter Christoph Schröder. „Doch nun bietet sich die Möglichkeit, die alten Hölzer in größerem Umfang mit einem Mal auszutauschen. Das wäre bei normalem Publikumsverkehr so nicht möglich.“

Sprengung unter Tage mit LED nachgestellt

Erneuert werden kann jetzt auch der Steigort zum hinteren Teil des Schaustollens und zum Notausgang. Die alte Treppe hatte schon lange ihren Dienst getan. Dazu kommt der permanente Kampf gegen den Rost, den die Feuchtigkeit unter Tage mit sich bringt. Viele Teile müssen aufgearbeitet und neu gestrichen werden. Dabei helfen auch ehrenamtliche Kräfte.

Klaus Lehmann arbeitet im Altenberger Schaustollen als ehrenamtlicher Führer. Am neu gestalteten Sprengort kann er demonstrieren, wie früher in der Grube das Gestein gesprengt wurde. Erstmals wird das Geschehen im Museum auch akustisch umrahmt.
Klaus Lehmann arbeitet im Altenberger Schaustollen als ehrenamtlicher Führer. Am neu gestalteten Sprengort kann er demonstrieren, wie früher in der Grube das Gestein gesprengt wurde. Erstmals wird das Geschehen im Museum auch akustisch umrahmt. © Egbert Kamprath

Auch für die Umsetzung neuer Ideen haben die Museumsmitarbeiter jetzt Zeit. So wurde der Sprengort, an dem zu sehen ist, wie die Bergleute unter Tage das erzhaltige Gestein aus dem Fels sprengten, mit LED-Technik neu gestaltet. Die deutlich helleren Lampen simulieren die Explosion, die über Lautsprecher jetzt erstmals auch zu hören ist.

Zinnwalder Bünaustollen bekommt neue Planken

Im wesentlich weitläufigeren Bünaustollen in Zinnwald sind es vor allem die 900 Meter langen Fahrwege aus Holz, auf denen die Besucher durch das Schaubergwerk laufen, die ausgetauscht werden müssen. Planken und Unterbau waren marode - und ließen sich bei normalem Besucherverkehr immer nur als aufwändiges Stückwerk erneuern. Jetzt gab es die Chance, sie im Ganzen zu erneuern.

Mitarbeiter Silvio Lehmann reißt im Zinnwalder Bünaustollen alte Bohlen aus dem Besucherfahrweg, um sie durch neue zu ersetzen.
Mitarbeiter Silvio Lehmann reißt im Zinnwalder Bünaustollen alte Bohlen aus dem Besucherfahrweg, um sie durch neue zu ersetzen. © Egbert Kamprath

Für 8.500 Euro wird auch das Grubengeleucht inklusive der notwendigen Ladeeinrichtung ausgetauscht. Die Leuchten für den Besucherverkehr waren zwar noch echte Originale aus DDR-Zeiten, hielten aber mit ihren alten, wartungsintensiven Akkus kaum mehr die anderthalbstündige Führung durch den Bünaustollen durch. Die neuen LED-Lampen sind nun wesentlich kleiner, aber deutlich heller. Auch die alten Schutzumhänge wurden ersetzt - die neuen lassen sich einfacher reinigen und desinfizieren.

Modernes Kassensystem erlaubt endlich Kartenzahlung

Christoph Schröder hofft, dass er das Museum in absehbarer Zeit wieder öffnen kann. Für die Gäste wird es dann einige Erleichterungen geben. Sondermittel aus einem Corona-Soforthilfe-Programm investierte Schröder in ein modernes Kassensystem, dass endlich die Kartenzahlung erlaubt.

Bislang konnten die Besucher Eintrittskarten und Souvenirs aus dem Shop nur bar bezahlen. Das ist schon lange nicht mehr zeitgemäß und hatte manchmal zur Folge, dass Leute unverrichteter Dinge wieder gehen mussten. Das Online-Zahlsystem, was nun installiert werden soll, erlaubt auch, Karten für Sonderveranstaltungen schon im Voraus zu kaufen.

Dieser umgebaute Schauort zeigt, wie früher durch Feuersetzen unter Tage gearbeitet wurde.
Dieser umgebaute Schauort zeigt, wie früher durch Feuersetzen unter Tage gearbeitet wurde. © Egbert Kamprath

Virtueller Stollenrundgang im Internet

Wer sich das Bergbaumuseum oder den Schaustollen bequem von der Couch aus anschauen will, kann das auch bald. Virtuelle Rundgänge durch das Pochwerk und den Stollen sind geplant. Christoph Schröder sieht sie weniger als Ersatz für einen Besuch in der Bergbauschauanlage: „Es ist immer noch etwas anderes, wenn im Stollen das Wasser auf den Helm tropft und das Licht der Grubenlampe durch die Dunkelheit huscht.“ Der virtuelle Auftritt im Internet soll vielmehr neugierig machen und gewährt auch in der Schließzeiten noch einen Blick in den Schaustollen.

Elisabeth Bott arbeitet im Freiwilligenjahr im Altenberger Museum mit. Hier verpasst sie der Holztafel für das Notgezähe, an dem in der Grube Werkzeuge wie Schaufeln und Hacken hängen, - einen frischen Anstrich.
Elisabeth Bott arbeitet im Freiwilligenjahr im Altenberger Museum mit. Hier verpasst sie der Holztafel für das Notgezähe, an dem in der Grube Werkzeuge wie Schaufeln und Hacken hängen, - einen frischen Anstrich. © Egbert Kamprath

Beim Digitalisieren des Museumsbestands ist Elisabeth Bott eine große Hilfe. Sie absolviert gegenwärtig ihr Bundesfreiwilligenjahr im Haus und pflegt Objekt für Objekt in die neue Datenbank ein.

Neue Dacheindeckung des Haupthauses wird vorbereitet

Das nächstes Großprojekt ist die Sanierung der Außenhülle des Hauptgebäudes. Nach dem Pochwerk soll auch das übrige Dach neu eingedeckt werden - mit 23.000 Holzschindeln, die noch immer nach der alten Art im Erzgebirge von Hand gefertigt werden. Die Planungen und Vorbereitungen dafür sind bereits angelaufen.

Christoph Schröder hofft, dass er „sein“ Museum bald wieder öffnen kann. Wenn die Deutschen wieder ihren Urlaub ins eigene Land verlegen, kann er mit einer guten Saison rechnen.

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