merken
PLUS Dippoldiswalde

Altenberger Bergbaumuseum kriegt was aufs Dach

Die alten Schindeln hielten nicht lange. Die neuen werden dafür nach allen Regeln der traditionellen Holzdeckung verlegt. Beides hat mit der DDR zu tun.

Dachdecker Jens Neubert und Andreas Richter (hinten). Bei der Verlegung der Holzschindeln für das Bergbaumuseum ist Geduld gefragt.
Dachdecker Jens Neubert und Andreas Richter (hinten). Bei der Verlegung der Holzschindeln für das Bergbaumuseum ist Geduld gefragt. © Egbert Kamprath

An den Kehlen der langgezogenen Dachgaube ist die Arbeit des Dachdeckers Andreas Richter besonders knifflig. Zusammen mit seinem Kollegen Jens Neubert vom Baugeschäft Bielathal aus Olbernhau nagelt er dem Bergbaumuseum in Altenberg neue Holzschindeln auf die Dachlatten.

Doch so schnell wie bei einem Ziegeldach kommt er nicht voran: Wieder und wieder greift er sich eine neue Schindel aus seinem Vorrat, setzt sie an, legt sie weg. "Sechs, siebenmal probiere ich hier oft aus, bis ich eine passende habe", sagt er.

Anzeige
Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht
Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht

Das Verwahren, Strukturieren und Transparent machen von Forschungsergebnissen auf nationaler Ebene ist ein Mammutprojekt – bei dem die TU Dresden ganz vorn mit dabei ist.

Denn obwohl die grauen Lärchenholzschindeln alle die gleichen Maße von 12 mal 40 Zentimetern haben, ist doch jede anders - mal zerfasert die Nut, mal fügt sich die Feder nicht ein, mal biegt sich das Holz, mal ist die Oberfläche besonders uneben. Eigentlich logisch bei einem Naturprodukt, das letztendlich so ausfällt, wie der Baum gewachsen ist - doch ganz so logisch ist es auch wieder nicht.

Spalten besser als Hobeln

Denn die alten Schindeln, die in den frühen neunziger Jahren aufs Dach kamen, sind tatsächlich alle ganz genau gleich. "Die wurden noch in den letzten Jahren der DDR hier angeliefert", sagt Museumsleiter Christoph Schröder. Aus Fichtenholz, gehobelt, mit Astaugen, aus einem Brett, das ohne Rücksicht auf den Verlauf der Jahresringe aus dem Stamm gesägt wurde.

Mehr lässt sich an so einer Schindel eigentlich nicht falsch machen - das kann Schröder an jedem Detail erklären: "Dachschindeln sollten gespalten werden. Gehobelt saugen sie sich viel besser mit Wasser voll." Dann verzieht sich die Schindel schnell zum "U"; erst recht, wenn die Baumringe im Querschnitt halbrund verlaufen - mit dem Ergebnis, dass sie sich schneller lockern und schneller vermodern.

Insgesamt hat Fichte nicht so dichtes, harzhaltiges Holz wie Lerche, "das merkt man schon am Gewicht der Schindeln", sagt Schröder. Tatsächlich fühlt sich das DDR-Material deutlich leichter an - und tatsächlich hielt es auch nicht besonders lange: "Die hatten schon nach 20 Jahren deutliche Schäden", sagt Schröder.

Pochwerk wurde bereits neu gedeckt

Bereits 2013 sorgte der Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten mit 10.000 Euro aus einer privaten Spendenaktion für eine Anschubfinanzierung eines Daches. Letztlich kamen aus Eigenmitteln der Stadt Altenberg und den Fördermitteln aus Bund und Land 240.000 Euro zusammen, mit denen 2018 die Neueindeckung des Pochwerkes finanziert werden konnte.

"Das ist viel Geld für eine Holzschindeldeckung", sagt Christoph Schröder. Doch das Holz - vorausgesetzt, es wird richtig verarbeitet - hat auch große Vorteile: "Es ist leichter als Dachziegel oder Schiefer." Die könnte der Dachstuhl des Bergbaumuseums, dass erstmals im 16. Jahrhundert als Zinnwäsche erwähnt wurde, gar nicht tragen.

Stabiler als Schiefer

Noch etwas ist Schröder aufgefallen: "Unser Besucherbergwerk in Zinnwald ist ja mit Schiefer gedeckt", sagt er: "Da haben wir nach nahezu jedem Winter ein paar Verluste." Holz reagiert viel flexibler auf den Schneedruck als das starre Gestein: "Insofern hat Holz große Vorteile bei der Werterhaltung."

Zumal es nach wie vor handwerklich geschickte Erzgebirger gibt, die die traditionelle Schindeldeckung ihrer Häuser selbst ausbessern. Zweilagig, immer so, dass eine Schindelhälfte die nächste überdeckt, so ist es hier üblich. "In den Alpen machen sie es dreilagig." Die grobe Struktur der Oberfläche nach dem Spalten bringt dabei noch den Vorteil, dass jede einzelne Schindel gut durchlüftet ist.

"Schon das Pochwerk wurde vom Baugeschäft Bielathal aus Olbernhau gedeckt", sagt Schröder, "eigentlich sollte das Bergbaumuseum gleich im Anschluss dran kommen." Doch die dafür nötigen 378.300 Euro konnte Altenberg nicht alleine stemmen, und Fördermittel gab es erst einmal keine. "So ist das, wenn eine Frauke Petry als Bundestagsabgeordnete die Region in Berlin vertritt. Von der haben wir hier nie wieder was gesehen" , sagt Schröder.

Altes DDR-Vermögen hilft

Was half, war letztlich das sogenannte PMO-Vermögen: das "Vermögen der Parteien und Massenorganisation der früheren DDR". "Dass wir Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Montanregion Erzgebirge wurden, ließ uns bei den Politikern sicher auch in der Prioritätenliste steigen." Aus diesem alten DDR-Vermögen wanderten 332.800 Euro nach Altenberg, die Stadt gab 45.500 Euro dazu.

"Damit der Schnee gut abrutscht, laufen die Dächer in einem spitzen Winkel zu. So kamen die riesigen Dachflächen über der Zinnwäsche zustande", sagt Schröder.

Andreas Richter dreht und wendet weiter einzelne Schindeln: "Die spitze Seite muss zur Wetterseite zeigen", sagt er und setzt eine Aststelle so, dass sie später von der nächsten Schicht überdeckt wird. Insgesamt 579 Quadratmeter decken er und sein Kollege auf diese Art - handverlesen im wahrsten Sinne des Wortes.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde