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Bau-Ärger am Altenberger Skihang

Die Bergwiesenhänge der Stadt liegen im Landschaftsschutzgebiet. Und was, wenn einer genau dort baggert?

Statt des alten Parkplatzes hinterm Haus wurde der neue auf der Fläche unterhalb des Lärchenhofes angelegt.
Statt des alten Parkplatzes hinterm Haus wurde der neue auf der Fläche unterhalb des Lärchenhofes angelegt. © Egbert Kamprath

Die Altenbergerin ist erbost: "Die grünen Wiesenhänge gehören zu unserer Ortsansicht", sagt sie am Telefon. "Aber jetzt sehe ich jeden Tag auf eine riesige Erdaufschüttung, und am Wochenende parken auch noch regelmäßig fünf, sechs Autos mitten auf dem geschützten Hang."

Gemeint ist der Skihang südlich der Altenberger Tankstelle, speziell das Grundstück "Am Skihang 1" neben der Villa Unger. Bebaut ist es mit einem Gästehaus, das in den Neunzigerjahren als "Hotel am Skihang" geführt wurde. Bis 2013 gehörten die beiden Grundstücke zusammen. Anton Unger, ein reicher Sägewerksbesitzer in Riesa, hatte sie Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem Sommersitz und einem Gesindehaus bebaut.

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Glücklich über den neuen Nachbarn

Seit 2013 sind die Grundstücke geteilt. "Das Nachbargrundstück verlotterte immer mehr", sagt Kai Uwe Bayer aus Radebeul, der damals die Villa Unger kaufte und seither von einem Pächter als Ferienhaus bewirtschaften lässt. "Ich habe mich oft geärgert über den Anblick." Deshalb sei er glücklich über seinen neuen Grundstücksnachbarn, den Dresdner Jan Heimpold. "Der hat viel investiert und richtig was aus dem Haus gemacht", meint Bayer.

Und die Erdarbeiten? Tatsächlich ist derzeit vor dem Haus des Dresdner Neueigentümers keine Wiese mehr zu sehen, stattdessen ein Erdhaufen. Offensichtlich wurde eine Terrasse am Hang angelegt, mit dem Ziel, genügend Platz für parkende Autos zu schaffen.

"Hier geht es um Familienurlauber, Vereine, größere Gruppen. Da sind oft auch Ältere, Gehbehinderte dabei. Barrierefreier Ausbau gehört in der heutigen Zeit dazu", sagt Kai Uwe Bayer. Die Herberge wäre vom jetzt angelegten Parkplatz aus leichter zu erreichen als von dem früheren, der steil hinterm Haus lag. Die Gäste der Villa Unger könnten nun auch den neuen mit nutzen.

Loipe wird nicht von Autos zerfahren

Den alten Parkplatz habe er beseitigt und renaturiert, sagt Jan Heimpold. Ihm sei es auch um die Loipe gegangen, die die Stadt Altenberg über den Skihang und quer über sein Grundstück führt. "Sie kann nun zwischen dem Haus und dem Parkplatz verlaufen. Der Vorteil ist, dass die Autos nicht über die Loipe fahren müssen."

"Uns passt das auch", sagt Marcel Reuter, Hauptamtsleiter der Stadt Altenberg. Aber angeordnet oder empfohlen hätte die Stadtverwaltung die Verlegung des Parkplatzes nicht: "Das lag wohl eher daran, dass die Gäste auf den alten Parkplatz schlecht hoch kamen und der im Winter kaum vom Schnee freizukriegen war." Doch insgesamt, findet auch Marcel Reuter, hat Heimpolds Initiative "eine positive Wirkung auf Altenberg."

Heimpold vermietet das Haupthaus und den Anbau mit den markanten rot-weißen Fensterläden seit 2020 als "Lärchenhof" und "Kleiner Lärchenhof" auf bekannten Urlaubsplattformen für 20 beziehungsweise zwölf Personen. Die Bewertungen der Gäste fallen online durchweg positiv aus.

Wiese liegt im Landschaftsschutzgebiet

Allerdings liegen die Wiesen des Altenberger Skihangs tatsächlich im Landschaftsschutzgebiet Oberes Erzgebirge. Nach dem Sächsischen Naturschutzgesetz "werden selbstständige Aufschüttungen, Abgrabungen, Auffüllungen von Bodenvertiefungen oder ähnliche Veränderungen" als Eingriff in Natur und Landschaft gewertet, wenn mehr als 300 Quadratmeter Grundfläche betroffen sind, erklärt Bauamtsleiterin Marion Tränkner vom Landratsamt Pirna.

Ohnehin seien derartige Baumaßnahmen - Aufschüttungen, Abgrabungen, Lager- und Stellplätze - im Außenbereich grundsätzlich baugenehmigungspflichtig. Die Lage im Landschaftsschutzgebiet verschärft die Regeln zusätzlich: Eine naturschutzrechtliche Erlaubnis "wird nur erteilt, wenn der Eingriff in Natur und Landschaft ausgleichbar ist und keine Alternativflächen zur Verfügung stehen", schreibt Tränkner. Das gilt auch dann, wenn weniger als 300 Quadratmeter von dem Eingriff betroffen sind und normalerweise keine Baugenehmigung nötig wäre.

Keine Baugenehmigung für den Parkplatz

In Landschaftsschutzgebieten sei es möglich, Grundstücke in der Art und dem Umfang weiter zu bewirtschaften und zu erhalten, wie sie bisher genutzt wurden. Doch neue Wohngebäude soll der Schutzstatus genauso verhindern wie eine andere Nutzung von Flächen - kein Parkplatz statt Wiese also.

Im Fall des Grundstücks "Am Skihang 1" sei gar keine Genehmigung erst eingeholt wurden, also sei auch keine erteilt worden, sagt die Bauamtsleiterin auf Nachfrage von Sächsische.de. Zu dem Vorhaben "führt das Landratsamt als untere Bauaufsichtsbehörde und als Naturschutzbehörde bereits ein Verfahren", heißt es vonseiten der Behörde. Die SZ bleibt dran und informiert über das Ergebnis.

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