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Aroniahochburg Rehefeld

In 800 Metern Höhe fährt Monika Rasehorn einen Ernterekord auf ihrer Aroniaplantage ein. Damit die Beeren auch schmecken, lässt sie sich einiges einfallen.

Monika Rasehorns Aroniaplantage in Neurehefeld liefert dieses Jahr über 500 Kilogramm dieser Früchte.
Monika Rasehorns Aroniaplantage in Neurehefeld liefert dieses Jahr über 500 Kilogramm dieser Früchte. © Egbert Kamprath

Prall war dieses Jahr nicht. Zumindest aus Sicht der Aroniabauern im Elbtal: Die Coswiger Plantagen, die zu den ältesten und größten in Deutschland gehören, trugen kaum Früchte. Schon im  Mai hatten die berühmt-berüchtigten Eisheiligen mit ihren Minusgraden einen Großteil der voll entwickelten Blüten vernichtet. 

"Der Pflanze selbst macht Frost nichts aus", sagt Monika Rasehorn inmitten von Schraubgläsern und Einweckutensilien in ihrem Aronia-Café in Neurehefeld. Auf ihrer 2000-Quadratmeter-Plantage vor dem Haus fährt sie gerade die Ernte ihres Lebens ein. Als unten an der Elbe die Blüten erfroren, hatten ihre oben im rauen Erzgebirgsklima noch gar nicht ausgetrieben. Jetzt biegen sich die Zweige von der prallen Fülle, fast einen Zentimeter messen die Beeren im Durchmesser. Randvolle Eimer stehen vor dem Café, wo Monika Rasehorn versucht, die Ernte sofort weiter zu Gelees und Kompotts zu verarbeiten. "So bleiben die meisten Inhaltsstoffe erhalten", sagt sie. 

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Dennoch: Keine leichte Aufgabe für ein Eine-Frau-Unternehmen mit ein paar helfenden Händen aus der Nachbarschaft. "340 Kilo haben wir in den letzten 14 Tagen bereits geerntet, ich rechne noch mit weiteren 200", sagt die 70-Jährige und wirft ihre Küchenmaschine an, um den Gästen ihren frisch zubereiteten Haustrunk zu mixen: "Da kommen Äpfel, Banane und Aroniabeeren rein", sagt sie: "Und ein guter Schuss Öl, um die Vitamine aufzuschließen." Die rotviolett schäumende Mischung im Glas schmeckt süßsäuerlich, sämig und erfrischend. Kein Vergleich zu dem trockenen, sauer-pelzigen Geschmack der puren Beeren. 

Von der Heilpflanze zum Superfood

Diese tendenzielle Ungenießbarkeit ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass die Aronia in Deutschland bis vor kurzem eher unbekannt war, obwohl sie in Russland und Polen schon lange als Heilpflanze angebaut wird. Inzwischen haben die Beeren allerdings eine steile Karriere als heimisches Superfood gemacht. Die Lobeshymnen über die gesunden Inhaltsstoffe von vier verschiedenen Vitaminen über Folsäure bis zu chemischen Verbindungen, denen gefäßschützende Eigenschaften nachgesagt werden, reißen kaum ab. Bleibt der Umstand, dass es viel Überzeugung braucht, um ein Glas puren Aroniasaft hinunterzuspülen oder gar zu genießen.    

Als Monika Rasehorn ihre Plantage vor zwölf Jahren anlegte, wollte sie eigentlich Schnaps brennen: "Aus einem Obst, das wenig Pflege braucht und die Kälte hier aushält." Auf 800 Metern Höhe sind die Vegetationsperioden nun mal kürzer als im Elbtal, was viele Obstsorten nicht richtig ausreifen lässt. Die Aroniapflanze jedoch stammt ursprünglich aus Kanada und ist Kälte gewohnt. "Dieses Jahr war auch das Wetter optimal: sonnige Tage und feuchte Nächte", sagt Rasehorn: "Seit Ende August sind die Beeren richtig aufgepoppt." 

Auch wenn ihre Idee, aus ihrer Ernte Schnaps zu brennen, am deutschen Brennrecht scheiterte, hat Rasehorn genügend Ideen für ihre Aronias. Als dickes Kompott verwendet sie sie für Waffeln, Kuchen und Torten in ihrem Café. Eingekochtes Mus verarbeitet sie mit Schokolade zu Pralinen. Getrocknet und gemahlen brüht sie aus dem Pulver Tee auf. Und Likör kann sie daraus zubereiten, so viel sie möchte - dagegen hat das Brennrecht nichts. "Ich habe hier immer wieder Gäste, die schlechte Erfahrungen mit dem Geschmack der Beeren gemacht haben", sagt Rasehorn: "Aber ich habe bei allen Zubereitungen so lange experimentiert, bis sie richtig lecker waren." So bekommt die Marmelade beispielsweise durch Apfelsaft ihren letzten Schliff.

Ihr Café am Erzgebirgs-Kammweg öffnet sie an Wochenenden und Feiertagen. Dann können die Gäste auch ihre Liköre und Marmeladen kaufen. In den vergangenen Jahren hat sie die Ernte im Laufe des Jahres stets verbraucht. Doch wenn die Ernten weiter so gut ausfallen, muss sie sich vielleicht noch mehr Aroniaprodukte ausdenken. 

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