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Bahnhof Kipsdorf soll barrierefrei werden

Eine einfache Lösung für Rampen am Kipsdorfer Bahnhof gibt es nicht. Doch eine historische Postkarte brachte eine Idee ins Spiel.

Das Fenster rechts außen war früher mal ein Eingang. Das könnte wieder so werden, als barrierefreier Zugang.
Das Fenster rechts außen war früher mal ein Eingang. Das könnte wieder so werden, als barrierefreier Zugang. © Egbert Kamprath

Es ist kompliziert: Vom Bahngleis in Kipsdorf führt nur ein Weg ohne Stufen auf den Bürgersteig. Diesen Ausgang müssen Bahnbedienstete für alle Passagiere, die mit Rollator, Rollstuhl, Kinderwagen oder auch schweren E-Bikes unterwegs sind, immer erst öffnen - denn er führt direkt auf die B 170. "Das ist kreuzgefährlich", sagt Mario Bielig.

Der Projektmanager Weißeritztal stellte dem Altenberger Stadtrat am Montag die Ergebnisse seiner Arbeit vor. Drei Jahre lang hat er die touristische Einbindung der Weißeritztalbahn in Freital, Rabenau, Dippoldiswalde und Altenberg vorangetrieben.

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Bürgersteig zu schmal für viele Wartende

Am Kipsdorfer Bahnhof ging es darum, eine barrierefreie Lösung zu finden. Denn das schmucke Bahnhofsgebäude lässt sich nur über einige Stufen betreten und auf der anderen Seite wieder verlassen. "Dort drin sind aber auch die Toiletten untergebracht", sagt Bielig.

Die wären vom stufenlosen Ausgang unpraktisch weit entfernt. Eine Ampel oder einen Zebrastreifen dort zu installieren, würde zudem das Landesamt für Straßenbau und Verkehr nicht genehmigen. "Dafür ist der Bürgersteig zu schmal, die Leute hätten dort nicht genügend Warteplatz", sagt Mario Bielig.

Mario Bielig hat drei Jahre lang als Projektmanager Weißeritztal geprüft, wie sich die touristische Infrastruktur entlang der Weißeritztalbahn verbessern lässt. Am Bahnhof Kipsdorf fehlt vor allem ein barrierefreier Zugang.
Mario Bielig hat drei Jahre lang als Projektmanager Weißeritztal geprüft, wie sich die touristische Infrastruktur entlang der Weißeritztalbahn verbessern lässt. Am Bahnhof Kipsdorf fehlt vor allem ein barrierefreier Zugang. © Karl-Ludwig Oberthür

Historische Postkarte bringt eine Lösung

Die bisherige Variante mit einem Lift am Haupteingang bewährt sich nicht: "Den muss immer jemand vom Bahnhof bedienen", sagt Bielig. Doch dafür käme nur Ricardo Lammel vom Info-Büro des Bahnhofs infrage: "Der kann aber dann nicht jedes Mal sein Büro zuschließen und raus kommen."

Schließlich brachte ihn eine historische Postkarte auf eine Spur: "Sie zeigt, dass das Fenster rechts außen mal ein Eingang war. Das könnte ja wieder einer werden." Der nächste glückliche Umstand: Der Heimatverein, der im Bahnhofsgebäude ein kleines Museum betreibt, nutzt diesen Raum nur zum Abstellen. "Dafür ließe sich auch etwas anderes finden."

Diese Postkarte brachte Projektmanager Mario Bielig auf die Idee, die rechte Seite des Bahnhofs für einen barrierefreien Zugang zu nutzen.
Diese Postkarte brachte Projektmanager Mario Bielig auf die Idee, die rechte Seite des Bahnhofs für einen barrierefreien Zugang zu nutzen. © Historische Porstkarte

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Die Lösung für die Rückseite des Bahnhofs ist komplizierter: Vorstellbar wäre eine schiefe Ebene, die vom Obergeschoss an der Berghangseite entlang runter zum Bahngleis führt, "wie eine Serpentine." Er hat das Dresdner Planungsbüro Ipro gebeten, die Umsetzung dieser Idee zu prüfen: "Sie haben eine sechsstellige Summe veranschlagt", sagt Bielig. Eine Tiefenprüfung auf Fels im Boden würde auch dazugehören.

Auf Vorplatz wäre Spielplatz denkbar

Auf dem Vorplatz des Bahnhofs wäre ein Spielplatz denkbar. Auch Marcel Reuter, inzwischen Hauptamtsleiter in Altenberg, immer noch mit Auge auf die touristische Infrastruktur, kann sich gut vorstellen, die Aufenthaltsqualität des Platzes zu steigern. Auch ein Rastplatz sei denkbar, "vor allem, wenn wir alle Autos da wegbekommen."

Denn inzwischen wurde das alte Hotel Halali gegenüber abgerissen. "Für den Abriss gabs Fördermittel, jetzt prüfen wir gerade, zu welchen Fördermitteln für den Parkplatzbau das passt."

Rampen bessere Lösung als Lift

Das sei der eine Schwerpunkt, den die Stadtverwaltung aus Bieligs Projekt mitnimmt. Der andere ist der barrierefreie Ausbau. "Allerdings haben wir das Problem, dass wegen Corona alle Eigenmittel auf dem Prüfstand stehen." Die würden aber die Grundlage für Fördermittelanträge bilden.

"Grundsätzlich sind Rampen eine viel bessere Lösung als Lifte, weil die immer enorme Wartungskosten verursachen", sagt Reuter. Die schiefe Ebene hinten ist jedoch so aufwendig, dass eventuell doch ein Treppenlift infrage käme: "Der wäre dann wenigstens im Gebäude."

Fenster wird nicht einfach zum Eingang

Doch auch vorn ist es nicht damit getan, das Fenster einfach in einen Eingang mit Rampe umzuwandeln: "Der Fußboden liegt jetzt höher." Warum, weiß keiner - die ursprünglichen Bauunterlagen sind weg, und beim Umbau 2004 nach dem Hochwasser war der Zustand schon so wie heute.

"Wir wissen also nicht, was drunter ist", sagt Reuter. Eine Bohrung sei deshalb jetzt erst einmal der nächste Schritt. Im derzeitigen Altenberger Haushalt ist kein Geld für einen Umbau eingestellt. "Wir müssen jetzt erst einmal im kleinen Stil weiter schauen", sagt Reuter.

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