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Osterzgebirge: Bereit für die Radfahrer

Entlang der neuen Blockline bereiten sich Gasthäuser auf Gäste mit Zweirädern vor. In Oberbärenburg wurde dafür eigens angebaut.

Die Kobär-Gasthofinhaber Andrea und Ralph Kappelt haben in der gästearmen Corona-Zeit ihr Haus zur radlerfreundlichen Herberge umgebaut.
Die Kobär-Gasthofinhaber Andrea und Ralph Kappelt haben in der gästearmen Corona-Zeit ihr Haus zur radlerfreundlichen Herberge umgebaut. © Karl-Ludwig Oberthür

Es ist leer im Gasthaus Kobär in Oberbärenburg. Wie in allen anderen Gasthäusern des Osterzgebirges auch erlauben die Coronaregeln keine Feriengäste. Doch ihre Aufbruchsstimmung möchte sich das Inhaberpaar Andrea und Ralph Kappelt davon nicht vermiesen lassen: "Montag kommt die Bauabnahme", sagt Ralph Kappelt im nicht nur neu eingerichteten, sondern komplett neu gebauten Eingangsbereich.

Am Tresen und am Treppengeländer erinnern rustikale Balken mit deutlichen Gebrauchsspuren im rauen Holz an den Schuppen, der zuvor hier stand. "Die alten Dachsparren und Dielen haben wir gleich im Neubau eingesetzt", sagt Andrea Kappelt. Sie verpassen dem neuen Empfangsbereich jenen Charme, den Radfahrer im Erzgebirge suchen: naturbelassen, waldnah, ursprünglich.

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Blockline lotst Radler tief ins Osterzgebirge

Radler, Mountainbiker, E-Bike-Fahrer - sie alle soll die neue Blockline-Strecke tief ins Osterzgebirge und auch bis nach Oberbärenburg lotsen. Die Hauptroute verläuft zwar von Altenberg über Schellerhau nach Bärenfels, doch für einen Radler liegt der Kobär nahezu auf der Strecke.

"Ende 2018 habe auf einer Versammlung zur Blockline von dieser Förderung hörte", sagt Ralph Kappelt und meint das Leader-Programm der EU zur Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes. Es ging darum, rund um die 140 Kilometer lange Blockline eine radfahrerfreundliche Infrastruktur anzusiedeln.

Langer Weg durch die Förderformulare

Die Kappelts wiederum hatten schon lange Pläne, ihren Garage-und-Schuppen-Anbau zu einem baulichen Bestandteil des Gasthauses werden zu lassen, "aber die Kosten hatten mich immer wieder abgeschreckt", sagt Ralph Kappelt. Die Leader-Förderung passte perfekt zu seinem Vorhaben.

Das Ingenieurbüro Kamenz aus Altenberg unterstütze die Kappelts beim Weg durch die Förderformulare: "Zunächst mussten wir in einem Auswahlverfahren die Leader-Kommission von unserem Vorhaben überzeugen", sagt Kappelt. In den neuen Anbau projektierten sie also eine Fahrradgarage mit Werkstatt, Außendusche und Aufzug, Ladesteckdosen und einen direkten Zugang zum Pool-ähnlichen Teich hinter dem Haus.

Leader-Geld kommt erst nach Bauabnahme

Das Untergeschoss beherbergt eine geräumige Fahrradgarage mit Werkstatt.
Das Untergeschoss beherbergt eine geräumige Fahrradgarage mit Werkstatt. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Förderung beträgt 80 Prozent. Bei Kappelts entsprach das 200 000 Euro. Doch noch tragen sie die Kosten für den Umbau selbst: "Dafür haben wie einen Zwischenkredit aufgenommen", sagt Kappelt. Denn erst nach der Bauabnahme können sie die Rechnungen für den Umbau beim Landratsamt einreichen, das dann wiederum das Leadergeld auszahlt.

Auf dem Weg zum Logispartner der Blockline beriet sie auch Ronny Schwarz. Der Marketingleiter für Rad- und Mountainbike-Angebote beim Tourismusverband Erzgebirge brachte seine Erfahrungen aus der Stoneman Miriquidi-Strecke des Westerzgebirges mit ein: "Beispielsweise, dass wir die Kärcherstation nicht zu nah am Haus planen, um die Fassade zu schonen", sagt Kappelt.

Gasthaus hat mehr von Familienurlaubern

Bei der touristischen Vermarktung der Blockline wird der Kobär in Online-Auftritten und in Broschüren als Logispartner in Erscheinung treten. "Wir planen auch selbst eine Broschüre, in der wir Radwege rund um Oberbärenburg zusammenstellen und auf den Wildpark, die Sommerrodelbahn und das Bergbaumuseum aufmerksam machen", sagt Kappelt - auch das war eine Anregung von Ronny Schwarz.

Denn die reinen Sportler, denen es hauptsächlich darum geht, die 140 Blockline-Kilometer so schnell wie möglich abzufahren, werden sich in der Kobär-Buchungsbilanz kaum bemerkbar machen. Wichtiger sind die Familienurlauber - ein Klientel, für das sich der Tourismusverband Erzgebirge dieses Jahr zur Internationalen Tourimusbörse besonders positionierte, und auf das auch die Blockline einmal mit seinen relativ dicht aufgestellten Etappen-Portalen abzielt.

Derzeit läuft die Ausschreibung für die Portale

Die hölzernen Portale werden künftig das Erkennungszeichen der neuen Strecke sein. Eine der neun Gemeinden, die sich für das Blockline-Projekt zusammengeschlossen haben, kümmert sich darum. "Wir selbst arbeiten mit Hochdruck an einem Shuttlenetz, das die Radfahrer nach einer Streckenfahrt wieder zurück in ihre Unterkünfte bringt", sagt Marketingleiter Schwarz. Denn die drei Loops der Blockline, also große Rundfahrten, sind alle über 50 Kilometer lang: "Gerade Familien könnten kürzere Tagesstrecken bevorzugen."

Schwarz riet den Kappelts auch, nicht selbst Räder zu verleihen, sondern sich einen professionellen Partner dafür zu suchen. Die sind dafür mit der "Bikezeit" in Altenberg im Gespräch. "Das ist unser nächster Schwerpunkt: Genügend Fahrradservicepartner entlang der Blockline", sagt Schwarz.

Synergieeffekte für alle Beteiligten

Wenn die touristische Infrastruktur gut mit der Blockline verflochten ist, ergibt das einen Synergieeffekt für alle Beteiligten - Touristen lernen eine neue, spannende Region kennen, Gasthäuser haben die Chance auf ein neues, jüngeres Gästeklientel, Läden am Wegesrand können sich auf die speziellen Bedürfnisse der Radfahrer einrichten.

Dass das Osterzgebirge genügend Potenzial haben wird, Radler anzuziehen, dessen ist sich Ronny Schwarz ganz sicher: "Wenn man sich anschaut, welch lange Lieferfristen besonders E-Bikes inzwischen haben, dann ist das Rad das Fortbewegungsmittel der Stunde."

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