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Wir haben den besten Eismeister der Welt

Seit anderthalb Jahren manövriert Jens Morgenstern die Bobbahn durch Weltmeisterschaften und Corona. Ein Mann ist ihm dabei besonders wichtig.

Jens Morgenstern, Geschäftsführer WiA, hat schon die WM-Mütze für 2021 auf.
Jens Morgenstern, Geschäftsführer WiA, hat schon die WM-Mütze für 2021 auf. © Egbert Kamprath

Herr Morgenstern, wie geht es Ihnen in Altenberg?

Altenberg war wie ein kleines Nachhausekommen. Während meiner eigenen sportlichen Tätigkeit und als Trainer war ich im Erzgebirge unterwegs, auch später als Trainer in Winterberg und als Funktionär der International Bobsleigh and Skeleton Federation hatte ich Kontakt zum Altenberger Eismeister Ralf Mende und zum Bahnleiter Tino Klein. Zudem leben meine Mutter und die Schwiegereltern in Sachsen, und die Weihnachtskultur des Erzgebirges schätze ich sowieso.

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Wie lief das erste Jahr?

Zuerst habe ich mich mit den Kollegen abgestimmt, die Stimmung und das System hier kennengelernt – alles gleich mit einer WM vor der Brust. Doch weil ich die 2015er WM in Winterberg mit organisiert hatte, wusste ich ganz gut, was auf mich zukommt. Der Job hier macht mir viel Freude. Trotz finanzieller Zwänge gibt es auch Spielraum zur Gestaltung. Ich kann eine ganze Menge erreichen in meinem Sport, den ich selbst gern betrieben habe. Als Bahnbetreiber habe ich zudem gute Partner – als erster sei hier der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge als Eigentümer der Bahn genannt. Deshalb gilt ein besonderer Dank dem Landrat Michael Geisler, der sich mit nicht unerheblichen finanziellen und personellen Ressourcen an der Entwicklung der Bahn beteiligt. Genannt werden sollen aber auch unerlässliche Partner wie das Sächsische Innenministerium, die Stadt Altenberg oder der Rennrodel-, Bob- und Skeletonverband für Sachsen (RBSV). Mit allen können wir sehr gut arbeiten – das zeigen ja auch die Ergebnisse.

Was unterscheidet den Enso-Eiskanal von anderen Bahnen?

Ralf Mende! Mit ihm haben wir in Altenberg den besten Eismeister der Welt. Er war auch ein Punkt, wegen dem ich mich entschieden habe, WIA-Geschäftsführer zu werden: Da wusste ich schon mal, dass die Eisqualität stimmt. Das sieht man nicht nur, das hört man auch, vor allem im Vergleich zu anderen Bahnen. Der Mende mit seinem Team - die leben das.

Ein anderer Punkt ist die Zusammenarbeit mit dem Landesverband RBSV als sportlicher Ausrichter der Wettbewerbe. In Winterberg übernehmen die Sportvereine den sportlichen Part. Von Bahn zu Bahn ist das verschieden, aber unser Modell ist nicht minder erfolgreich.

Im Rückblick auf 2020 – wie fing das Jahr denn an?

Bis zum Ende der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften hatten wir ein Riesenglück. Wegen der aufkommenden Corona-Pandemie gab es zwar schon erste Auflagen. Dennoch war die WM eine der letzten Veranstaltungen mit voller Zuschauerzahl. Besonders vom letzten Sonntag mit dem Viererfinale gingen grandiose Bilder aus Altenberg um die Welt.

Und danach? Durchatmen, Pause?

Und Corona. Das machte uns einen Strich durch die Sommernutzung. Auch, als wir langsam anfangen konnte, wieder Touristen für Sommerbob und Führungen auf das Bahngelände zu lassen, ging das nicht in dem Umfang wie in früheren Jahren. Das ging weiter mit dem Sommertraining der Rodelathleten: Wer darf wann an die Bahn? Dazu zig verschiedene Festlegungen und Verordnungen - das war auch für die Vereine und Verbände nicht einfach.

Welche Arbeit hatten Sie mit dem Umsetzen der Corona-Schutzverordnungen?

Wir müssen immer schauen: Wie ist die Verordnung vom Landkreis, wie die vom Freistaat, vom Bund? Wie lassen die sich übereinanderlegen? Wie kommuniziere ich das mit den Nutzern? Welche Kaderkreise dürfen trainieren? Und immer der Gedanke: Habe ich alles beachtet, ist noch eine Lücke?

Seit wir Anfang Oktober eingeeist haben, steht der Draht zu den Kolleginnen und Kollegen vom Gesundheitsamt Pirna, die die Hygienekonzepte sichten und auswerten. Für diesen Austausch bin ich sehr dankbar. Beim Rodelweltcup waren wir intensiv im Gespräch. So ist uns eine hervorragende Veranstaltung gelungen, aus der wir glücklicherweise ohne einen Coronafall rausgegangen sind.

Jetzt haben wir dem Gesundheitsamt die Konzepte zur Bob- und Skeleton-WM 2021 eingereicht. Ich bin über die Rückmeldungen dankbar, denn die Mitarbeiter der Behörde haben einen ganz anderen Blick auf diese Texte als Außenstehende. Die Unterstützung, die wir von dort bekommen, hilft uns wirklich sehr.

Gab es denn bisher Sportler, die mit Corona angereist sind?

Bleiben wir beim Rodelweltcup: Weil zwei Rumänen in Innsbruck-Igls positiv getestet wurden, reiste die gesamte rumänische Mannschaft bei uns gar nicht erst an. Die Eingangstests, die wir mit den Athleten durchführten, waren alle negativ. Im Nachgang habe ich mich beim nächsten Wettkampf in Oberhof erkundigt: Auch dort reisten alle mit negativem Befund an. Unsere Hygieneauflagen zeigten also Wirkung: Keine Zulassung von Zuschauern, Einlasskontrollen, verschiedene Coronatests, Abstand halten, Maske auf, Desinfizierung, wenig Kontakte.

Was ist wegen Corona ganz ausgefallen?

Gästebob, Eistubing, Firmenevents, Weihnachtsfeiern – alle touristischen Angebote, aber auch der Breitensport. Vor allem das fehlende Kindertraining macht uns traurig. Ganze Jahrgänge von Rodelnachwuchskindern können eine ganze Saison nicht aufs Eis. Hoffentlich bleiben alle dabei.

Als im Sommer die Nachricht kam, dass die Bob- und Skeleton-WM 2021 wieder an Altenberg geht - haben Sie mit diesen Problemen gerechnet?

Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Lage nochmal so zuspitzt. Aber dass es keine normale WM wird, war auch klar. Jetzt liegt unser Hauptaugenmerk auf den Verordnungen und Verfügungen. Es wäre vermessen, mit Zuschauern zu planen. Wir werden die WM mit vielen Tests und Kontrollen durchführen, mit Platz zum Abstand halten, mit Desinfektionen, mit optimierten Abläufen und Gruppeneinteilungen, damit die Sportler so wenig wie möglich aufeinandertreffen.

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten bemüht sich um die Übertragung der WM in die Stadt Altenberg – machen Sie mit?

Wir sind gerade dabei, die rechtliche Seite zu klären. Ich bin optimistisch, dass die Übertragung wie schon im letzten Februar funktionieren wird. Uns ist wichtig, dass die Stadt Altenberg bei den Wettkämpfen eng mit dran ist. Letztlich kommt es darauf an, wie die Stadt die Übertragung mit den Corona-Verordnungen vereinbaren kann.

Reichen die Zuschüsse vom Freistaat Sachsen? Oder brauchen Sie noch anderen Einnahmequellen?

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Mit den 150.000 Euro des Freistaats können wir hervorragend leben. Unser Dank gilt hier dem Innenminister Roland Wöller sowie dem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, den wir auch als Schirmherren für die Weltmeisterschaften gewinnen konnten. Allein würde dieser Betrag aber leider nicht für das Gesamtbudget ausreichen. Zuschüsse bekommen wir auch vom Bund, vom Landkreis, vom RBSV, von der IBSF, von der Stadt Altenberg und von unseren eigenen Sponsoren, der Ideal-Versicherung sowie der Enso. Weil die WM 2020 so gut lief, sind sie uns alle treu geblieben. Ich bin also optimistisch, dass die finanzielle Ausrichtung stimmt.

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