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Umbaupläne zur Bobbahn Altenberg liegen auf Eis

Im Eiskanal wird bereits trainiert. Doch was wird aus der lange geplanten Entschärfung der gefährlichen Kurven?

Die Kurve 13 ist eine der drei Kurven, die einen größeren Radius erhalten sollen.
Die Kurve 13 ist eine der drei Kurven, die einen größeren Radius erhalten sollen. © Egbert Kamprath

Seit klar ist, dass nach den Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften 2020 auch die WM 2021 in Altenberg ausgerichtet wird, liegen die langjährigen Umbaupläne für den Enso-Eiskanal ein weiteres Mal im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis. Eigentlich beschloss der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge als Eigentümer der Bahn bereits im April 2018 den Umbau der drei Kurven 11, 12 und 13. Schon 2017 mahnte unter anderem der Altenberger Bürgermeister, dass die Bobbahn für Internationale Wettkämpfe bald nicht mehr infrage käme, wenn die Kurven nicht an die Erfordernisse moderner Rennschlitten angepasst würden.

"Mit diesem Problem haben mehr oder weniger alle Bahnen zu kämpfen", sagt der Wintersport Altenberg-Geschäftsführer Jens Morgenstern dazu: "Denn sowohl die Rennschlitten als auch die Athleten werden immer besser und schneller." 

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Die bisherigen Kurvenradien sind eng. Bei derart hohen Geschwindigkeiten, die die Sportler inzwischen bei Wettkämpfen erreichen, drohen vermehrt Unfälle. "Den Athleten ist die Altenberger Bahn nicht neu, sie wissen, wie sie funktioniert", sagt Morgenstern. "Aber um die letzte hundertstel Sekunde herauszuholen, fährt auch mal jemand auf einer Linie, die nicht die sicherste ist."

Noch immer Klärungsbedarf bei der Finanzierung

2018 konnte der Landkreis nicht sofort anfangen zu bauen, weil er die Kosten, die erst mit 2,6, dann mit 3,6 Millionen Euro veranschlagt wurden, nicht alleine aufbringen kann. Als der Bund 2019 zusagte, 90 Prozent der Bausumme zu übernehmen, reichte die Zeit nicht mehr: Die Internationale Bob- und Skeletonvereinigung vergab die WM 2020 an Altenberg, also begann die Trainingssaison im Herbst 2019. 

Derzeit steht der Landkreis vor der gleichen Situation: Die Bahn wird dringend für die Trainingswochen der Sportler gebraucht, eine Baustelle wäre derzeit undenkbar. "Der Umbau muss innerhalb von sieben Monaten - zwischen zwei Wettkampfperioden - erfolgen", schreibt Heiko Weigel, Leiter des Bauamtes im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. 

Zwar wäre diese Zeitspanne zwischen dem Ende der WM im März und dem aktuellen Saisonbeginn gegeben gewesen, aber es gäbe noch immer "Klärungsbedarf mit den Fördermittelgebern." Geklärt werden müssten noch die Ausschreibungsmodalitäten für die Planungsleistungen sowie zu Materialien, die beim Umbau eingesetzt werden sollen. Letztlich sei eine Bobbahn kein alltägliches Bauwerk. "Der Abstimmungsbedarf ist deshalb wesentlich größer", schreibt Weigel. Vor 2022 sei kein Baubeginn möglich.

Ist der Umbau überhaupt noch nötig?

Doch wenn Altenberg nun bereits die zweite WM in kurzer Folge ausrichten kann, unter anderem, da es "auch noch die notwendigen Strukturen vorweisen kann, um eine Weltmeisterschaft in der Kürze der Zeit unter den herausfordernden Rahmenbedingungen durchzuführen", wie sich die IBSF-Generalsekretärin Heike Größwang zur erneuten Vergabe äußerte - ist dann der Umbau, für den mittlerweile mehr als 3,6 Millionen Euro veranschlagt werden, überhaupt nötig?      

"Er dient der Sicherheit vor allem junger Sportlerinnen und Sportler am Anfang ihrer Karrieren", schreibt Heiko Weigel dazu: "Er soll nicht zuletzt auch denjenigen Nationen, die neu in den Kufensport einsteigen, faire Wettkampfbedingungen sichern. Gleichzeitig sichern wir damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Bahn in Altenberg." 

Ein Bekenntnis zum Umbau kommt auch von Seiten des Sächsischen Innenministerium: "Unabhängig von den vergebenen Weltmeisterschaften finden auch regelmäßig Weltcup-Rennen auf der Rennschlitten- und Bobbahn in Altenberg statt, so dass aus sportfachlicher Sicht ein Umbau der Kurven 11 bis 13 notwendig erscheint", schreibt Pressereferent Mario Stenzel. 

Mittlerweile hat die Bobbahn-Saison begonnen. "Wir sind die erste Bahn in diesem Jahr, die ins Eis gegangen ist", sagt Jens Morgenstern. Seine WIA-Mitarbeiter haben die Röhre in der vergangenen Woche planmäßig vereist. Am Freitag kam der Nachwuchs des sächsischen Rennrodel-, Bob- und Skeletonverbandes traditionell zum Anrodeln. Inzwischen trainieren bereits die deutschen Rodel- und Skeleton-Nationalmannschaften. 

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 "Mit geschickter Bahnenplanung vermeiden wir alle unnötigen Kontakte zwischen den Athleten", sagt Morgenstern. So trainieren die Sportler beispielsweise in festen Gruppen, die sich nicht begegnen. Morgenstern ist froh, dass wenigstens der Saisonstart in den Bahnbetrieb normal verlief: "Jetzt heißt es für alle, mit hoher Disziplin die Hygienevorschriften einzuhalten." 

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