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Die Schellerhauer Botanik hat Durst

Im Botanischen Garten kommt Annette Zimmermann mit Gießen kaum hinterher - und ihr Brunnen nicht mit dem Wasser. Doch es gibt auch Erfreuliches.

Annette Zimmermann, Leiterin des Botanischen Gartens in Schellerhau, zeigt auf die Kurilen-Lärche, die ihre Nadeln bereits verloren hat - wegen Trockenheit.
Annette Zimmermann, Leiterin des Botanischen Gartens in Schellerhau, zeigt auf die Kurilen-Lärche, die ihre Nadeln bereits verloren hat - wegen Trockenheit. © Egbert Kamprath

Sie könnte zwischen 120 und 140 Jahre alt sein, schätzt Annette Zimmermann, Leiterin des Botanischen Gartens in Schellerhau: "Die Kurilen-Lärche wurde noch von Gustav Adolf Poscharsky gepflanzt, der den Garten 1906 anlegte."  Der Baum, der auf der russisch-japanischen Inselkette der Kurilen heimisch ist, bekommt bei jeder Gießrunde eine Extraportion Wasser. 

Im Grunde sei es völlig wahnsinnig, solch einen alten Baum durch Gießen zu bewässern: "Die Herzwurzeln der Lärchen ragen circa zwei Meter tief in die Erde. Aber selbst nach tagelangem Bewässern fühlt sich nur die Bodenoberfläche feucht an." Was die Ingenieurin für Garten- und Landschaftsarchitektur besonders besorgt: "Ihre Nadeln sind schon im Sommer gelb geworden. Nur zwei, drei Äste sind noch grün."

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Aufs Gebirge spezialisierte Pflanzen

Was den großen Wäldern zu schaffen macht, geht auch nicht an dem anderthalb Hektar großen Gartengelände vorüber. Die dort wachsenden Pflanzengemeinschaften des Erzgebirges und anderer Regionen Europas, Asiens und Amerikas sind auf Gebirgslagen spezialisiert, nicht auf Steppe. Doch das Wässern ist inzwischen eine zeitraubende Prozedur - und eine teure noch dazu. 

In normalen Jahren reicht das Wasser eines Brunnens oberhalb des Geländes aus, um die Pflanzen über den Sommer zu bringen. Sogar der  Bachlauf mitsamt Teich, die das Umfeld für kleine Pflanzenbiotope bilden, werden dann vom Brunnen ausreichend versorgt. "Wir sind allerdings nicht die ersten Nutzer, bei denen das Brunnenwasser ankommt", sagt Zimmermann. Und so bildete sich in diesem Jahr kaum ein nennenswerter Wasserspiegel. 

"Ein Botanischer Garten kann seine Pflanzen ja nicht einfach vertrocknen lassen", sagt Zimmermann. Wenn der Brunnen nichts hergibt, muss sie mit Trinkwasser nachhelfen. "In diesem Jahr kamen da schnell neun bis 13 Kubikmeter zusammen -  pro Tag. Doch ein trockener Boden nimmt Wasser viel schlechter auf. Es fließt an der Oberfläche ab."

Was die Pflanzen noch schwächt

Dabei war das kleine Ökosystem in Schellerhau dieses Jahr bereits geplagt genug, als die Eisheiligen im Mai beispielsweise den frischen Austrieb der Buchen erfroren. Gerade die Pflanzen des Erzgebirges sind zwar an späte Fröste gewöhnt, "doch dieses Jahr hatten sie wegen der Frühjahrswärme schon besonders weit ausgetrieben". Die ganze Vegetationsperiode verschiebe ihren Start immer mehr in den frühen Frühling.   

All das schwächt die Bäume und macht sie anfällig für Borkenkäfer und andere Baumschädlinge. Auch im Schellerhauer Garten haben sie schon ihre Opfer gefunden: "Für die Bäume, die im Fichtenwaldquartier deshalb gefällt wurden, haben wir Weißtannen nachgepflanzt." Immerhin: Das wäre vor 30 Jahren unmöglich gewesen. "Weißtannen sind Zeigerpflanzen für die Luftreinheit." Und auch ein anderer kleiner Erfolg freut Annette Zimmermann: Einen neuen Borkenkäferbefall hat sie in diesem Jahr nicht feststellen können.  

Saatgutbörse am Sonntag

Auf der Saatgutbörse am Sonnabend gibt es Samen von alten, seltenen und regionalen Kulturpflanzen.
Auf der Saatgutbörse am Sonnabend gibt es Samen von alten, seltenen und regionalen Kulturpflanzen. © ronaldbonss.com

Am Sonntag veranstaltet das Umweltbildungshaus Johannishöhe aus Tharandt eine Saatgut-Tauschbörse von 14 bis 17 Uhr im Wirtschaftsgebäude des Botanischen Gartens Schellerhau. Interessierte Gärtner bekommen hier Saatgut von alten Gemüsesorten, Blumen oder Färberpflanzen wie Johanniskraut und Färberkamille. Die Johannishöhe ist  Mitglied der Interessengemeinschaft "Lebendige Vielfalt" und im "Netzwerk zur Erhaltung der Kulturpflanzen", die das Ziel verfolgen, die Vielfalt alter und regionaler Pflanzensorten zu erhalten und das Wissen um ihre Vermehrung weiterzugeben. So geben die Veranstalter auch Tipps zur Saatguternte, zur Reinigung und Lagerung des Saatgutes oder für die Aussaat im Hausgarten.

Privatgärtner haben die Möglichkeit, selbst Pflanzen - die beispielsweise zu groß wurden und geteilt werden mussten - für eine Pflanzentauschbörse beizusteuern. Unter dem Motto „Von privat – für privat“ können Pflanzen abgegeben oder getauscht werden. Wer teilnehmen möchte, bekommt einen Standplatz im Freien zugewiesen. Zur Koordinierung wird um telefonische Anmeldung gebeten: Tel. 035052 67938 

Während der Tauschbörse sorgt der Fremdenverkehrsverein Schellerhau für Kaffee und  Kuchen (der Zuckerkuchen ist berühmt!)

Als Eintritt gilt der reguläre Garteneintrittspreis von 3 Euro, Ermäßigungen auf Anfrage. 

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