merken
PLUS Dippoldiswalde

Dippoldiswalde liegt im Kälteteich

Die Temperaturen stecken zurzeit tief im Minusbereich fest. Doch die "Murmeltiermethode" sagt keinen langen Winter voraus.

Die kälteste Nacht Sachsens maß der Deutsche Wetterdienst zwischen Dienstag und Mittwoch in Dippoldiswalde.
Die kälteste Nacht Sachsens maß der Deutsche Wetterdienst zwischen Dienstag und Mittwoch in Dippoldiswalde. © Egbert Kamprath

Wenn es um Kälterekorde geht, fährt Dippoldiswalde eher selten Superlative ein - dafür ist normalerweise das 18 Kilometer weiter südliche Zinnwald auf dem Erzgebirgskamm zuständig. Doch in der Nacht zum Mittwoch spielte Dippoldiswalde die oberen Hanglagen an die Wand: -23,9 Grad meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD), die kälteste Nacht in ganz Sachsen. Zinnwald erreichte „nur“ -18 Grad.

Die Talsperre Malter wartet inzwischen mit einer nahezu geschlossenen Eisdecke auf, auch wenn die noch nicht tragen dürfte. Doch wie kommt Dippoldiswalde zu seinem sibirischen Ehrentitel?

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Tiefe Minusgrade sind normal fürs Osterzgebirge

„Zunächst einmal ist im Winter mit Winter zu rechnen“, sagt Norbert Märcz vom Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld scherzhaft. Die Minusgrade können ihn nicht so richtig beeindrucken: „So selten sind die nicht für die Winter hier. Wir sind nur zu verwöhnt von den letzten Jahren.“

Vom regionalen Klima her gesehen sanken in Dippoldiswalde die Temperaturen so tief, weil die Stadt im Tal liegt, „und kalte Luft sinkt nun mal nach unten“, sagt Märcz. Rund um Dippoldiswalde hat sich also ein regelrechter Kälteteich gebildet – während weiter oben im leicht bewölkten Zinnwald die Sonne für ein wenig Erwärmung sorgte.

Der Nordpol persönlich sorgt für den Winter

Für den Bilderbuchwinter im Ganzen jedoch ist der Nordpol persönlich zuständig: „Im letzten Jahr saß dort ein stabiles Tiefdruckgebiet“, sagt Norbert Märcz. Das habe letztlich immer wieder milde Luft aus westlicher Richtung über Deutschland gespült.

„Dieses Jahr hat sich dieses Tiefdruckgebiet geteilt, und die Tiefs ziehen südlich ab.“ Deutschland stünde deshalb derzeit im Einflussbereich der russischen Kaltluft.

Kalte Luft aus Russland und Mittelmeerluft mit Saharasand

Die stolzen 75 Zentimeter Schneehöhe, die Märcz jetzt in Zinnwald vermelden kann, sind zu einem guten Teil dieser kalten russischen Luft zu verdanken, die Ende letzter Woche fest am Boden lag, während eine Warmfront aus dem Mittelmeerraum darüber hinweg strömte – gesättigt mit der Feuchtigkeit des Mittelmeers und offensichtlich auch einer Menge Saharasand. Er gibt dem Schnee jetzt eine vanillefarbene Nuance.

Wie jeder Brillenbesitzer entnervt bestätigen kann, bringt warme Luft beim Zusammentreffen mit Kaltem sofort das Wasser zum Kondensieren – auf der Brille genauso wie an der Grenze zweier Luftschichten. „Weil bei uns die kalte Luft eine ziemliche Stärke hatte, ist bei uns alles als Schnee niedergegangen“, sagt Märcz.

Wetter an Lichtmess verheißt kurzen Winter

Wenn die Murmeltier-Vorhersage vom 2. Februar stimmt, dann wird es jedoch kein Winter, der sich noch weit ins Frühjahr zieht: „Am 2. Februar ist Lichtmess, da wird das Licht gemessen“, sagt Märcz.

Zu diesem Zweck hielt er pünktlich 12 Uhr ein Plüschmurmeltier vor eine Leinwand – und konnte keinen Schatten erkennen: „Der Winter sollte also keine sechs Wochen mehr dauern“, sagt Märcz mit einem Zwinkern. „Die Murmeltier-Vorhersage stimmt erstaunlich oft.“

Mehr Nachrichten aus den Regionen Altenberg und Dippoldiswalde lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde