Dippoldiswalde
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Film übers Erzgebirge geht viral

Das Regionalmanagement Erzgebirge beweist Humor mit einem Imagefilm, der auf charmante Art die Klischees übers Erzgebirge aufs Korn nimmt.

Von Siiri Klose
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Herr Kleinelt genießt Wetter und Aussicht bei den Dreharbeiten für "Weit Weg von allem: Erzgebirge."
Herr Kleinelt genießt Wetter und Aussicht bei den Dreharbeiten für "Weit Weg von allem: Erzgebirge." © Georg Ulrich Dostmann

Der schicke Alurollkoffer bleibt im Matsch stecken, die weißen Sneaker von Herrn Kleinelt auch. Denn natürlich regnet es im Erzgebirge. "Ärzgebirge", sagt Herr Kleinelt, als würde er den Namen eines unbekannten Eingeborenenstamms buchstabieren. Um dann festzustellen: "Drei Buchstaben reichen: w, w, w – Wende, Weihnachten und weit weit weg."

Herr Kleinelt ist eine Erfindung des Regionalmanagements Erzgebirge mit Sitz in Annaberg-Buchholz, bekannt unter dem Slogan "Erzgebirge - gedacht gemacht." Dahinter steckt die Wirtschaftsförderung des Landkreises Erzgebirge. Ihr Ziel ist es, die regionalen Unternehmen zu fördern, zu vernetzen, Fachkräfte anzulocken und den Nachwendeschwund an Einwohnern wieder aufzufüllen. Sprich: Menschen in die Region zu locken.

Neue Kampagne: Hammerleben in der Provinz

Die neue Hammer Provinz-Kampagne, die das Regionalmanagement gerade in Berlin startete, wendet sich an "immer gestresste Großstädter - sogenannte Sinnsucher - die wir auf diese Art indirekt auf die Vorzüge eines Lebens im Erzgebirge aufmerksam machen wollten", teilt Regionalmanagement-Projektleiterin Peggy Kreller mit.

Der Fünf-Minuten-Film über Herrn Kleinelts Recherche im Erzgebirge ist deshalb so sehens- und liebenswert, weil er viel hintergründigen Humor beweist. Die gängigen Klischees von Landschaft, Menschenschlag, Bergbau und Weihnachttraditionen werden allesamt aufgenommen, auf links gedreht und entstaubt.

"Da kommst du mit großen Hoffnungen dorthin. Und was findest du? Nichts. Kein Drama, keine Komplexe, kein Stress, kein einziges Klischee", sagt Herr Kleinelt, während ihn die Rückblende von seinem Hipster-Großstadtbüro in eine tropfnasse Wald- und Wiesenlandschaft zurückversetzt (Erzgebirger erkennen das Schwarzbachtal): "Das kennste wirklich nur vom Wetterbericht. Da schaut niemand hin. Das ist am Arsch der Welt. Und es ist wunderschön."

Sätze für die Ewigkeit

Sätze für die Ewigkeit sind einige zu finden in dem Film. Denkwürdig etwa: "Der ländliche Minderwertigkeitskomplex ist einfach zeitlos." Während der Lokalreporter in einer Bergbaude mit "Glück auf!" und Kräuterlikör begrüßt wird, sinniert er über die Seele der Erzgebirger: "Das ist ein zänkisches Bergvolk, die knackst du nicht einfach so", und "ein schwerer Schlag Mensch, komplizierte Seelen."

Klischee Nummer eins: "Ein zänkisches Bergvolk" - mit dem sich Herr Kleinelt in der Bergbaude ganz wohl fühlt.
Klischee Nummer eins: "Ein zänkisches Bergvolk" - mit dem sich Herr Kleinelt in der Bergbaude ganz wohl fühlt. © Regionalmanagement Erzgebirge
Klischee Nummer zwei: das Wetter. Natürlich regnet es in einem Film über das Erzgebirge.
Klischee Nummer zwei: das Wetter. Natürlich regnet es in einem Film über das Erzgebirge. © Reginalmanagement Erzgebirge
Klischee Nummer drei: "Bergbau, seit dem die Denken können."
Klischee Nummer drei: "Bergbau, seit dem die Denken können." © Reginalmanagement Erzgebirge
Klischee Nummer vier: das Handwerk. "Die sind ja gewohnt, alles selber zu machen, und die können auch alles selber machen. Die basteln, die werkeln, die schrauben alles alleine."
Klischee Nummer vier: das Handwerk. "Die sind ja gewohnt, alles selber zu machen, und die können auch alles selber machen. Die basteln, die werkeln, die schrauben alles alleine." © Regionalmanagement Erzgebirge

"Nach einem Workshop mit verschiedenen Filmemachern mit regionalem Bezug beauftragten wir den Regisseur Peter Haueis mit dem Drehbuch", schreibt Peggy Kreller. Haueis ist gebürtiger Marienberger, der laut Selbstauskunft wegen zu vielen Bäumen aus dem Erzgebirge floh, inzwischen in Hamburg wohnt, aber immer häufiger zurück ins Erzgebirge fährt, "weil dort so viele tolle Bäume sind."

Mutiger Schritt mit viel Selbstironie bringt viele Klicks

"Das eher traditionelle Erzgebirge sollte einen mutigen Schritt gehen und überraschen, indem es sich über seine eigenen Klischees lustig macht", erklärt Peggy Kreller die Intension des Films: "Es sollte kein Imagevideo fürs Erzgebirge sein, sondern hintergründig das Thema Stadt versus Land fokussieren."

Dass sie und Peter Haueis einen Nerv getroffen haben, beweisen die steil nach oben gehenden Klickzahlen auf Youtube: Fast 80.000 Aufrufe innerhalb von fünf Tagen, "und wir bekommen von allen Seiten positives Feedback. Der Mut, sich über Klischees lustig zu machen, hat sich also gelohnt", sagt Peggy Kreller.

Kampagne und Film im Internet: