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Erzgebirgische Mundarttage kommen nach Geising

Um arzgebirgsche Mundart zu üben, kommen Jugendliche sogar sonnabends ins Altenberger Gymnasium. Bei den Mundarttagen wird klar, warum.

Der Teil der Mundart-AG des Gymnasiums Altenberg, der für den Freitag probt, mit Lehrerin Katrin Legler (r.).
Der Teil der Mundart-AG des Gymnasiums Altenberg, der für den Freitag probt, mit Lehrerin Katrin Legler (r.). © Egbert Kamprath

Das Wort "Pilze" steht an der Tafel, daneben "Arzgebirgsch: Schwamme". So eine Erklärung bräuchten Uhießsche - Auswärtige - auch für viele andere Worte, die bei der Probe in der Mundart-AG des Gymnasiums Altenberg durch den Raum fliegen. A weng, fei schie, de Ant und de Kließer, s' nei Gahr - Arzgebirgsch ist kein bisschen mit der sächsischen Landessprache verwandt.

"De Fosnd", den zentralen Feiertag von Geising, muss Kathrin Legler auch den Jugendlichen ihrer AG erst mal erklären: "Das ist die Fastnacht, also der Fasching", sagt sie. Das Westerzgebirge kennt sogar noch die Fosndknacker - die Faschingskinder.

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Premiere in Geising

Im westerzgebirgischen Schneeberg ist auch der Kulturkreis des Erzgebirgsvereins beheimatet, der die Erzgebirgischen Mundarttage ausrichtet: "Hier gibt es viermal im Jahr Mundartstammtische", sagt Kulturwartin Carmen Krüger, "aber die Mundarttage sind bissl was Größeres, die richten wir nur aller zwei Jahre aus."

In diesem Jahr feiern sie eine Premiere: "Bisher haben wir das Osterzgebirge viel zu stiefmütterlich behandelt, deshalb fiel diesmal die Wahl für die Festveranstaltung auf Geising", sagt sie. Die Mitglieder des dortigen Erzgebirgszweigvereins wiederum haben den Knappenverein Altenberg, den Freundeskreis Geißlerhaus, den Schellerhauer Heimatverein und den Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten als Schirmherr mit ins Boot geholt. Das Bergbaumuseum, Schloss Lauenstein, das Geißlerhaus in Bärenstein und in die Heimatsstuben in Schellerhau dienen als Austragungsorte.

Proben für den Freitag

Ab Freitagabend starten überall die Programme "Mundart & Musik – Lesen in Vereinen." "Da tragen Autoren aus dem ganzen Erzgebirge ihre Geschichten und Gedichte vor", sagt Carmen Krüger. "Und geht es um die Pflege des Brauchtums, darum, dass die erzgebirgische Mundart weiter lebendig bleibt."

Viele Autoren würden in stillen Kämmerlein schreiben und dichten, "die sollen durch unsere Veranstaltungen Mut schöpfen, ihre Sachen vorzustellen". Musikalische Einlagen gehören im Erzgebirge natürlich auch dazu.

"Richtiges Arzgebirgsch ist selten geworden im Osterzgebirge", sagt Kathrin Legler, die die Mundart-AG vor 15 Jahren ins Leben rief. "Da ist hier wahrscheinlich der Einfluss von Dresden zu groß."

Doch in ihrer Arbeitsgemeinschaft, die sie im Rahmen der schulischen Ganztagsangebote durchführt, muss sie sich nicht über mangelndes Interesse beklagen. 21 Schülerinnen und Schüler von der fünften bis zur elften Klasse lernen die Gedichte, proben die Sketche, singen die Lieder - alles in Mundart. Im Geißlerhaus in Bärenstein werden neun von ihnen am Freitag die Sketche, Gedichte und Lieder vortragen, die sie gerade proben.

Urgroßvater Gessinger dichtete auf Arzgebirgsch

Niclas verlangt nach dem "Kuchenblach" und verheddert sich ein paar Manuskriptzeilen später in "So schiene Gescharre, fast wie neu." "Das hast Du heute ja auch zum ersten Mal geübt", sagt Kathrin Legler ermutigend, "denkst Du, Du merkst Dir das alles bis Freitag?"

"Das Spielen, die Geschichten proben, das ist eigentlich das Beste", sagt Niclas. Er ist schon seit drei Jahren dabei. Emily aus der 11. Klasse hatte eine besondere Motivation, die AG zu besuchen: Seff Gessinger, der die Singegruppe „Herschsprunger Feierohmdleit“ gründete, ist ihr Urgroßvater. "Meine Oma hat mir viel von ihm erzählt", sagt sie. Einen Text von ihrem Urgroßvater konnte sie der AG beisteuern. "Innerhalb einer Woche haben wie Noten und eine Zithermelodie dazu gefunden", sagt Legler.

Besondere Motivation für Proben

"Spannend sind auch die Auftritte", sagt Leni. Sie und ihre Freundin Emilia haben die Mundart-AG bereits in der Grundschule erlebt und wollten am Gymnasium dann selbst mitmachen. "In der Weihnachtszeit treten auch bei Seniorenweihnachtsfeiern auf", sagt Legler.

Die Proben dazu sind oft sonnabends - auch, weil zwei AG-Mitglieder inzwischen schon aus der Schule raus sind, in Dresden studieren - und trotzdem noch mitmachen. "Wir verstehen uns einfach gut", sagt Jörn aus der Elften, und Emily lacht schelmisch: "Frau Legler weiß schon, wie sie uns motiviert", sagt sie: "Sie bringt immer Pfannkuchen mit."

14. Erzgebirgische Mundarttage in Geising

Fr, 17. September, 18 Uhr: „Mundart & Musik – Lesen in Vereinen“

  • beim Knappenverein Altenberg e.V. im Bergbaumuseum Altenberg, Mühlenstraße 2
  • beim Freundeskreis Geißlerhaus e.V. im Geißlerhaus, Bärenstein, Bahnhofstraße 6
  • beim Erzgebirgsmuseum Lauenstein in Lauenstein, Schloß 5
  • beim Heimatverein e.V. in den Heimatstuben, Schellerhau, Hauptstraße 87


Sa, 18. September, 14.30 Uhr:
Festveranstaltung

Autorenlesung im Saal des Leitenhofs Geising, Löwenhainer Str. 24 mit Kulturwartin Carmen Krüger als Moderatorin und musikalischer Umrahmung durch die „Geisinger Vugelbeern“, anschließend Büchertisch der Autoren.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

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