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Geisinghof wird abgerissen

Das Haus in Geising stand einst für einen mondänen Hotelbetrieb. Doch seine Tage sind gezählt. Der Abriss ist noch vor Weihnachten geplant.

Die Ruine des Geisinghofs. "Das Unglück fing eigentlich an, als sie die Familie Miele enteignet haben."
Die Ruine des Geisinghofs. "Das Unglück fing eigentlich an, als sie die Familie Miele enteignet haben." © Egbert Kamprath

"Central-Heizung" steht in geschwungenen Buchstaben auf dem großen Schild über der Gartenpforte des verschneiten Bahnhofshotels in Geising. Auf einem anderen historischen Foto in dem Bildband "Schmalspur-Album Sachsen" stehen Droschken mit aufgeklapptem Verdeck auf dem Vorplatz, die Fassade wirbt mit "Automobil-Garage" und "Gute Stallungen".

Eigentlich geht es in dem Schmalspur-Album, das Jörg Köhler mit zahlreichen neuen Fotografien neu herausgegeben hat, vor allem um die Müglitztalbahn. Doch beim Abschnitt zum Bahnhof Geising ist auch das Bahnhofshotel gegenüber, der spätere Geisinghof, nicht wegzudenken.

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Historisches Foto des Bahnhofshotels aus dem Bildband "Schmalspur-Album Sachsen, Band III", der 2020 im Verlag SBB Medien erschienen ist.
Historisches Foto des Bahnhofshotels aus dem Bildband "Schmalspur-Album Sachsen, Band III", der 2020 im Verlag SBB Medien erschienen ist. © Bildstelle

Keine Frage - als das Hotel um 1891 erbaut wurde, war es das schickste und modernste, das Geising zu bieten hatte. Die Müglitztalbahn hatte erst ein Jahr zuvor ihren Betrieb aufgenommen, und nun kamen die Großstädter scharenweise in die Sommerfrische oder zum Wintersport.

Geising rief Anfang des 20. Jahrhunderts regelmäßig Ski- und Rodelmeisterschaften aus, und nichts lag für Teilnehmer und Schaulustige so komfortabel zwischen Hang und Bahnhof wie das Bahnhofshotel. Irgendwann in den 1930er-Jahren übernahm Franz Miele das Hotel von Oskar Gießler und führte es als Geisinghof weiter - durch die Kriegsjahre hindurch bis 1947.

Unglück nach Enteignung

Inzwischen klafft ein riesiges Loch im Dach des Geisinghofs. Längst ist er zu einer der Ruinen geworden, für die sich Einheimische schämen - erst recht, weil das Haus nach wie vor das erste ist, was ausgestiegene Zugreisende von Geising zu Gesicht bekommen.

"Das Unglück fing eigentlich an, als sie die Familie Miele enteignet haben", sagt Regina Klapczynski, die als Mitglied des Stadtrats und Vorsitzende des Geisinger Erzgebirgsvereins jahrzehntelang die Geschicke des Geisinghofs mitverfolgte: "Die Mieles arbeiteten eine Weile als Angestellte in ihrem eigenen Hotel weiter, aber sie bekamen Zwangsvermietungen rein und konnten von dieser Miete keine größeren Reparaturen bezahlen."

Der Geisinghof auf einer Ansichtspostkarte von 1970.
Der Geisinghof auf einer Ansichtspostkarte von 1970. © Archiv

1956 siedelten Mieles in den Westen über. Die Bewirtschaftung des Geisinghofes übernahm nun die DDR-Handelsorganisation (HO): "Die wollte es 1983 auch kaufen, aber das lehnte die Familie ab", sagt Klapczynski.

Nach der Wende stellte die HO ihren Betrieb ein. Eigentümerin Rossa Wolff, als Tochter der einstigen Hotelbetreiber eine geborene Miele, war zu alt, um es selbst zu bewirtschaften. Sie ließ das Gebäude schließlich versteigern. Doch der Geisinghof hatte kein Glück: Gleich der erste Neubesitzer ging in Konkurs, noch bevor er in das Haus investieren konnte.

Zerschlagene Pläne für den Geisinghof

Als sich 2015 die Supermarktkette Diska für das Grundstück interessierte, um einen Großmarkt zu eröffnen, waren die Geisinger alarmiert: "Wir wollten den alteingesessenen Händlern keine solche Konkurrenz zumuten", sagt Regina Klapczynski. Die Stadt Geising, damals noch eigenständig, kaufte sogar ein parkplatztaugliches Nachbargrundstück, um dieses Vorhaben zu vereiteln.

Auch den Geisinghof hätte sie gern gekauft - denn nur als Eigentümerin hätte die Stadt das mittlerweile verwahrloste und baufällige Gebäude abreißen lassen können. "Als das Finanzamt es 2008 zwangsversteigern ließ, bot Frank Gössel, unser damaliger Bürgermeister, bis 4.000 Euro mit. "Der Geisinghof ging aber schließlich für 21.500 Euro an einen Herrn Meyer aus Visbeck, Landkreis Vechta, weg", erinnert sich Klapczynski.

Nachdem sich Geising 2010 von Altenberg eingemeinden ließ, lag das Problem auf dem Tisch des Altenberger Bürgermeisters Thomas Kirsten: "Damals gab es Interessenten, die das Grundstück für betreutes Wohnen nutzen wollten", erinnert er sich, "aber auch das zerschlug sich wieder, und die Besitzer wollten uns den Geisinghof schließlich für 140.000 Euro verkaufen." Auf 70.000 Euro konnte man sich schließlich im Jahr 2017 einigen. Doch da waren die Förderprogramme zum Stadtumbau Ost, mit denen die Stadt Altenberg den Abriss finanzieren wollte, gerade ausgelaufen.

Fördergeld für den Abriss ist jetzt da

Auf der letzten Stadtratssitzung in Altenberg konnte Kirsten den Stadträten verkünden, dass für den Abriss des Geisinghofes nun 240.000 Euro bereit stünden, 214.000 Euro davon sind Fördermittel der Sächsischen Aufbaubank - abzurufen noch 2020. Inzwischen hat die Stadt die Abrissmaßnahme ausgeschrieben, die Anhörungsfrist für Firmen endete am 6. Dezember. Den Auftrag zum Abriss vergab die Stadt nun an die Firma EAD Maik Böhme aus Obercarsdorf.

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Jetzt sind die Tage des Geisinghofes gezählt. "Wir müssen zuerst noch eine Medientrennung vornehmen, denn Strom und Fernsehkabel liegen noch an", sagt der Altenberger Bauamtsleiter Andreas Gabler. "Aber der Bagger soll noch vor Weihnachten anrollen."

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