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Generationswechsel in Altenberg

Für die Altenberger Mieter ist Sophia Mäschker kein unbekanntes Gesicht. Nun ist sie die Hauptverantwortliche der Wohnungsbaugesellschaft Altenberg.

WVG-Altenberg-Geschäftsführerin Sophia Mäschker im Büro auf der Arthur-Thiermann-Straße 2.
WVG-Altenberg-Geschäftsführerin Sophia Mäschker im Büro auf der Arthur-Thiermann-Straße 2. © Egbert Kamprath

Beruf, Familiengründung mit zwei Kindern und eine berufsbegleitende Ausbildung zur Immobilienfachwirtin - das alles hat Sophia Mäschker noch vor ihrem 30. Lebensjahr unter Dach und Fach bekommen. Folgerichtig kam Ende letzten Jahres noch die Übernahme der alleinigen Geschäftsführung bei der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Altenberg (WVG) dazu.

Im November 2020 verabschiedete der Altenberger Stadtrat den langjährigen Geschäftsführer Olaf Weisflog in den Ruhestand. Geradezu lehrbuchgerecht für eine geordnete Geschäftsübergabe hatte er Sophia Mäschker schon in den Jahren zuvor zu seiner Nachfolgerin aufgebaut: "Seit 2018 gehörte ich zur Geschäftsführung und war auch von Anfang an einzelvertretungsberechtigt", sagt Mäschker.

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Weitsichtige Nachfolge-Planung

Zur WVG wechselte sie bereits 2012, vorher war sie als Verwaltungsfachangestellte bei der Stadt Altenberg beschäftigt. "Dass ich dann noch die weiterführende Ausbildung bei der IHK absolvieren konnte, haben die WVG und der Aufsichtsrat immer unterstützt", sagt Mäschker. Jetzt zahlt sich die Weitsicht aus. Während andere Unternehmen bei der Nachfolgersuche Hilfe von außen in Anspruch nehmen müssen, "hat sich bei uns alles gut gefügt".

Mäschker ist auch deutlich jünger als der Wohnungsbestand der WVG: "Unsere beiden ältesten Objekte stehen in der Altstadt beim Platz des Bergmanns, sie sind von 1946 und 48", sagt sie. Die WVG-Häuser zwischen Galgenteich und Sportinternat stammen aus den Siebzigerjahren. Die Siedlung entlang der Walter-Richter-Straße wurde 1984 und 85 gebaut. Dass sie in Altenberg unter Neubaugebiet oder Chicago läuft, weiß Mäschker natürlich: "Aber wir wollen weg von dieser Geringschätzung, deshalb heißt es bei uns jetzt Bergwiesen-Siedlung."

Neue Vierraumwohnungen für Walter-Richter-Straße

Mit der Erneuerung der Fenster und der Wohnungseingangstüren hat die WVG dort auch die größten Sanierungsarbeiten des vergangenen Jahres vorgenommen: "Diese Bauarbeiten werden gerade fertiggestellt", sagt Mäschker: "Als Nächstes sind die maroden Holzbalkone am Platz des Bergmanns dran." Dafür wird gerade die Bauplanung vorgenommen. "Mit der Erneuerung rechne ich im Jahr 2022."

Im Februar will die WVG die neuen Grundrisse für die Walter-Richter-Straße 2 veröffentlichen: "Bisher waren dort ungünstig geschnittene Drei- und Vierraum-Wohnungen drin", sagt sie.

Wohnraum für Rückkehrer, Auszubildende und Senioren

Vierraumwohnungen sind zwar bei Familien sehr gefragt, aber nicht mit Durchgangszimmer und winzigem Bad. "Es ist gar nicht so einfach, den Grundriss in einem Plattenbau zu ändern - wir sind immer an das Raster von 3,45 Meter gebunden", sagt Mäschker: "Aber wir haben jetzt pro Stockwerk jeweils eine große Vierraumwohnung und eine Einraumwohnung von 30 Quadratmetern geplant." Ein Ingenieurbüro prüft derzeit noch die Statik, "danach können sich Interessenten die Grundrisse auf unserer Internetseite anschauen."

Junge Leute würden Altenberg oft für die Ausbildung verlassen und kämen als Familien zurück: "Weil sie wollen, dass die Kinder naturnah aufwachsen, weil hier mehr Ruhe ist als in der Großstadt", sagt Mäschker. Ein anderes Klientel lockt die WVG mit dem Azubi-Bonus an: "Auszubildende bekommen bei uns eine Einraumwohnung für 2,99 statt 5 Euro pro Quadratmeter Grundmiete."

Alte Mietverträge mit kleinen Mieten

Durchschnittlich 4,30 Euro Kaltmiete zahlen die Mieter an die WVG: "Viele haben noch einen alten Mietvertrag", sagt Mäschker. Deshalb sei deren Miete kleiner als bei Neuvermietungen, bei denen pro Quadratmeter 5 bis 6 Euro zu Buche schlagen.

Die dritte Mietergruppe besteht aus Senioren: "Bei uns ziehen oft ältere Menschen ein, die die Arbeit mit einem eigenen Haus nicht mehr stemmen möchten." Mit dieser Mischung hat die WVG derzeit 90 Prozent ihrer 602 Wohnungen vermietet. "Eine gute Zahl für ein kommunales Unternehmen", sagt Mäschker.

Genehmigungsplanung für entkernten Wohnblock

Deshalb blickt sie auch dem Umbau des entkernten Wohnblocks Walter-Richter-Straße 1 bis 7 zuversichtlich entgegen: "Wir arbeiten gerade an der Genehmigungsplanung", sagt sie - die Voraussetzung für die Baugenehmigung, die das Landratsamt Pirna erteilen muss. "Für die Finanzierung haben wir jetzt auch zwei Angebote. Mitte des Jahres soll sie stehen", sagt Mäschker

Wenn dieser Riesenumbau gelungen ist, kann Sophia Mäschker beim Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen selbst wichtige Erfahrungen beisteuern. Unter dem Motto "Junge Wilde - alte Hasen" hatte sie dort im vergangenen Jahr einen großen Erfahrungsaustausch angeregt. Die Geschäftsführer mehrerer sächsischer Wohnungsgesellschaften trafen sich in Dresden und tauschten sich über Digitalisierung, die Zusammenarbeit mit Aufsichts- und Stadträten und zu rechtlichen Fragen aus. Neben einer weiteren Geschäftsführerin aus Oederan war Mäschker dort die jüngste - und eine der ersten einer neuen Generation.

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