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Osterzgebirge voll im Trend: Urlaub vor der eigenen Haustür

Ines Hanisch-Lupaschko ist Chefin des Tourismusverbandes Erzgebirge. Im Interview spricht sie über neue Projekte zwischen Freital und Altenberg.

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Ines Hanisch-Lupaschko ist seit 2019 Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge.
Ines Hanisch-Lupaschko ist seit 2019 Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge. © SZ-Archiv: Egbert Kamprath

Frau Hanisch-Lupaschko, wie haben sich die Übernachtungszahlen 2021 im Osterzgebirge entwickelt?

Bis Juni galt für ganz Sachsen ein Beherbergungsverbot, wo keine touristischen Übernachtungen möglich waren. Und das hat natürlich Auswirkungen. Aus der Statistik des Landesamts mit Stand vom 31.10.2021 geht hervor, dass in Altenberg 21,8 Prozent weniger Übernachtungen gebucht wurden als 2020. Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Rückgang von 35,5 Prozent. In Dippoldiswalde brachen die Übernachtungszahlen gegenüber 2020 um 18,6 Prozent ein. Verglichen mit 2019 ist das ein Rückgang um 30,75 Prozent.

Was die Übernachtungen angeht, hat Altenberg von der Rehaklinik Raupennest profitiert, die auch von Januar bis Mitte Juni geöffnet blieb. In Dippoldiswalde sind Juni bis Oktober so oder so die übernachtungsstärksten Monate, sodass die coronabedingte Schließung nicht so extrem ins Gewicht fällt, wie in den Wintersportorten.

Was uns positiv überrascht hat, ist, dass wir sowohl im August als auch im Oktober neue Rekordwerte bei den Übernachtungen verzeichnen konnten.

Im August und Oktober haben die Übernachtungszahlen Rekorde gebrochen. (Stand 31.10.2021, Quelle: Tourismusverband Erzgebirge)
Im August und Oktober haben die Übernachtungszahlen Rekorde gebrochen. (Stand 31.10.2021, Quelle: Tourismusverband Erzgebirge) © Tourismusverband Erzgebirge
Im Juli wurden die Übernachtungszahlen aus den Vorjahren übertroffen. (Stand 31.10.2021, Quelle: Tourismusverband Erzgebirge)
Im Juli wurden die Übernachtungszahlen aus den Vorjahren übertroffen. (Stand 31.10.2021, Quelle: Tourismusverband Erzgebirge) © Tourismusverband Erzgebirge
Die Statistik ist noch nicht vollständig. Es fehlen noch die Zahlen aus Hermsdorf/Erzgebirge, Klingenberg und Rabenau. (Stand 31.10.2021, Quelle: Tourismusverband Erzgebirge)
Die Statistik ist noch nicht vollständig. Es fehlen noch die Zahlen aus Hermsdorf/Erzgebirge, Klingenberg und Rabenau. (Stand 31.10.2021, Quelle: Tourismusverband Erzgebirge) © Tourismusverband Erzgebirge

Worauf führen Sie dieses Plus bei den Übernachtungen zurück?

Wenn man der Pandemie etwas Positives abgewinnen möchte, dann dass ein neues Bewusstsein entstanden ist und die Leute verstärkt Urlaub vor der eigenen Haustür machen. Davon profitiert auch das Erzgebirge. Anhand der Zahlen lässt sich sagen, dass die Gäste zudem länger geblieben sind - im Schnitt 3,1 statt 2,6 Tage.

Sie haben es schon angedeutet: Nach einer verkürzten Sommersaison ist coronabedingt zum zweiten Mal auch die Wintersaison flachgefallen. Wie steckt die Branche das weg?

Durch das Beherbergungsverbot sind wir hier in Sachsen gegenüber anderen Bundesländern benachteiligt. Gerade im Erzgebirge ist die Advents- und Weihnachtszeit und die Winterzeit Hochsaison. Für den gesamten Querschnitt der Branche von Hotellerie, Gastronomie, Freizeitwirtschaft, Einzelhandel oder auch den vielen Vereinen des sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-Hütten - und Knappenvereine sind die Auswirkungen noch nicht zu erfassen. Dramatisch ist die Situation aber vor allem im Hinblick auf die Fachkräfte. Die Mitarbeiter zu halten wird für viele immer schwieriger, weil die Perspektive fehlt. Wir unterstützen deshalb die Position des Landestourismusverbandes Sachsen und unserer Staatsministerin Barbara Klepsch, die offensiv gefordert hat, dass Wintertourismus und damit auch ein geordneter Skibetrieb mit einem hohen Maß an Achtsamkeit eine Chance bekommt. Ein Blick zu unseren Kollegen der deutschen Mittelgebirge, wie zum Beispiel nach Thüringen zeigt, dass eine Wintersaison unter Auflagen durchaus möglich ist.

Am 12. Dezember gab es am Altenberger Skihang eine Protestaktion gegen die coronabedingte Schließung. Für eine Stunde war das Flutlicht angeschaltet.
Am 12. Dezember gab es am Altenberger Skihang eine Protestaktion gegen die coronabedingte Schließung. Für eine Stunde war das Flutlicht angeschaltet. © Karl-Ludwig Oberthür

Wahrscheinlich fehlen die Ausflügler nicht nur im Winter oder wie hat sich der Tagestourismus 2021 entwickelt?

Die Tagestouristen sind für uns ein wichtiges Standbein und natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor. Aber in Zeiten von Corona verzeichnen wir leider auch in dem Bereich Rückgänge. Da weniger private Tagesreisen unternommen wurden, geht der Landestourismusverband Sachsen davon aus, dass in ganz Sachsen 1,62 Milliarden Euro an Umsatz weggebrochen sind.

Welche touristischen Ziele und Attraktionen im Osterzgebirge locken besonders viele Besucher?

Mit der Ernennung der Montanregion Erzgebirge/ Krušnohoří zum Unesco-Welterbe hat die gesamte Region einen Schub bekommen. Nach dem Motto: eine Region besuchen, zwei Länder entdecken. Besonders Outdoor-Angebote wie Stoneman-Miriquidi für Radsportler oder der Qualitätswanderweg Kammweg Erzgebirge-Vogtland von Altenberg-Geising bis nach Blankenstein erfreuen sich in den Pandemiejahren großer Beliebtheit. Im Juli 2021 sind wir außerdem mit der Blockline an den Start gegangen, die wir als Bike-Abenteuer für die ganze Familie zwischen Seiffen und Altenberg etablieren wollen. Beliebte Ziele sind aber auch Oskarshausen in Freital, der Rabenauer Grund, Schloss Lauenstein und der Erlebnisberg Altenberg.

Oskarshausen in Freital ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Oskarshausen in Freital ist ein beliebtes Ausflugsziel. © Egbert Kamprath

Gilt das Osterzgebirge immer noch als Geheimtipp oder ist die Region längst in Deutschland und über die Landesgrenzen hinweg bekannt?

Im Vergleich zu anderen Reisezielen wie etwa der Sächsischen Schweiz gilt das Osterzgebirge sicher noch als Geheimtipp. Das sehen wir als Chance, da der Trend zum Urlaub im eigenen Land nach wie vor ungebrochen ist und somit bisher weniger bekannte Destinationen als Reiseziel interessanter werden.

Wie und wo wird für das Osterzgebirge geworben?

Wir sind ja für das ganze Erzgebirge zuständig und bewerben dieses über die gängigen Kanäle, von Anzeigen, Radiowerbung bis zu den sozialen Medien - verstärkt in den angrenzenden Bundesländern, aber auch international. Unsere App „Erzgebirge Erleben“ wurde zudem überarbeitet und hat nun eine frische, nutzerfreundliche Bedienoberfläche. Erweitert wurde die App mit einer Veranstaltungsseite, ebenso mit Hinweisen zu Einkehr-, Rast- oder Übernachtungsmöglichkeiten – die dann auch online buchbar sind.

Welche Zielgruppen sollen angesprochen, beziehungsweise künftig erreicht werden?

Familien, Kulturinteressierten und Naturliebhabern wollen wir in den nächsten Jahren ein attraktives Reiseziel bieten, mit unberührter Natur, viel Raum für Outdoor-Aktivitäten aller Art, mit Geschichten und Wissensvermittlung der einzigartigen Geschichte des über 800 Jahre alten Bergbaus.

Die Blockline führt Fahrradfahrer auch über den Kahleberg bei Altenberg.
Die Blockline führt Fahrradfahrer auch über den Kahleberg bei Altenberg. © Egbert Kamprath

Wie soll der Tourismus im Osterzgebirge weiter entwickelt werden?

Was die Blockline betrifft, gilt es Netzwerke zu schaffen, die die Umweltbildung und Wissensvermittlung unterstützen und damit für den Erhalt dieser einzigartigen Landschaft sensibilisieren. Eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Partnern vor Ort ist essenziell. Wir arbeiten außerdem auch mit dem Geopark Sachsens Mitte zusammen, der kürzlich zertifiziert wurde. Außerdem wollen wir die Verbindung von Sport und Tourismus verstärkt in Szene setzen: In den Wintersportzentren Altenberg und Oberwiesenthal bietet sich zu jeder Jahreszeit die Möglichkeit, den Spitzensport hautnah zu erleben.

Das Gespräch führte Anja Ehrhartsmann.