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Jubiläen bei der Geisinger Feinwerktechnik

Vor 30 Jahren kauften sechs ehemalige Automatisierungstechniker ihren alten VEB-Betrieb. Seitdem ist er immer größer geworden.

Geschäftsführer Torsten Dietze und Geschäftsführerin Katrin Uschner vor dem Neubau der Feinwerktechnik Geising.
Geschäftsführer Torsten Dietze und Geschäftsführerin Katrin Uschner vor dem Neubau der Feinwerktechnik Geising. © Egbert Kamprath

Bei der Feinwerktechnik Geising stehen am 1. April gleich zwei Jubiläen an: der 30. Firmengeburtstag und das Einjährige auf der Baustelle. Der allergrößte Teil des aktuellen Umbaus ist allerdings geschafft. Geschäftsführer Torsten Dietze kann bereits im neuen Besprechungsraum empfangen, durch dessen breites Panoramafenster das Rote Wasser und die Gleise der Müglitztalbahn zu sehen sind.

Die Tallage zwischen Dresdner Straße und Schienen ist es auch, die dem wachsenden Betrieb ein paar geografische Hürden in den Weg stellt: "Die runde Ecke hat das Architekturbüro so gestaltet, damit die Lkws hier rumkommen", sagt Dietze. Insgesamt 1.500 Quadratmeter hat das Unternehmen mit seinem neuen An- und Umbau gewonnen, verteilt auf drei Etagen: "Die geschossübergreifende Lagerfläche ist sieben Meter hoch, darüber liegt jetzt die Montage und darüber ist die Verwaltung eingezogen", erläutert Dietze.

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Ein Bild des Anbaus aus der Bauphase zeigt die neue Lagerfläche. Darüber sind inzwischen auch die Montage und die Verwaltungsräume hinzugekommen. Es fehlen nur noch ein paar Fassadenverblendungen.
Ein Bild des Anbaus aus der Bauphase zeigt die neue Lagerfläche. Darüber sind inzwischen auch die Montage und die Verwaltungsräume hinzugekommen. Es fehlen nur noch ein paar Fassadenverblendungen. © Egbert Kamprath
In der Visualisierung ist der neue Baukörper grau dargestellt.
In der Visualisierung ist der neue Baukörper grau dargestellt. © Feinwerktechnik Geising

Geschäftsführer-Trio ist bereits zweite Generation

All diese Bereiche brauchten mehr Platz. "Das war jetzt dran, nachdem wir in den letzten Jahren vor allem in die Maschinentechnik investiert haben", sagt Dietze. In den letzten 30 Jahren ist die Feinwerktechnik an der Dresdner Straße stetig gewachsen: "Nach der Gründung am 1. April 1991 arbeiteten hier etwas unter 60 Mitarbeiter", erzählt Dietze, "jetzt sind wir bei 88 Angestellten."

Das Geschäftsführertrio Torsten Dietze, Katrin Uschner und Stefan Knorr sind bereits die zweiten Generation - Dietze und Uschner sogar wortwörtlich, ihre Väter gehörten zum Gründungsstamm. Dietze ist für die strategische Ausrichtung, die Außenwirkung und die Personalpolitik zuständig, Uschner leitet die Fertigung und Knorr die Entwicklung und die Qualitätssicherung.

Auftraggeber aus vielen Branchen

Im Coronajahr 2020 machte die Feinwerktechnik 13 Millionen Euro Umsatz. "Ein leichtes Wachstum", sagt Dietze: "Anfangs stockten mal kurz die Aufträge aus Österreich, aber das fing sich schnell wieder." Einmal mehr kam der Firma zugute, dass ihre Auftraggeber aus vielen Branchen kommen. Gerade fügen mehrere Frauen in der Montage Zahnrad-Baugruppen in Gehäuse, die später E-Bikes antreiben werden.

Ein Blick in die neue "Montage" - hier werden Bauteile zu Baugruppen zusammengefügt.
Ein Blick in die neue "Montage" - hier werden Bauteile zu Baugruppen zusammengefügt. © Egbert Kamprath

Zahnrad-basierte Antriebe aller Art - für Fahrstühle, Jalousien, Küchengeräte, für die kleinen Transportsysteme in mit Pellets befeuerten Kaminöfen oder in den Einstellmechanismen von Zeiss-Mikroskopen - gehören zur Produktpalette der Geisinger: "Überall, wo sich was bewegen soll, aber mit Katalogware nicht abzudecken ist", sagt Dietze.

Konstruktive Entwicklung und kleine Serienanfertigungen

Die Kunden der Feinwerktechnik brauchen besondere Baugruppen. "Häufig sind kleine und mittlere Serienanfertigungen, die bei der Feinmechanik Geising bestellt werden, sagt Dietze. "In den 2000er-Jahren haben wir den Sprung zurück in die konstruktive Entwicklung geschafft."

"Zurück", weil die Feinwerktechnik eine lange Tradition in Geising hat, personell und technologisch eng verbunden mit feinmechanischen Entwicklung in Glashütte. Bereits die Vor-Vorgängerin der heutigen Feinmechanik, die Firma A. & E. Streller, stellte zum Anfang des 20. Jahrhunderts mechanische Bauteile für Kompasse, Barometer und Messinstrumente her.

Vom Prototypen zur Serienreife

"Zu DDR-Zeiten wurden Programmzeitgeber hergestellt, die von Lochkarten gesteuert wurden", erzählt Dietze. Doch diese Technik war mit der Wende veraltet. Sechs Mitarbeiter lösten im Jahr 1991 den Betriebsteil Automatisierungstechnik Geising aus dem DDR-Kombinat VEB Kosora heraus und führten ihn unter dem Namen Feinwerktechnik weiter - in den Nachwendejahren vor allem mit der Fertigung von Einzelteilen.

"Inzwischen arbeiten wir mit dem Kunden an Konstruktionsideen und gehen den Weg vom Prototypen zur Serienreife", sagt Dietze. Ihr Vorteil ist, spezifische Lösungen zu finden und diese dann auch schnell herzustellen.

Eigene Lehrwerkstatt

Dass gut ausgebildete Mitarbeiter ein Wettbewerbsvorteil sind, ist Dietze sehr bewusst. Zur Ausbildung von Industriemechanikern und Fachkräften für Metalltechnik gehört zum einen die konventionelle Metallbearbeitung an der Drehbank in der Lehrwerkstatt: "Nur so kann man ein Gefühl für das Material bekommen." Im zweiten Lehrjahr kommt die Ausbildung an computergesteuerten Werkzeugmaschinen dazu. "Im dritten Jahr durchlaufen die Lehrlinge jeden Bereich: Von der Fertigung im Erdgeschoss über die Verzahnung bis zur Montage."

Nach der Lehre kann es weitergehen mit einem dualen Studium an den Berufsakademien in Glauchau oder Riesa. Doch trotz der guten Bedingungen, die die Feinwerktechnik für Berufseintritt und Aufstieg bietet, sieht Dietze mit Sorge auf die Nachwuchsgewinnung: "Wir stellen uns in den Schulen vor, wir sind auf Ausbildungsmessen, wir nehmen Schulpraktikanten", sagt er.

Dennoch könnten sich die Schüler unter den Berufsbildern in der Feinwerktechnik häufig wenig vorstellen - und ziehen sie deshalb nicht in Betracht. "Da kommt es viel darauf an, wie engagiert die Lehrer sind", sagt Dietze. Auch die Einstellung der Elternhäuser würde eine Rolle spielen: "Ich habe das Gefühl, dass zu Hause wenig über Berufsbilder geredet wird", sagt Dietze. Als Faustregel kann er sagen: "Wer Spaß an Motorrad- oder Fahrradbasteleien hat, ist schon mal nicht falsch bei uns."

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