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Löbel gegen Lugsteinhof

Der Ex-Direktor des Zinnwalder Hotels hat gegen seinen Rauswurf geklagt. Vor Gericht erringt er einen Teilerfolg. Entschieden ist die Sache noch nicht.

Bis zum 28. März 2020 konnte Jochen Löbel sein Büro im Lugsteinhof betreten, danach ließ der neue Pächter die Schlösser austauschen.
Bis zum 28. März 2020 konnte Jochen Löbel sein Büro im Lugsteinhof betreten, danach ließ der neue Pächter die Schlösser austauschen. © Frank Baldauf

Jochen Löbel und der Lugsteinhof: Das war 25 Jahre lang eine Einheit. Bis den Hoteldirektor am 28. März 2020 eine außerordentliche Kündigung erreichte. Sie kam von Andreas Sämann, dem neuen Manager des Lugsteinhofes. Denn das traditionsreiche Hotel in Zinnwald hatte seit Anfang des Jahres auch einen neuen Pächter: die Windsor Servicegesellschaft mbH.

Die außerordentliche Kündigung erfolgte, nachdem Jochen Löbel eine Aufstellung seiner Überstunden und Resturlaubstage einreichen sollte und 1.000 nicht genommene Urlaubstage aus 25 Jahren zu 8.000 Stunden summierte. Sämann und mit ihm die Windsor Servicegesellschaft befanden diese Auflistung als nicht nachvollziehbar, zumal Löbel auch 14 Ehrenämter begleitet habe: "Zweiteilen kann er sich ja nicht", sagt Burkhard Schmidt, Inhaber der Windsor Servicegesellschaft mbH.

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Hoteldirektor Löbel mittlerweile dreifach gekündigt

Im Dresdner Arbeitsgericht saß Burkhard Schmidt am Montag Ex-Hoteldirektor Löbel gegenüber. Dieser hatte gegen die außerordentliche Kündigung geklagt. Mittlerweile hat die Firma Windsor zudem noch zwei weitere Kündigungen ausgesprochen: Eine, weil Löbel eine Rückbauverfügung von 2019 für einen Parkplatz verschwiegen habe, zudem vorher Grünschnitt und Bauschutt zum Verfüllen desselben genutzt haben soll.

Und eine, weil er eine Betriebswohnung genutzt habe, ohne Miete zu zahlen. Die Kopie des Mietvertrags mit der Unterschrift der ehemaligen Lugsteinhof-Mitinhaberin Vera Kadletz sei nach Burkhard Schmidts Dafürhalten gefälscht. Sein Vorwurf also: Hier würde Löbel Prozessbetrug begehen.

Jochen Löbel klagt auf Wiedereinstellung

Jochen Löbel hingegen widerspricht allen Vorwürfen und klagt gegen die außerordentliche Kündigung, auf die Zahlung seines Gehaltes von 4.000 Euro im Monat März und auf Wiedereinstellung. Richter André Zickert riet am Montag zunächst zu einer einvernehmlichen Lösung: "Da die Chemie zwischen den Vertragsparteien zu hinterfragen ist, wäre eine Lösung vorstellbar, die außerordentliche in eine ordentliche Kündigung zum 31. Oktober 2020 umzudeuten."

So lange sollte die Windsor Service GmbH Löbels Vergütung fortzahlen, dazu eine Abfindung in Form von vier Bruttomonatsgehältern, "danach keine weiteren Forderungen mehr von Seiten des Klägers". Zickert wies zudem auf die rechtliche Schwäche der zweiten Kündigung hin: Sie sei Löbel nur indirekt über das Gericht und dessen Anwältin, aber ohne Original-Unterschrift zugestellt worden.

Bei der dritten Kündigung, in der es um die Unterschrift im Mietvertrag gehe, könne das Gericht aus den Unterlagen nicht ersehen: "Stimmt's? Oder stimmt's nicht?" - also auch nicht entscheiden.

Pächter Windsor GmbH geht auf Einigung nicht ein

Doch Burkhart Schmidt von Windsor ging auf diesen Einigungsvorschlag nicht ein. Er brachte nochmals vor, dass der Rückbau des Parkplatzes mit 50.000 Euro zu Buche schlagen würde. Diese Kosten solle das Gericht mit Löbels finanziellen Ansprüchen verrechnen. Löbels Anwältin dazu: "Schadensersatzansprüche werden nicht mit Nettolöhnen verrechnet."

In seinem Teilurteil setzt Richter André Zickert in dieser Sache schon früher an: Die Windsor Service GmbH habe die Kündigung wegen des Parkplatzes nicht im Original an Jochen Löbel geschickt. Das sei als rechtlicher Formfehler zu werten und deshalb sei das Arbeitsverhältnis dadurch nicht aufgelöst worden.

Gerichtstermin zur dritten Kündigung im Dezember

Bei der Kündigung wegen Prozessbetrugs, in der es um die Unterschrift unter dem Mietvertrag der Betriebswohnung ging, seien Unterlagen zu kurzfristig eingereicht worden. Deshalb setzte Richter Zickert hier einen weiteren Gerichtstermin im Dezember an.

In den 8.000 Überstunden, die zur außerordentlichen Kündigung im März führten, sieht der Richter keinen Kündigungsgrund. Der Beklagte Burkhard Schmidt kann gegen das Urteil vor dem Landesarbeitsgericht in Berufung gehen. Aber vorerst ist Jochen Löbel - rechtlich gesehen - nach wie vor ein Beschäftigter der Windsor Service GmbH. Wie vor der Kündigung im März.

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