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Was bleibt vom Wintersport für Altenberg?

Kein Liftbetrieb, keine Touristen, die Eishalle geschlossen. Dafür schneereiches Winterwetter und immer mehr Anmeldungen zum Zweitwohnsitz.

Die Altenberger Bauhof-Mitarbeiter drücken mit der Pistenraupe den Schnee rund um den Kahleberg an und spuren die Loipen auch ohne Tourismusbetrieb.
Die Altenberger Bauhof-Mitarbeiter drücken mit der Pistenraupe den Schnee rund um den Kahleberg an und spuren die Loipen auch ohne Tourismusbetrieb. © Egbert Kamprath

"Wir haben ideales Winterwetter", sagt Altenbergs Liftwart Manuel Püschel. "Die Grundlage aus Kunstschnee, die wir im Dezember angelegt haben, hat durchgehalten, dann fiel Naturschnee drauf." Jetzt wäre es an der Zeit, noch mal Kunstschnee nachzuschießen: "Denn Naturschnee allein würde der Beanspruchung der Carving-Ski nicht standhalten."

Letztes Jahr um diese Zeit hatte er nicht so viel Wetterglück. Ständig sei es zu warm für Schnee gewesen, egal ob natürlich oder künstlich. "Wir passten jede Gelegenheit ab, um Kunstschnee zu machen, aber es war trotzdem eine extrem schlechte Saison."

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Kalt genug wäre es jetzt. Trotzdem schaltet Püschel die Schneekanonen nicht an. Wozu auch? Kaum ein Skifahrer zerfährt den Schnee, so lange der Lift laut sächsischer Coronaschutzverordnung nicht in Betrieb gehen darf.

Barbara Klepsch erklärt alpine Skisaison für beendet

"Das ist die Situation bis 8. Februar. Wir bekommen keine Infos, was danach sein wird", sagt Püschel. "Sobald wir irgendetwas machen können, öffnen wir wieder. Egal ob regulärer oder eingeschränkter Betrieb." Und auch unabhängig davon, ob Touristen nach Altenberg kommen oder nicht.

Seit Dienstagabend jedoch ist es amtlich, dass in diesem Winter kein Liftbetrieb mehr zu erwarten ist: "Wir haben uns deshalb schweren Herzens gemeinsam darauf verständigt, die alpine Wintersaison für den Tourismus zu beenden", teilt Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch am Dienstagabend in einer Pressemitteilung mit. Der Betrieb von Skiliftanlagen bleibe auch nach dem 7. Februar untersagt. Zuvor hatte sie sich mit sächsischen Liftbetreibern in Oberhof, Eibenstock, Schöneck und Klingental beraten.

Ein Totalausfall also für die Ski- und Rodelarena Altenberg-Geising. "Von der Novemberhilfe haben wir noch nichts erhalten", sagt Püschel. Ohnehin sei der Umsatz vom Vorjahresmonat in seinem Fall eine besonders ungünstige Berechnungsgrundlage für die versprochenen 75 Prozent Ausfallersatz. "Schließlich lief die letzte Saison ganz besonders schlecht."

Eis im Gründelstadion in Geising taut ab

Die Eisfläche im Geisinger Gründelstadion taut derzeit ab. In dieser Wintersaison will sie Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten nicht wieder in Betrieb nehmen lassen. Das hatte er bereits entschieden, bevor die sächsische Tourismusministerin Klepsch die alpine Skisaison abblies: "Ich bin ein großer Verfechter aller Outdoor-Wintersportarten", sagt er. "Draußen ist Platz, da lässt sich Abstand halten. Aber das Infektionsgeschehen in einer Eishalle zu beurteilen, ist schwierig." Erst recht, wenn sich Touristen und Einheimische gleichermaßen aufs Eis begeben.

Zudem hängt es von vielen Faktoren ab, wie wirtschaftlich sich die Eisfläche im Gründelstadion betreiben lässt - und die wichtigsten sprechen dagegen. Seit ihrer Vereisung Mitte November konnten nur ein paar Leistungssportler aus den Bereichen Curling und Eishockey die Fläche zum Training nutzen.

Doch nur im Zusammenspiel mit Amateurmannschaften und dem Ferienbetrieb mit zahlreichen Familien lassen sich die Energiekosten refinanzieren. Die Unsicherheit, was nach Ablauf der aktuellen Coronaschutzverordnung folgt, macht den Weiterbetrieb zum Risiko - zumal er Richtung Frühling immer energieaufwendiger wird.

Mit Pistenbully um Kahleberg und Scharspitze

Auch das Anlegen der Loipen kostet: In normalen Jahren, wenn wegen häufiger Nutzung mehrmals neu gespurt werden muss, kommen 1.000 Euro pro Kilometer für die Stadt Altenberg zusammen - bei insgesamt 70 Kilometer Loipen und Skiwanderwegen.

"Dieses Jahr werden die Spuren länger halten, es fahren ja absehbar nur die Menschen aus dem 15-Kilometer-Umkreis", sagt Bürgermeister Thomas Kirsten. Doch für sie hat er sich am Freitagabend selbst auf den Pistenbully gesetzt. "Wo die Schneehöhe noch nicht für eine Spur gereicht hat, haben wir sie zumindest mit dem Glättbrett angedrückt." So können sie auch Wanderer nutzen. "Es gibt auch immer mehr Fahrradfahrer, die durch den Schnee fahren wollen."

Kirsten kann nicht verhehlen, dass ihm diese Arbeit Freude macht: "Das ist mein Hobby", sagt der ehemalige Biathlet. Insgesamt haben die Mitarbeiter des Bauhofs das Gebiet rund um die Scharspitze und um den Kahleberg aufgefahren und von dort weiter Richtung Rehefeld und Schellerhauer Rodelhang.

Immer mehr Anmeldungen für Zweitwohnsitz in Altenberg

"Von Schellerhau weiß ich, dass Gästebetreuer Gerd Heinrich mit dem Skidoo die Verbindungen gezogen hat", sagt Kisten. "In Geising hat es der Ortsvorsteher Silvio Nitschke übernommen, den Ort an die Scharspitzenloipe anzuschließen." Die kleinen Kettenfahrzeuge walzen zwar keine drei Meter breiten Wege aus, doch für Zubringerwege sind sie gut geeignet.

Der Schnee und die Wanderwege und Loipen dazwischen sind zumindest eine kleine Entschädigung für den doppelt eingeschränkten Bewegungsradius der Altenberger. Durch den ausgesetzten kleinen Grenzverkehr können sie das tschechische Gebiet nicht nutzen.

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Die Dresdner schauen dafür neidvoll die Altenberger Winterbilder an: "Wir merken das auch an den angemeldeten Zweitwohnsitzen. Seit dem der Schnee da ist, haben wir plötzlich ganz viele Anmeldungen", sagt Thomas Kirsten. Viele Dresdner, Berliner und Brandenburger, die in der Altenberger Region ein Feriengrundstück besitzen, würden ihren Aufenthalt auf diese Weise legalisieren.

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