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Frisch gestrichen im Gasthof Bärenfels

Aus der Corona-Lage hat das Betreiberpaar Katrin und Jan Kempe das Beste gemacht. Jetzt stehen sie sogar auf der Juryliste des Mittelstandspreises.

Jan und Katrin Kempe in der neuen Grill-Kota hinterm Haus - je kälter es draußen ist, desto gemütlicher wird es drin.
Jan und Katrin Kempe in der neuen Grill-Kota hinterm Haus - je kälter es draußen ist, desto gemütlicher wird es drin. © Egbert Kamprath

Dass sie mutig sind, haben Katrin und Jan Kempe in letzter Zeit oft gehört. Mitten in der Pandemie einen Umbau zu stemmen, Geld auszugeben, ohne zu wissen, wann wieder welches reinkommt. "Aber ich sehe die Dinge generell positiv", sagt Jan Kempe: "Als wir die Förderzusage bekamen, war das für uns eine Art Leuchtsignal."

Denn Hoffnung brauchte das Paar. Immerhin, ein paar Gäste empfangen die Kempes derzeit wieder - immer mittwochs, wenn Katrin Kempe den Gastraum zum Coronatestzentrum für die Bärenfelser umfunktioniert.

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Vor 23 Jahren hatte Jan Kempe den Gasthof Bärenfels übernommen. Seitdem hat er dem Haus Stück für Stück den Charakter verliehen, mit dem es sich heute präsentiert: bodenständig mit frischem Wind, regional verwurzelt und offen für Neues.

Gemütliche Grillhütte für kühles Wetter

Das bestes Beispiel dafür ist die ebenfalls neu errichtete Grill-Kota am hauseigenen Biergarten: "Kota ist der finnische Begriff für eine Holzhütte", erklärt Kempe. Die Finnen stellen einen Grill hinein und sorgen für einen ordentlichen Rauchabzug - fertig ist das Wintergrillen. "Meine Tochter studiert gerade in Helsinki. Dort habe ich das oft gesehen und fand das toll", sagt Kempe.

Jetzt wartet ein großer runder "High-End-Grill" samt kleiner Zapfanlage auf seinen Einsatz. Bis zu zwölf Personen können sich auf die Bänke mit den ausgelegten Schaffellen lümmeln, und beim Blick auf die eiskalten Aprilschauer vor den Fenstern erscheint die Kota die Idee der Stunde zu sein. Der neue Chefkoch Patrick Hesse ist schon dabei, Grillpakete zu kalkulieren - von der Grillkohle über Fleisch und Fisch bis hin zu den Gewürzen und Getränken.

Neuer Küchenchef kocht bodenständig mit Ambitionen

Das Küchenreich des Gasthofs war lange Zeit identisch mit dem Namen Marco Möller. "Es war ein Schlag für uns, als er sagte: Es geht nicht mehr", erzählt Kempe, "wir saßen uns heulend gegenüber." Möller habe die Küchentage im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr durchstehen können vor Schmerzen im Fuß. Jetzt arbeitet er beim Bergbaumuseum Altenberg.

Dass Patrick Hesse die Küche in ähnlicher Qualität weiterführen wird, zeigten bereits die Ostermenüs zum Abholen: "Bodenständig mit Ambitionen", nennt es Kempe. Neben dem Rindsroulade-Klassiker gab es da Lammhaxe und Mufflon.

Die Nachfrage war so gut, dass die Kempes auch zum Muttertag am 8. Mai ein Angebot zum Mitnehmen vorbereiten: "Dann sicher etwas mit Spargel", sagt Katrin Kempe, die die meisten noch als Katrin Kusch kennen werden.

Trautermine verschiebt man nicht

Das Betreiberpaar wollte eigentlich im Sommer 2020 heiraten, doch wegen der schwierigen Coronalage verlegten sie den Termin in der Schellerhauer Kirche um ein Jahr: "Aber dann merkte ein Freund an, dass man so etwas Wichtiges besser nicht verschiebt", sagt Kempe. Also ließ sich das Paar im kleinen Kreis doch noch im Dezember standesamtlich Trauen. "Die große Feier holen wir nach."

Umbau und Sanierung von Gästezimmern und Flur

Ein Beispiel für die neu eingerichteten Zimmer im Naturhotel Bärenfels. Die Fotografien an den Wänden hat die Frauensteiner Fotografin Marion Böhme gemacht.
Ein Beispiel für die neu eingerichteten Zimmer im Naturhotel Bärenfels. Die Fotografien an den Wänden hat die Frauensteiner Fotografin Marion Böhme gemacht. © Egbert Kamprath
Weil sich die Klebeverbindungen der alten Rohre lösten, ließen Kempes überall neue Edelstahlrohre einziehen - und sanierten bei der Gelegenheit auch die Bäder.
Weil sich die Klebeverbindungen der alten Rohre lösten, ließen Kempes überall neue Edelstahlrohre einziehen - und sanierten bei der Gelegenheit auch die Bäder. © Egbert Kamprath
Im Kamin der neuen Suite im Dachgeschoss raucht Wasserdampf, gleich dahinter steht die Infrarotkabine. Um etwas mehr Raumhöhe zu erhalten, musste der hintere Dachgiebel angehoben werden.
Im Kamin der neuen Suite im Dachgeschoss raucht Wasserdampf, gleich dahinter steht die Infrarotkabine. Um etwas mehr Raumhöhe zu erhalten, musste der hintere Dachgiebel angehoben werden. © Egbert Kamprath

Dann werden sie auch die vielen Neuerungen feiern können, die sie seit dem 27. Oktober angegangen sind: "Da bekamen wir die von der SAB die Förderzusage", erinnert sich Kempe. Sein Sanierungsvorhaben - eine grundlegend neue Sanitäranlage, Umbau der ehemaligen Dachgästezimmer zu einer Suite und die Sanierung von sieben weiteren Gästezimmern und des Hotelflurs - bezuschusst die Sächsische Aufbaubank mit 30 Prozent. Dank des weitgehend leeren Hotels setzten die Kempes das auf zwei Jahre angelegte Projekt in fünf Monaten um.

Dicke Eichenbretter für die Waschtische und Fenstersimse, sandgestrahlte und gekalkte Holzschindeln für den Kamin oder auch raumhohe Fotografien der osterzgebirgischen Landschaft sorgen nun für eine moderne Optik aus althergebrachten Baustoffen. "Spanplatten im Erzgebirge - das geht nicht. Wir haben hier genug Holz", sagt Kempe. Zumal das Naturhotel seinen Namen nicht umsonst trägt: "Wir haben den Wald vor der Tür", sagt Kempe.

Auf der Juryliste beim Preis des Mittelstandes

Doch hinter der Idee verbirgt sich noch mehr: "Wir sind ein Teil dieser Region und arbeiten mit den Leuten hier zusammen", sagt Kempe. Die Holzeinbauten übernahm die Tischlerei Gasiorek aus Dippoldiswalde, die Fotografien steuerte Marion Böhme aus Frauenstein bei.

Vielleicht einer der Gründe, warum das Naturhotel und der Gasthof Bärenfels gerade auf der Juryliste beim Großen Preis des Mittelstandes der Oskar-Patzeld-Stiftung stehen. Vorgeschlagen hatte sie der Landestourismusverband Sachsen, inzwischen sind sie schon eine Auswahlrunde weiter. "Das ist kein kleines Ding", sagt Kempe.

Die Sorge ums Personal

Alles gut also? Nicht ganz. Die zehn Festangestellten sind seit November in Kurzarbeit, "unsere tschechischen Mitarbeiter fangen an, sich Nebenjobs zu suchen", sagt Kempe. Er kann es ihnen nicht verdenken: "Jeder weiß, dass in Gastronomie und Hotellerie nicht viel verdient wird. Unseren Angestellten fehlen nicht nur 35 Prozent des Gehalts, sondern auch das Trinkgeld."

Dennoch müssen sie auch auf ihr reduziertes Einkommen Steuern zahlen. Da ist sie wieder: Die Sorge ums Personal - dass es noch da ist, wenn es irgendwann wieder losgeht mit der Gästebewirtung.

Corona-Testzentrum im Naturhotel Gasthof Bärenfels: Mittwoch 15-18 Uhr.

Auch Vereinbarungen unter der Telefonnummer 035052 22 80 möglich.

Adresse: Alte Böhmische Straße 1, 01773 Altenberg OT Bärenfels

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