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Neue Hilfen für Privatwaldbesitzer

Die trockenen Wälder können zur wirtschaftlichen Belastung werden. Doch das Landwirtschaftsministerium hat eine Bundeswaldprämie aufgelegt.

Annett Jung und Christoph Schönbach von der Forstbetriebsgemeinschaft Freiberger Land - Erzgebirge mit 1300 Festmetern Holz von Privatwaldbesitzern auf Holzlagerplatz bei Ruppendorf.
Annett Jung und Christoph Schönbach von der Forstbetriebsgemeinschaft Freiberger Land - Erzgebirge mit 1300 Festmetern Holz von Privatwaldbesitzern auf Holzlagerplatz bei Ruppendorf. © Egbert Kamprath

Die Fichten. Einst klang das stolz, jetzt sind sie fast nichts mehr wert. Gotthard Müller, in Dippoldiswalde und Glashütte noch aus seiner Zeit als Bauamtsleiter im Landratsamt und als Stadtrat bekannt, ist auch Waldbesitzer - und damit auch Besitzer eines größeren Fichtenbestandes. Einst war er froh darüber, jetzt ist solch ein Besitz Grund zur Sorge: "Das Holz ist über Generationen hinweg gewachsen. Und wir sind nun die Generation, die es verhökert."

Stichwort Borkenkäfer: 700 Festmeter Fichtenholz musste Müller dieses Jahr aus seinen 16 Hektar Wald holen. "500 Euro Miese habe ich dabei gemacht." Denn das Fällen der Bäume und das Herausholen aus dem Wald kostet Geld, das derzeit mit der Weitergabe des Holzes an die Sägewerke nicht wieder hereinkommt.

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Sägewerke kümmern sich um große Aufträge

"Weil es allen so geht, liegt der Holzpreis derzeit am Boden", sagt auch Annett Jung von der Forstbetriebsgemeinschaft Freiberger Land-Erzgebirge mit Sitz in Grillenburg. "Und einzelne Waldbesitzer haben es bei dem Überangebot schwer, überhaupt einen Marktzugang zu bekommen."

Heißt: Für die paar Festmeter eines durchschnittlichen Privatwaldbesitzers machen sich die Sägewerke nicht die Mühe, den Auftrag überhaupt anzunehmen - zu gering sind die Mengen im Vergleich zu dem, was beispielsweise der Sachsenforst verarbeiten lassen kann.

Forstbetriebsgemeinschaft ist stark gewachsen

"Das ist sicher ein Grund, warum wir in den letzten drei Jahren so stark gewachsen sind", sagt Annett Jung. Die Forstbetriebsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss privater Waldbesitzer, der inzwischen 870 Mitglieder zählt: "Zusammen bringen wir auch eine marktrelevante Menge an Holz auf", sagt die studierte Forstwissenschaftlerin, deren Service darin besteht, Technik und Holzverkauf zu vermitteln - und über Staatshilfen aufzuklären, die Waldbesitzer beantragen können.

Gerade hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine solche Hilfe auf den Weg gebracht. "Vor dem Hintergrund der massiven Waldschäden und des mit der Überlastung der Holzmärkte verursachten Preisverfalls für Holz seit dem Jahr 2018 wird den privaten und kommunalen Waldeigentümern ein einmaliger pauschaler flächenbezogener Teilausgleich von dadurch verursachten Bestands- und Einnahmeverlusten gezahlt", steht unter Punkt zwei der "Richtlinie zum Erhalt und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder." Unter www.bundeswaldpraemie.de sind die Antragsformulare im Internet zu finden.

Prämie bis 120 Euro pro Hektar

Die Prämie beträgt bis zu 120 Euro pro Hektar. Sie kann von privaten und kommunalen Waldbesitzenden bis Ende Oktober 2021 beantragt werden, fasst Hans Kraske, der Geschäftsführer des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, die wichtigsten Eckpunkte dieser Förderung zusammen.

"Wer zuerst beantragt, soll zuerst bedient werden und wenn all Mittel aufgebraucht sind, gibt es keine Aufstockung mehr", schreibt Hans Kraske noch an seine Mitglieder. 500 Millionen Euro setzt der Bund für dieses Förderprogramm "Bundeswaldprämie" ein.

Ungemütliche Alternative: Bäume stehen lassen

Die Alternative - die Bäume einfach stehen zu lassen und zu warten, was die Borkenkäfer übrig lassen - kann für die Waldbesitzer dagegen ungemütlich werden: "Im Waldgesetz steht, dass Schadholz zeitnah aufzuarbeiten ist", sagt Annett Jung. Es gehe darum, die Käfer am Ausbreiten in benachbarte Wälder zu hindern. Denn auch die haben einen Besitzer, der dann geschädigt würde.

"Dass Problem ist auch, dass so ein Wald für die Allgemeinheit nicht mehr zugänglich wäre", sagt Jung. "Das geht los mit zwei, drei Bäumen. Irgendwann liegt der ganze Bestand wie ein Mikadohaufen am Boden." Auf diese Weise ließe es sich erst recht nicht mehr verwerten.

"Wenn ich mit den Leuten rede, sind die meisten einsichtig", sagt Jung. "Aber manche sind es gar nicht gewohnt, sich mit ihrem eigenen Wald zu beschäftigen." Wenn ein Käferbefall festgestellt, aber nichts unternommen wird, leitet das Landratsamt einen behördlichen Vorgang ein. "Ermahnung, Aufforderung, Bußgeld, Ersatzvornahme", zählt Jung auf. Letzteres bedeutet, dass das Amt die Käferbäume beseitigen lässt - und dem Waldbesitzer die Rechnung zukommen lässt.

Prämie würde helfen, Schnee noch mehr

"100 Euro könnten tatsächlich helfen", sagt Karl-Heinz Funke, Ortsvorsteher in Cunnersdorf bei Glashütte und ebenfalls Besitzer von 22 Hektar Wald, viele steile Hänge darunter. "Firmen, die dort Holz schlagen könnten, haben gar keine Zeit für sowas Kompliziertes", sagt er.

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"Der Wald ist über hundert Jahre alt, mein Vater hat auch noch in den Fünfziger-, Sechzigerjahren die Fichten gepflanzt. Dass es es so kommt, daran hat früher keiner gedacht." 2019 habe er einen ganzen Wald verloren. "Von so einer Prämie könnte man zumindest wieder aufforsten."

Er ist nur ratlos, was bei dieser Trockenheit überhaupt eine Chance hat zu wachsen: "Was wir brauchen, ist ein Winter mit Schnee. Die Kälte allein reicht nicht. Nur Schnee bringt auch was fürs Grundwasser."

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