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Osterzgebirgischer Mutterwitz bei den Vugelbeern

Seit 15 Jahren halten die Vugelbeeren in Geising das erzgebirgische Liedgut lebendig. Nach einem viel zu ruhigen Jahr feiern sie jetzt ihr Jubiläum.

Die Geisinger Vugelbeern probten am Dienstag schon mal. Von links: Petra Oertel, Kathrin Legler, Michael Kaltofen, Katrin Lohse, Juliane Puls und Daniel Ullrich.
Die Geisinger Vugelbeern probten am Dienstag schon mal. Von links: Petra Oertel, Kathrin Legler, Michael Kaltofen, Katrin Lohse, Juliane Puls und Daniel Ullrich. © Egbert Kamprath

Uriger Mutterwitz - das ist die wichtigste Zutat für ein Konzert der Vugelbeern. Obwohl "Konzert" nicht die passendste Beschreibung ist: "Vielleicht sollten wir es eher eine 'musikalische Gelegenheit' nennen", sagt Petra Oertel, die die Erzgebirgsgruppe vor 15 Jahren ins Leben rief.

"Das war 2006, da feierten mein Mann und ich die Übernahme des Berghotels Schellhas", erzählt sie. Die Gäste fragten immer wieder, ob sie, die seit ihrer Kindheit immer wieder in Erzgebirgsgruppen sang, nicht auch jetzt etwas zum Besten geben könnte: "Da sind meine Freundinnen und ich um Ecke gegangen, haben kurz was a Capella durchgesungen - und sind damit aufgetreten."

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Familien müssen mitziehen

Das Schellhas-Hotel betreiben sie zwar seit 2015 nicht mehr, aber die Gruppe von damals gibt es immer noch. In den 15 Jahren dazwischen sind noch Wera Braeske mit ihrer Bassgitarre, der Akkordeonspieler Hans Joachim Grahl und Michael Kaltofen mit seiner Zither dazugekommen. "Er kommt sogar aus Cämmerswalde zu den Proben", sagt Petra Oertel: "damit hat er es am weitesten."

Familie, Arbeit - es war gar nicht so leicht, die neun Vugelbeer-Sängerinnen und Musiker über 15 Jahre bei Proben und Auftritten zusammenzuhalten. "Die Familien müssen mitziehen, und manchmal sind auch Mann und Kinder zu einem Auftritt mitgekommen und haben dann eben den Sonntag mit auf einem Volksfest oder Weihnachtsmarkt verbracht."

Ein schweres Jahr ohne Proben und Auftritte

Trotzdem war das vergangene Jahr ohne Proben und Auftritte am schwersten. "In der Weihnachtszeit haben wir uns schließlich jeden Sonntag draußen getroffen, einen Adventsgruß gesungen und den dann ins Netz gestellt", erzählt Oertel.

Am Sonntag wollen die Vugelbeern nun ihr 15-jähriges Jubiläum in Geising feiern. "Der Schützenverein stellt uns seinen Teil vom Sportgarten unterhalb vom Leitenhof zur Verfügung." Die Geisinger unterstützen das Fest der Vugelbeern mit selbst gebackenem Kuchen und Deftigem vom Grill. Jetzt könnte nur noch das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen: "Wenn es zu sehr regnet, müssen wir es ausfallen lassen", sagt Petra Oertel.

So viele Lieder, die nicht bekannt sind

Das Wetter spielt auch eine Rolle in einem ihrer Lieblingslieder, die die Vugelbeern in erzgebirgischer Mundart singen: "On prophezeit de Watterkort, s' ka su warn oder su - Do weß mer bal so viel wie erscht. On's trifft a merschtens zu", dichtete einst Max Nacke oder auch der "Nackemax", der in den 1920er-Jahren das Alte Raupennest in Altenberg als Gasthaus ausbaute und zeitgleich mit seinem Bruder Willie und Anton Krämer das Nacke-Trio gründete.

"Deshalb geben wir auch besonders gern einen Hutzenabend im Raupennest", sagt Oertel, "dort ist eine Riesenstimmung" - für die Vugelbeern auch mit Liedern von Seff Gessinger oder Joachim Süß sorgen, "da gibt's so viele Lieder, die gar nicht richtig bekannt sind." Dabei legt die Gruppe Wert auf "handgemachte" Musik: "Ein elektronisches Schlagzeug käme bei uns nicht vor."

Mundart-Sketche beruhen auf wahren Begebenheiten

Ein wichtiger Programmbestandteil sind zudem keine Mundart-Sketche, die tatsächlich den Leuten zwischen Altenberg und Gottgetreu abgelauscht sind: "Da ist die Geschichte einer Frau, die es endlich schafft auszumisten und ihren Mann mit dem Trödel auf den Werkstoffhof schickt. Und von dort bringt er dann noch mehr wieder zurück, weil er noch so viele brauchbare Sachen entdeckt hat."

Für eine lebendige Tradition der erzgebirgischen Mundartgruppen sorge auch die Vugelbeer-Mitsängerin Kathrin Legler, die die Mundart-AG im Altenberger Gymnasium leitet, sagt Petra Oertel. Die Schüler haben ihre Auftritte auch im Programm der Vugelbeern: "Und früher war es immer so, dass sie mit wachsendem Alter langsam das Interesse verloren und die AG verließen, doch inzwischen bleiben sie bis zum letzten Schuljahr dabei."

15 Jahre Geisinger Vugelbeern, Sonntag, 29. August, 15 Uhr, Geisinger Sportgarten (Löwenhainer Straße, zwischen Nr. 22 und 24), www.vugelbeern.de

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