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Nur Bares ist Wahres im Regionalverkehr

In den Bussen des RVSOE und in der Müglitztalbahn gibt es Tickets nur gegen Bargeld. Doch auch Handytickets sind manchmal keine Alternative.

In Altenberg gibt es eine Chance auf den Ticketkauf mit EC-Karte. Aber sonst sieht es ohne Bargeld oft schlecht aus im Regionalverkehr.
In Altenberg gibt es eine Chance auf den Ticketkauf mit EC-Karte. Aber sonst sieht es ohne Bargeld oft schlecht aus im Regionalverkehr. © Egbert Kamprath

Zwanzig Euro haben sie noch im Portmonee, mit Mühe kommen noch ein paar Münzen aus den Tiefen der Taschen zusammen. Doch dann ist Schluss mit der Barschaft des Paares, das in Heidenau mit seinen Rädern in die Müglitztalbahn einstieg und jetzt bei der Zugbegleiterin die Tickets lösen möchte.

Zwei Räder á 3 Euro pro Tageskarte und zwei Erwachsene á 6,80 Euro für drei Tarifzonen zwischen Dresdens Stadtgrenze und Lauenstein - das macht zusammen 19,60 Euro. Die Summe können sie gerade noch begleichen. Doch auf die beiden Rückfahrkarten - nochmal 13,60 Euro - müssen sie verzichten. Auch für die Familientageskarte für 21,50 Euro plus die Tickets für die Räder hätte das Bargeld nicht gereicht.

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Völlig blank, bevor der Ausflug losgeht

Dass sie nun völlig blank sind, bevor ihr Radausflug überhaupt richtig begonnen hat, war nicht geplant. Das Paar aus Dresden rechnete damit, in der Müglitztalbahn mit EC-Karte zu zahlen. Die Chance dafür hätten sie allerdings nur am Ticketautomat in Heidenau gehabt. Doch dafür waren die sechs Minuten für den Umstieg zwischen der der S-Bahn aus Dresden und der Abfahrt gen Altenberg zu kurz - zumal eine Unterführung zwischen den Bahnsteigen liegt.

Wenn die Rückfahrt nicht aus Altenberg oder Glashütte erfolgen soll, sieht es ohne Bargeld weiterhin schlecht aus für Tickets. Denn an den kleineren Stationen gibt es keine Automaten - und in den Ortschaften auch keine Geldautomaten. Die Lauensteiner Sparkassenfiliale wurde im vergangenen Jahr durch den Sparkassenbus ersetzt, der nur einmal pro Woche für anderthalb Stunden vorbeikommt.

Keine stabile Datenleitung auf der Strecke

"Da für den Bezahlvorgang eine stabile Datenleitung notwendig ist, können Empfangsprobleme auf freier Strecke mitunter zu Umsetzungsproblemen führen", lässt die Pressestelle der Mitteldeutschen Regionalbahn (MRB) wissen. Deshalb ließe sich der Bezahlvorgang nur mit einer Kreditkarte realisieren, obwohl die Zugbegleiter eigentlich die technische Ausrüstung für EC-Zahlungen haben - und die auf den anderen MRB-Strecken, beispielsweise zwischen Pirna und Sebnitz oder Dresden und Kamenz, auch funktioniert.

"Ab voraussichtlich Sommer 2021 können Fahrgäste auch Tickets des Verbundtarifs VVO in der MRB-App erwerben. Hier ist der Kauf mit Kreditkarte und Paypal möglich", schreibt die MRB-Pressestelle noch.

EDGE - das Synonym für sehr, sehr langsames Internet

Auch wenn Ende des Jahres die DB Regio den Bahnbetrieb im Müglitztal übernimmt, sei die EC-Kartenzahlung technisch vorgesehen: "aber das Funknetz muss entsprechend leistungsfähig sein", sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper.

Tatsächlich basiert die Netzabdeckung im Müglitztal über einige Strecken auf der 2G-Technologie. Mobilfunknutzer merken es daran, dass "EDGE" neben ihren Empfangsbalken steht - immer ein Zeichen für einen extrem langsamen Seitenaufbau im Internet. Die Datenübertragungsrate mit 2G ist mit maximal 0,22 Mbit/s nur einen Bruchteil so schnell, wie der aktuelle Mobilfunkstandard 4G, bei dem Datenübertragungsraten von 1000Mbit/s möglich sind.

Apps für Handytickets im VVO-Verbund

Schlemper verweist auf die DB-Navigator-App der Deutschen Bahn: "Wer die nutzt, kann damit auch unsere Fahrkarten kaufen." Auch die Apps des VVO und der Dresdner Verkehrsbetriebe erlauben es, Ticktes bargeldunabhängig zu erwerben. Allerdings lassen sie sich nicht spontan nutzen, weil zunächst eine Registrierung über die App Handyticket Deutschland nötig ist.

Von der Ticket-App Fairtiq ist Schlemper besonders begeistert: "Man aktiviert sie mit einem Wisch zu Beginn der ersten Fahrt, und zum Schluss rechnet sie automatisch das günstigste Ticket aus." Ab der dritten Fahrt kann das beispielsweise auch eine Tageskarte sein.

Doch auch, wenn die passende App installiert und alle Anmeldungen vorgenommen sind, wird der spontane Ticketkauf per Smartphone genau dort zur Glückssache, wo auch die Zugbegleiter mit ihrem Kartenlesegerät nicht weiter kommen - ist er doch genauso auf eine stabile Internetverbindung angewiesen.

Auch im Bus keine EC-Kartenzahlung

Auch die Busfahrer des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) rücken Tickets nur gegen Bargeld raus. Sie können auch den QR-Code der Handytickets lesen. Doch mit EC-Karte zu zahlen, ist bei ihnen ebenfalls nicht möglich, "da die seit 2011 im Einsatz befindliche Verkaufstechnik eine Kartenzahlung nicht vorsieht", schreibt RVSOE-Sprecherin Sabine Schuricht.

Vor 2011 sei zwar die Zahlung mit der Geldkarte angeboten worden, wurde jedoch "aufgrund mangelnder Nutzung und Akzeptanz der Fahrgäste wieder eingestellt." Jetzt sei die Kartenzahlung noch in den RVSOE-Servicebüros in Bad Schandau, Dippoldiswalde, Freital und Pirna möglich.

Am sichersten ist die Viererkarte aus Papier

"Zudem stehen im gesamten Verkehrsverbund Oberelbe neben der Möglichkeit des Ticketkaufs am Automaten mehr als 50 Servicestellen und Verkaufsagenturen mit persönlicher Beratung zur Verfügung." Eine Standortübersicht gibt der Verkehrsverbund Oberelbe auf seiner Internetseite.

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Schuricht gibt auch zu bedenken, dass es bis 2016 sieben Automaten in Freital, Kreischa und Dippoldiswalde gab. Sie seien jedoch abgebaut worden, weil den geringen Nutzungszahlen hohe Wartungs- und Reparaturkosten gegenüberstanden: "Hervorgerufen durch immer wiederkehrende Vandalismusschäden."

Was dem Paar aus Dresden noch geholfen hätte: eine gute, alte Viererkarte aus Papier auf Vorrat im Portmonee. Einsetzbar im ganzen VVO-Raum einschließlich Dresden.

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