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Sartor-Nachwuchs hat die Bobbahn im Blut

Silas Sartor gewinnt die Wettkämpfe seiner Altersklasse. Das Rennrodeln trainiert er in Altenberg. Seine Mutter kann dabei nicht zusehen.

Familie Steffen, Silas und Diana Sartor. Die Medaillen hat sich Silas alle selbst errodelt.
Familie Steffen, Silas und Diana Sartor. Die Medaillen hat sich Silas alle selbst errodelt. © Egbert Kamprath

An den olympischen Winterspielen 2006 in Turin kann es nicht gelegen haben. Damals war Diana Sartor mit ihrer Tochter Malin schwanger. Doch es ist der zwölfjährige Silas Sartor, der jetzt die rasanten Fahrten durch die Eisröhre unternimmt - mit beträchtlichem Erfolg.

"Bei uns zu Hause war es eigentlich nie groß Thema, dass mein Mann und ich mal aktive Sportler auf dem Skeleton oder dem Rennrodel waren", sagt Diana Sartor. "Aber dann kamen die olympischen Winterspiele in Südkorea, und Silas schaute immer im Fernsehen, ob er seinen Vater irgendwo bei den Rennrodlern entdecken konnte." Als Trainer der südkoreanischen Rodler war Steffen Sartor vor Ort in Pyeongchang.

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Mutter kann nicht hinsehen

Silas Sartor, damals zehn Jahre alt, wollte auch. "Ich war gar nicht mal so begeistert: Schule und Training, das lässt sich alles gar nicht so leicht vereinbaren. Also haben wir erstmal ein Probetraining vereinbart." Aber danach war die Begeisterung fürs Rennrodeln bei Silas umso größer. "Und was soll ich sagen?", kann sich seine Mutter ein stolzes Lächeln nicht verkneifen: "Nicht ein Wettkampf, den er nicht gewonnen hätte."

Tipps geben kann sie ihm nicht. "Ich kann nicht hinsehen, wenn er fährt. Das ist doch so gefährlich." Dazu muss man wissen, dass Diana Sartor bei den Turiner Winterspielen einen Skandal auslöste, der nicht an ihrer sportlichen Leistung lag - sie belegt mit zwei Minuten und 1,69 Sekunden für zwei Läufe einen unangefochtenen vierten Platz im Skeleton.

Schwangerschaft sorgte für Wirbel bei Winterspielen

Für Wirbel sorgte ihre Schwangerschaft, die sie vorher verschwiegen hatte. Angesichts der Sportunfälle, die man bei über 140 km/h bäuchlings auf einem Skeleton erleben kann - Sartor selbst hatte sich 2005 das Becken gebrochen - waren sämtliche Illustrierten entsetzt über ihre Entscheidung, trotzdem an den Start zu gehen.

"Es ist eben etwas anderes, wenn man selbst fährt", sagt sie, "dann weiß man genau, man hat alles im Griff." Wie sehr ihr Sohn alles im Griff hat, erstaunt sie allerdings auch immer wieder. "Er ist ja erst zwei Jahre dabei, aber man kann mit ihm die Fahrten durchgehen wie mit einem Alten", sagt sie. "Er analysiert und durchdenkt ziemlich genau, was er machen muss."

Gutes Gefühl für die Eiskanäle

Dass er ein gutes Gefühl für Rennrodel und Bahn hat, bewies Silas auch zur Welt-Jugend-Challenge 2020 in Innsbruck/Igls, bei der eigentlich Manuel Weissensteiner als Favorit galt - übrigens der Sohn der italienischen Rennrodlerin und Olympiasiegerin Gerda Weissensteiner.

"Silas kannte den Eiskanal in Innsbruck gar nicht, und seine Erfahrungen mit Altenberg halfen ihm da auch nicht weiter", sagt Sartor. "Die Altenberger Bahn hat ein ganz anderes Profil. In Innsbruck muss man weniger lenken, mehr laufen lassen." Letztlich gewann Silas mit einer Sekunde Vorsprung in seiner Altersklasse.

Derweil schaut schon der nächste Sartor-Nachwuchs interessiert auf den Altenberger Eiskanal: Diana Sartors Nichte Sarah Sartor, die ebenfalls an einigen Skeleton-Meisterschaften teilnahm, hat im November mit Hugo Bruno für Familienzuwachs gesorgt.

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