merken
PLUS Dippoldiswalde

Schräger Beton im Leistungssportzentrum

Der Bundesstützpunkt in Altenberg wächst derzeit vor allem unterirdisch - mit sehr raffinierten Trainingsmöglichkeiten.

Mario Weller ist der Projektbeauftragte vom Landratsamt Pirna für das Leistungssportzentrum in Altenberg. Seit 2009 verfolgt er das Wachstum der Anschubstrecke, des Trainingsgebäudes und der Lauf- und Schießhalle.
Mario Weller ist der Projektbeauftragte vom Landratsamt Pirna für das Leistungssportzentrum in Altenberg. Seit 2009 verfolgt er das Wachstum der Anschubstrecke, des Trainingsgebäudes und der Lauf- und Schießhalle. © Karl-Ludwig Oberthür

Flüssiger Beton folgt der Schwerkraft. Was also tun, damit er nicht einfach wegläuft, wenn eine schiefe Ebene gebaut werden soll? Genauer: Bei drei Metern Gefälle auf 50 Metern Strecke. Bedingungen, die die sogenannte Anschubstrecke im Leistungssportzentrum in Altenberg bietet. Deren Hauptaufgabe besteht darin, besonders steil zu sein, um Rennrodlern und Bobfahrern genug Schwung zu verleihen.

"Die ganze Anschubstrecke wurde in 18 Segmente eingeteilt", sagt Mario Weller vom Landratsamt Pirna, der es 2009 erstmals mit den Studien zum Leistungssportzentrum in Altenberg zu tun bekam und es seitdem als Projektbeauftragter beim Wachsen betreut.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Bauliche Herausforderung am Fundament

Wobei dieses Wachstum - ähnlich wie bei Trüffeln - in erster Linie unterirdisch stattfindet. "Mit 20 Zentimeter Unterbau und 30 Zentimeter Bodenplatte reicht der Baukörper bis in neuneinhalb Meter Tiefe", sagt Weller. "Unser Vermesser war der beste Fachmann für sowas", sagt er lächelnd: "Der war früher bei Zinnerz Altenberg."

In der Baugrube hatten sie es immer wieder mit Fels aus Quarzporphyr zu tun, zudem schmirgelt eine Fundamentecke der Dreifeldturnhalle, die bereits 2013 gebaut wurde, um Haaresbreite am tiefsten Punkt der 100-Meter-Wand vorbei: "Das Ganze baulich zu sichern war eine große Herausforderung."

Spezieller Bodenbelag hält "Pinguinschläge" aus

Jedes der 18 Streckensegmente wurde einzeln abgeschalt und bewehrt. Der Rohbau war 2019 fertig. "2020 folgten die Fenster, die Lichtkuppeln und das Gründach", zählt Weller auf. Jetzt geht es um den Innenausbau. Die Anschubstrecke der Rennrodler wird einen speziellen, mehrschichtigem Kunststoffbelag bekommen. "Die Sportler fahren auf niedrigen Rollwagen und schieben sich mit sogenannten Pinguinschlägen ab, also mit den Händen am Boden", erklärt Weller, "dafür tragen sie Handschuhe mit Spikes." Der Boden muss also einiges aushalten können.

Auf der gegenüberliegenden Seite, auf einer weniger steilen Bahn, liegt die Anschubstrecke der Bobfahrer - nicht kompatibel mit den Rennrodlern, weil ihre Bob-Ersatzwagen auf Schienen laufen. "Auf der Bobbahn gibt es ja auch Rinnen im Eis", sagt Weller und fängt an zu schwärmen: "Hier absolvieren Francesco Friedrich oder Felix Loch ihre Trainingswochen und die Jugend sitzt daneben", sagt er und meint die Schüler des Altenberger Sportgymnasiums, die im Laufe des Jahres 2022 das Gelände als Schulhof nutzen sollen: "Näher kann man seinen Idolen nicht kommen."

Beide Baukörper sind unterirdisch verbunden

Die schiefe Ebene der Anschubstrecken für Rennrodler und Bobfahrer gelingen mit einzeln verschalten Betonsegmenten.
Die schiefe Ebene der Anschubstrecken für Rennrodler und Bobfahrer gelingen mit einzeln verschalten Betonsegmenten. © Karl-Ludwig Oberthür
Im oberirdischen Teil über der Renn- und Schießhalle sollen Verwaltungsräume entstehen. Zwischen den Gebäuden sind Sitzecken und Tischtennisplatten geplant.
Im oberirdischen Teil über der Renn- und Schießhalle sollen Verwaltungsräume entstehen. Zwischen den Gebäuden sind Sitzecken und Tischtennisplatten geplant. © Karl-Ludwig Oberthür
Gerade wurden alle Komponenten der riesigen Lüftungsanlage angeliefert. Lüftungsinstallateur Matrin Fenko passt die Rahmen an die Öffnungen im Beton an.
Gerade wurden alle Komponenten der riesigen Lüftungsanlage angeliefert. Lüftungsinstallateur Matrin Fenko passt die Rahmen an die Öffnungen im Beton an. © Karl-Ludwig Oberthür
Ihre Körperspannung trainieren Biathleten auch auf dem Trampolin. Dafür wurde extra die Decke höhergelegt.
Ihre Körperspannung trainieren Biathleten auch auf dem Trampolin. Dafür wurde extra die Decke höhergelegt. © Karl-Ludwig Oberthür

Noch bestehen die Wände aus der blanken Betonverschalung, nur die Decken haben bereits eine Dämmung: "Zum Glück, seitdem hallt es hier nicht mehr so." Vorbei an leeren Räumen, die noch zu Werkstätten und zum Training ausgebaut werden, läuft Weller hinüber zur 85 Meter langen Lauf- und Schießhalle. Die beiden Baukörper sind unterirdisch verbunden.

Ebenerdiger Schulhof auf dem Dach

"Altenberg hat eine kleinteilige Bebauung. Wenn wir alles nach oben gebaut hätten, würde der Sportkomplex eine ungeheure Wucht bekommen", erklärt der Projektleiter. So aber lässt sich die Fläche auf einem Teil der Anschubstrecke, auf den Trainingsräumen und der Lauf- und Schießhalle ideal zum Schulhof des Sportgymnasiums erweitern.

Geplant sind Tischtennisplatten, ein Fahrradstellplatz und zahlreiche Sitzecken. Östlich des Trainingsgebäudes soll ein Regenerationsbereich mit Zugang zur Sauna und zur Physiotherapie entstehen, daneben die Werkstatt der Mountainbiker und der Außenwasseranschluss für die Fahrradwäsche.

Ideale Trainingsmöglichkeiten am Bundesstützpunkt

Altenberg als Bundesstützpunkt ist der zentrale sächsische Ausbildungsstandort für Biathlon, Rennrodeln, Bob und Skeleton, Curling und Mountainbike. Im Leistungssportzentrum sollen dafür ideale Trainingsmöglichkeiten entstehen - gespickt mit Superslowmotion-Kameras, die die Bewegungsabläufe der Sportler aus verschiedenen Blickwinkeln aufnehmen, und ausgerüstet mit Sprint-Messstrecken.

"Dass die Schießhalle gleichzeitig auch als Sprinthalle dient, ist eine Besonderheit", sagt Weller. "Bobfahrer müssen beispielsweise auch Sprint trainieren." Biathleten wiederum sollen ihre Körperspannung auf einem Trampolin trainieren - dafür wurde extra eine Decke höher angelegt als in den üblichen Trainingsräumen.

Knappe Baustoffe werden zum Risiko

Ein drei mal vier Meter breites Laufband wird später einmal computergesteuert die Weltcupstrecken im Biathlon und Mountainbiken einstellen. "Die sind mit ihren Neigungen und Steigungen hinterlegt", sagt Weller.

Corona hat den Zeitplan bisher nicht in Verzug gebracht. "Toi, toi, toi", ruft Weller und lacht. Mit Sorge sieht er etwas anderes: "die Verfügbarkeit der Baumaterialien". Holz spiele noch nicht so die Rolle, aber bei Dämmstoffen deutet sich Knappheit an. "Das wird in diesem Jahr ein erhebliches Risiko."

Mehr Nachrichten aus den Regionen Altenberg und Dippoldiswalde lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde