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Tourismus in Hochform im Osterzgebirge

Volle Züge, volle Museen, volle Hotels: Viele Hoteliers sind mit der Saison zufrieden und blicken zuversichtlich in den Herbst.

Nicht nur zur Artour zog es viele Fahrradfahrer ins Osterzgebirge. Die Müglitztalbahn konnte nicht immer alle mitnehmen.
Nicht nur zur Artour zog es viele Fahrradfahrer ins Osterzgebirge. Die Müglitztalbahn konnte nicht immer alle mitnehmen. © Egbert Kamprath

Ein strahlender Spätsommermorgen Mitte September: Ganze Rudel von Fahrradfahrern - vor allem junge Männer - streben der Müglitztalbahn zu. Die Hälfte von ihnen umsonst. "Zwölf Räder, mehr transportieren wir nicht", sagt der Zugbegleiter und schickt die überzähligen Radler wieder raus: "In einer Stunde kommt der nächste Zug, da können Sie es noch mal versuchen."

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Grundsätzlich passe der VVO das Angebot am Wochenende an die Fahrradmitnahme an, schreibt VVO-Sprecher Christian Schlemper später auf Nachfrage "Mit dem Wanderexpress RE 19 fährt ein weiterer Zug durch das Müglitztal, zudem sind die Züge an den Wochenenden häufig mit zwei Triebwagen unterwegs, sodass 24 Fahrradstellplätze zur Verfügung stehen."

Besucherstau vorm Schloss Lauenstein

Doch zunächst entsteht der nächste Stau vor dem Eingang zum Schloss Lauenstein: Eine Besuchergruppe wartet auf den Beginn der Falknershow, eine andere will ins Osterzgebirgsmuseum.

Museumsdirektorin Gabriele Gelbrich lässt von dem Getümmel nicht aus der Ruhe bringen. Doch das Pensum der letzten Wochen möchte sie nicht ewig durchhalten: "Mit der Murmelbahn-Ausstellung hatten wir manchmal um die 400 Besucher an einem Tag, von Görlitz bis zum Westerzgebirge", sagt sie, "für noch mehr Leute hätten wir gar nicht genug Platz." Doch ihr Konzept, in den Sommerferien eine Ausstellung für Familien und Touristen zu platzieren, ging auf. "Das werden wir in Zukunft so beibehalten."

Zögerlicher Start, dann ausgebucht

Noch Anfang Juli waren die Hoteliers im Osterzgebirge verunsichert, weil die Gäste nur zögerlich und kurzfristig buchten. "Aber Mitte, Ende Juli ging es los, der August war dann schon knackig", sagt Christoph Gröger, der Inhaber des Hotels Ladenmühle in Hirschsprung. "Dann hatten wir auch noch das gute Septemberwetter."

Und auch in den nächsten Monaten werden seine Zimmer gut belegt sein: "Auf der Bobbahn wird es dieses Jahr mehr Trainingswochen geben." Die Betreibergesellschaft Wintersport Altenberg GmbH übernimmt einen Teil der Termine von der Bahn in Königssee, die das Unwetter im Juli zerstört hatte. Traditionell nutzen viele Bobfahrer in Altenberg die nahe Ladenmühle als Quartier, weil sie hier auch ihren Bob unterbringen können.

Nachfragen bis in den November

Auch die beiden Flaggschiffe im osterzgebirgischen Beherbergungsbetrieb, das Ahorn-Hotel in Schellerhau und der Lugsteinhof in Zinnwald, erlebten einen Ansturm auf die Zimmer: "Knackevoll" seien alle Ahorn-Hotels gewesen, sagt Pressesprecher Julian Mieske: "Anfangs waren die Gäste noch verunsichert, aber dann haben sie uns überrannt." Die Buchungen kämen kurzfristiger, doch jetzt würden Nachfragen bis in die Herbstferien optimistisch stimmen.

Auch Andreas Sämann, Manager des Lugsteinhofes, ist "bis Mitte November ausgelastet" und rechnet vor: "Im September hatten wir eine Auslastung von 89,6 Prozent." Die guten Zahlen führt er vor allem auf seine Internet-Offensive zurück: "Alle schimpfen immer auf Booking.com, aber wir sind damit viel flexibler als mit den Buchungen über Reisebüros", sagt er.

Flexibler durch Online-Buchungen

Durch Corona und die damit verbundenen Auflagen stieg das Risiko, dass Gruppenreisen kurzfristig abgesagt werden: "Ich habe dann mit einem Schlag 80 leere Zimmer. Online sind dagegen fast alles Einzelbucher." Vor allem Sachsen, gefolgt von Berlinern und Thüringern. "So 12, 13 Prozent kommen aus Westdeutschland und 2 Prozent aus dem Ausland, meist Österreicher und Schweizer."

Erfahrungsgemäß stornieren auch circa 30 Prozent der Einzelbucher, aber eben nicht alle auf einen Schlag, und über die Plattform lassen sich die Zimmer auch schnell wieder anbieten. "Auch die An- und Abreise und die Essenszeiten sind dann gestaffelt. Das ist für das Personal viel entspannter."

Lugsteinhof als Corona-Testzentrum der ganzen Region

Zumal die Angestellten jetzt neben der Gästebetreuung noch eine zweite Aufgabe übernommen haben: Der Lugsteinhof ist zum Corona-Testzentrum der ganzen Region geworden. "Eigentlich wollten wir vor das unseren Gästen anbieten, damit wir nach der 3G-Regel niemanden abweisen müssen, der uns keinen aktuellen Test vorlegen kann."

Doch mittlerweile hat er mithilfe von Jana Meißner, der Inhaberin der Apotheken in Geising und Altenberg, 17 seiner Angestellten zu professionellen Testberechtigten ausbilden lassen. "Hier kommen alle her, die sich testen lassen müssen - weil sie ins Krankenhaus wollen, weil sie für die Arbeit einen Nachweis brauchen."

Test-Angebot wird ab Oktober Geld kosten

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Deshalb will er jetzt offizielle Testzeiten für die Nicht-Hausgäste einrichten: "Täglich von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr". Wenn ab dem 11. Oktober die Testkosten nicht mehr vom Staat übernommen werden, wird das Angebot auch Geld kosten: "Für unsere In-House-Gäste zum Selbstkostenpreis, für alle anderen kalkulieren wir gerade mit der Altenberger Apotheke. In etwa um die zehn Euro wird das kosten."

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