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Tagesbruchsicherung am Zinnwalder Huthaus

Das sächsische Oberbergamt stabilisiert die Stelle nahe dem Huthaus. Der Tagesbruch zeugt von der uralten Bergbaugeschichte der Gegend.

Mitarbeiter der Bergsicherung Sachsen arbeiten an einem Tagesbruch am Huthaus in Zinnwald, Mit einem Schacht wollen sie auf einen Hohlraum in sechs Metern Tiefe stoßen.
Mitarbeiter der Bergsicherung Sachsen arbeiten an einem Tagesbruch am Huthaus in Zinnwald, Mit einem Schacht wollen sie auf einen Hohlraum in sechs Metern Tiefe stoßen. © Egbert Kamprath

Für Volkmar Scholz ist es "keine große Sache": Die Sicherung des Tagesbruchs direkt vor der Transformatorenstation am Zinnwalder Huthaus gehört zum Tagesgeschäft des Sächsischen Oberbergamtes mit Sitz in Freiberg. "Man könnte uns auch Bergpolizeibehörde nennen", sagt Scholz.

Anfang 2019 bekam das Bergamt den Tagesbruch gemeldet - zunächst bemerkbar als abgesunkenes Gelände. "In Zinnwald hat so etwas in den meisten Fällen mit dem historischen Bergbau zu tun", sagt Volkmar Scholz. Auf der Hohlraumkarte des sächsischen Freistaates sind die betroffenen Gegenden braun gekennzeichnet. In Zinnwald reicht diese braune Markierung von der tschechischen Grenze im Süden bis zum Aschergraben im Norden, vom Hochmoorweg im Westen bis zum Pfarrwasser im Osten. Kurz: "In Zinnwald - ohne Georgenfeld - wurde seit dem 15. Jahrhundert Bergbau betrieben. Da kann man überall bohren und findet irgendeinen Hohlraum."

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Hohlraum der Grube Zinnwald Vereinigt Feld

Bei dem aktuellen Tagesbruch Am Huthaus 2a handelt es sich "um einen Hohlraum unbekannter Ursache im Ausbissbereich des hier zu Tage austretenden Flözes Nr. 5 des ehemaligen Zinnwalder Zinnbergbaus der Grube Zinnwald Vereinigt Feld", informiert Scholz und fügt erklärend hinzu: "Die aufgegebenen Bergbaulöcher wurden verfüllt. Doch das Niederschlagswasser, dass in das Erdreich eindringt, spült nach und nach zuerst die feinen, dann die gröberen Partikel aus." Am Huthaus liegt der ursächliche Hohlraum in sechs Metern Tiefe. Irgendwann verliert das Erdgefüge darüber seinen Halt und folgt der Schwerkraft. Die Ausspülungen lassen die Oberfläche in ein Loch sacken.

Schon der Starkregen im August des berühmten Hochwasserjahres 2002 hinterließ auf diese Art beispielsweise einen Tagesbruch von neun Metern Durchmesser auf dem Parkplatz vom Zinnwalder Landmarktes und spülte jede Menge Sand in die Gänge des Bünaustollens. Um Ausspülungen vorzubeugen, ließ das Oberbergamt 2011 den Wasserabfluss im Tiefer Hilfe Gottes Stollen in Zinnwald für 4,5 Millionen Euro regulieren. Auch in anderen Gegenden lauern Hohlräume unter der Erde: 2015 stürzte in der Dippoldiswalder Brauhofstraße ein alter Stollen samt Straßenpflaster ein - an einer Stelle, die für Bergbau noch gar nicht bekannt war.

Zinnflöze dicht unter der Oberfläche

"In Zinnwald ist es der alte Zinnbergbau, der sich so bemerkbar macht", sagt Scholz: "Eigentlich kennen wir Flöze eher im Zusammenhang mit Kohle, die dicht unter der Erdoberfläche liegt." In Zinnwald aber lag das Erz ebenfalls so dicht unter dem Boden, dass es an bestimmten Scheitelpunkten des Berges austrat. Diese Stellen heißen in der Bergmannssprache Gangausbiss: "Mit einem solchen haben wir es nun zu tun", sagt Scholz.

"Wenn wir einen Tagesbruch gemeldet kriegen, schauen wir erst einmal im Bergarchiv in Freiberg, ob wir die Stelle in einem Bergmännischen Risswerk finden," sagt Scholz. Die frühesten Karten dieser Art sind aus dem 16. Jahrhundert überliefert, "aber belastbar sind sie oft erst ab dem 18. Jahrhundert." Wenn es eine Grubenkarte gibt, können die Mitarbeiter des Bergamtes zumindest ein wenig besser zuordnen, ob es sich um einen Schacht, Stollen oder Abbauholraum handelt.

Sanierungsarbeiten durch die Bergsicherung Sachsen

"Bei dem Tagesbruch jetzt war in etwa bekannt, dass dort der Flöz Nr. 5 seinen Ausbruch hatte. Da es sich um Altbergbau ohne Rechtsnachfolge handelt, übernimmt hier das Sächsische Oberbergamt in Vertretung des Freistaates Sachsen die Schadensbeseitigung", so Scholz.

Nach den Recherchen zur Bergbaugeschichte schrieb das Oberbergamt 2019 die Sanierungsplanung aus und beauftragte das Ingenieurbüro Golho aus Niederschöna damit. Die Ausschreibung der Sanierungsarbeiten folgte 2020. Jetzt betreut die Bergsicherung Sachsen GmbH aus Schneeberg die Baustelle. "Die Bauarbeiten werden sich bis in den März 2021 hinziehen", sagt Scholz.

Huthaus und Trafostation unter Denkmalschutz

Je nach Art und Lage eines Tagesbruchs sind - etwa in Waldgebieten - gar keine Maßnahmen nötig oder auch sehr komplexe: "Wenn wie beispielsweise in den Unterlagen nichts finden, machen wir den Bruch auf und müssen uns vorantasten." In bebautem Gelände gibt es dazu keine gute Alternative: "Wenn man nichts an so einem Bruch macht, wird der immer größer."

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In unmittelbarer Nachbarschaft des Zinnwalder Tagesbruchs stehen sowohl das Huthaus mit Baujahr 1756 als auch die Trafostation von 1916 unter Denkmalschutz und prägen mit Holzverkleidung und Schieferschindeln das typisch osterzgebirgische Ortsbild von Zinnwald. Ihre Fundamente sollten stabil bleiben: "In Zinnwald werden schon genug historische Gebäude abgerissen", sagt Scholz. Viele davon entstanden mit dem Bergbau.

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