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Trocknet das Hochmoor aus?

Die Trockenheit der letzten Jahre schadet der Vegetation sichtbar. Doch wie sieht es im Georgenfelder Hochmoor aus?

Trockener Altweibersommer im Georgenfelder Hochmoor.
Trockener Altweibersommer im Georgenfelder Hochmoor. © Karl-Ludwig Oberthuer

Es ist immer in gutes Zeichen, wenn die Moorkiefern absterben: "Dann geht es dem Moor gut", sagt Bernd König vom Förderverein für die Natur des Osterzgebirges mit Sitz in Altenberg. Die Kiefern vertragen es nicht, wenn ihre Wurzeln im Wasser stehen. In dem Georgenfelder Hochmoor auf dem Erzgebirgskamm wachsen sie höchstens bis Kniehöhe, umwuchert von den niedrigen Büschen der Preisel-, Heidel- und Moosbeeren: "Moosbeeren sind ein typisches Hochmoor-Gewächs", sagt König. Noch ein gutes Zeichen also. Erst recht, dass sich kleine Lachen im Moos bilden, wenn man vorsichtig hineindrückt. 

Die Torfmoose sind die eigentliche Seele eines Hochmoors. "Sie können das 30-fache ihrer Trockenmasse an Wasser speichern", sagt König. Mit dieser Fähigkeit machen sie die Vegetation des Hochmoors relativ unabhängig von Regenschauern. Natürlich nicht ganz, denn es ist die Haupteigenschaft von Hochmooren, ausschließlich von Regenwasser gespeist zu werden. Das Wasser sammelt sich in Senken. Wenn mehr nachkommt, als verdunsten kann, siedeln sich die Torfmoose an. 

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Auf dem Erzgebirgskamm, an dem sich ständig die feuchte Luft staut und abregnet, sind sie über die Jahrtausende zu einer drei Meter mächtigen Schicht hochgewachsen, während sie nach unten absterben. "Der Regenmangel der letzten Zeit ist ein Negativfaktor für die Entwicklung des Hochmoors. Allerdings sind Hochmoore sehr langsam und langfristig reagierende Systeme, sodass Veränderungen erst über Jahrzehnte zu beobachten sind", schreibt Umweltamt-Abteilungsleiterin Brigit Hertzog vom Landratsamte Sächsische Schweiz-Osterzgebirge dazu.   

Spundwände verhindern den Abfluss des Regenwassers

Eine größere Gefahr als trockene Jahre bildeten die Gräben, die im Laufe der Jahrhunderte das Wasser aus dem Moor ableiten und für den Bergbau nutzbar machen sollten: "Damit wurden die Galgenteiche angelegt", sagt Bernd König. Diese Ableitungen  ließ der Staatsbetrieb Sachsenforst in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde des Landratsamtes Pirna bereits 2013 mit über 100 Spundwänden aus Holz und Metall verschließen. "Sie haben neues Leben in das Georgenfelder Hochmoor gebracht", schreibt Hertzog dazu. 

Seit dem sammelt sich wieder das Wasser in dem großen Moorgebiet, zu dem neben den 12 Hektar auf deutscher Seite noch einmal 1200 Hektar in Tschechien liegen. Seit dem sterben die Kiefern ab, während die Moosbeeren gut tragen und der insektenfressende Sonnentau sich ausbreitet, wie anderswo die Gänseblümchen. Entlang des Rundwegs, der auf Eichenbohlen durch das Georgenfelder Moorterrain führt, lassen sich Smaragdlibellen und Trauermäntel beobachten. Klaus Zeibig, der als Pförtner im Kassenhäuschen seit 20 Jahren die meiste Zeit im Hochmoor verbringt, konnte auch schon eine Birkhenne mit Küken beobachten.

Deutsch-tschechisches Birkhuhn-Projekt

Die lateinische Bezeichnung des Birkhuhns lautet "tetrao tetrix". Einst war es in den Mooren Mitteleuropas weit verbreitet. Inzwischen sind sie sehr selten - außerhalb der Hochgebirge sind sie rund ums Georgenfelder Hochmoor noch am häufigsten. Deshalb bilden sie den Mittelpunkt des deutsch-tschechischen Projektes "Tetraovit", an dem die TU Dresden, das Landratsamt Pirna und der Staatsbetrieb Sachsenforst beteiligt sind. Es sieht vor, die Moorflächen auf dem Erzgebirgskamm zu erhalten. 

Im August und September hat der Fördervereins deshalb Teile des Holzstegs im Moor neu verlegt: "Jetzt sollen im Gebiet des Grenzgrabens neue Grabungen beginnen", sagt Bernd König. "Anfang Oktober sollen dort ebenfalls Spundwände in die Erde kommen." Sie werden das Wasser zur böhmischen Seite zurückhalten. 

Zu den fehlenden Niederschlägen gesellt sich derweil noch ein neues Phänomen: "Früher hat der Nebel hier den Bäumen im Winter einen richtigen Eispanzer verpasst", sagt Klaus Zeibig: "Aber inzwischen ist hier kaum mal ein richtiger Nebeltag." Eigentlich würden die Zweige und Nadeln das Wasser aus dem Nebel "auskämmen" und auch wie Niederschlag wirken. "Aber so viel Feuchtigkeit ist hier nicht mehr in der Luft."  

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