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Wie viel Moderne verträgt das Erzgebirge?

Bei neuen Gebäuden möchten die Zinnwald-Georgenfelder künftig genauer hinschauen. Dafür braucht es eine Vorschrift.

Modernes Wohnhaus neben dem Zinnwalder Huthaus: Man kann es so oder so sehen.
Modernes Wohnhaus neben dem Zinnwalder Huthaus: Man kann es so oder so sehen. © Egbert Kamprath

Zinnwald-Georgenfeld ist, wenn man so will, ein Freilichtmuseum: Seit der Dresdner Maler Erich Buchwald-Zinnwald vor rund 100 Jahren das Dörfchen in stimmungsvollen Holzschnitten verewigte, hat sich wenig an seinem Erscheinungsbild geändert: Die dunklen Dächer tief herabgezogen, das Obergeschoss ebenfalls in verschiedenen grau-grün-braun-Stufen, je nachdem, welchen Anstrich die Holzverkleidung mal bekommen hat. Dazu ein helles Untergeschoss.

Rote Dächer gabs noch nie in Zinnwald

Doch ähnlich wie in Rehefeld sind auch in Zinnwald in den letzten Jahren ein paar Häuser dazugekommen, die aus dem althergebrachten Form- und Farbkanon fallen. "Rote Dächer gibt es hier beispielsweise nicht", sagt Ortsvorsteher Henry Beeckmann. Theoretisch zumindest. Denn inzwischen ist doch eins da, und auch der Einfamilienhaus-Neubau vom Typ "Villa Toskana" unmittelbar hinter dem denkmalgeschütztem Huthaus femdelt auch nach ein paar Jahren noch mit der Umgebung.

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Aber Beeckmann sieht nicht nur das, was vermeintlich nicht passt: "Wir haben hier auch ein paar Beispiele, die sich sehr gut einfügen", sagt er. In der Exulatensiedlung beispielsweise ist ein Haus mit Rücksicht auf das althergebrachte Erscheinungsbild umgebaut worden. "Die haben das sehr geschickt gemacht."

Vorbereitet sein auf neue Bauvorhaben

In Zinnwald sei es derzeit noch schwierig, neue Baugrundstücke auszuweisen: "Nach der Wende war die Befürchtung groß, dass hier wild drauflos gebaut wird", sagt Beeckmann: "Also ist hier fast alles als Außenbereich deklariert." Doch die Nachfrage nach Bauland steige immer mehr.

Deshalb möchten der Ortschaftsrat von Zinnwald-Georgenfeld auf künftige Bauvorhaben vorbereitet sein. "Wir arbeiten gerade an einer Gestaltungssatzung", sagt Henry Beeckmann. Solch eine Satzung gibt beispielsweise ein Farbspektrum für Fassaden vor, nennt die erwünschten und die unerwünschten Dachformen oder auch die Art der Zäune.

Gestaltungssatzung soll nicht zu sehr einschränken

"Bei den Formulierungen in der Satzung muss man aufpassen, dass man nichts zu starr festlegt", sagt Beeckmann. Beispiel Zaun: "Den muss sich ja gar keiner bauen." Aber wer einen will, der sollte eben keine Doppelstabmatten oder Gabionenmauern in Zinnwald-Georgenfeld einführen.

Wenn eine Ortschaft über eine Gestaltungssatzung verfügt, müssen sich zukünftige Bauherren danach richten. Die Satzung ist ein Mittel, beim Ortsbild mitzureden, ohne selbst Bauherr zu sein: "Ohne Satzung dagegen können wir überhaupt nichts unternehmen", sagt Beeckmann.

Vorhaben muss durch Altenberger Stadtrat

Damit das Vorhaben nicht genauso vom Altenberger Stadtrat abgeschmettert wird wie der Versuch des Rehefelder Ortschaftsrats, eine Gestaltungssatzung durchzusetzen, haben sich die Zinnwald-Georgenfelder Hilfe geholt: "Wir haben eine Ansprechpartnerin, die mit der Materie sehr gut vertraut ist", sagt Beeckmann.

Wenn die wichtigsten Eckpfeiler der Satzung stehen, soll sie zuerst einmal in Zinnwald-Georgenfeld zur Diskussion gestellt werden. "Vielen Augen fällt mehr auf als zweien", sagt Beeckmann. Für Hinweise ist er auch jetzt schon dankbar.

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