merken
PLUS Dippoldiswalde

Die neuen Pläne fürs Zinnwalder Huthaus

Seit zehn Jahren steht die geschichtsträchtige Immobilie leer. Jetzt gibt es eine einmalige Idee - und einen Appell an die Einheimischen.

Der Zinnwalder Ortsvorsteher Henry Beeckmann im leerstehenden Obergeschoss des Zinnwalder Huthauses.
Der Zinnwalder Ortsvorsteher Henry Beeckmann im leerstehenden Obergeschoss des Zinnwalder Huthauses. © Egbert Kamprath

Seit zehn Jahren ist das Huthaus in Zinnwald für den Publikumsverkehr geschlossen. Seit die Stadt Altenberg den kleinen Museumsbetrieb wegen Besuchermangels einstellte, arbeiten nur noch eine Alarm- und eine Heizungsanlage im Haus.

Beide konnten nicht verhindern, dass sich das Holzpflaster im Erdgeschoss in den Jahren des Leerstands hob. Im Bereich der alten Schmiede liegen die Holzwürfel in quadratmetergroßen Stellen lose im Sand und bilden Stolperfallen.

UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand

Was ist eigentlich das Unbezahlbarland? Warum ist der Landkreis Görlitz Unbezahlbarland? Hier finden Sie alle Infos.

"Der Boden in der Schmiede ist das erste, was hier dringend neu gemacht werden muss", sagt Henry Beeckmann, der Ortsvorsteher von Zinnwald-Georgenfeld. Sein erklärtes Ziel ist es, das Museum in neuer Form mit einer Schauwetterwarte noch in diesem Jahr zu reaktivieren. Als sichtbares Zeichen der Wiederbelebung soll während der Herbstwoche des Lugsteinhofs der Bergmannsaufzug am Huthaus starten.

Ausstellung zu Hochwasser und Klimawandel

Die neue Ausstellung soll ein anderes Thema haben als damals, als die Gemälde des Künstlers Ewald Schönberg im Obergeschoss untergebracht waren: "Der Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld möchte die Räume gern nutzen", sagte Beeckmann: "Hier hätten sie auch Platz für Vorträge."

"Wir würden dort gern unsere Wetterstation aufbauen, mit all den Messgeräten, die wir früher in der Wetterwarte hatten", sagt Norbert Märcz vom Wetterverein: "In einem Raum möchten wir erklären, welche Wetterverhältnisse zur Hochwasserkatastrophe von 2002 führten." Der Verein habe auch zahlreiche Geräte, die unter freiem Himmel aufgestellt werden könnten: "Unseren Thermohydrograph beispielsweise für die Niederschlagsmessungen oder den Sonnenscheinschreiber."

An diesem Gerät, dessen Kernstück aus einer Glaskugel besteht, die die Sonnenstrahlen bündelt und in Registrierpapier einbrennen lässt, könnten Kinder besonders anschaulich erkennen, was Wetter, Physik und Messungen miteinander zu tun haben. Auch die Klimaerwärmung und ihre Auswirkungen auf das Wetter soll ein raumfüllendes Thema werden: "Schulklassen könnten das gut in ihren Geografieunterricht integrieren."

Für Neueröffnung sind Spenden nötig

Stolpergefahr in der Bergschmiede: Bevor das Zinnwalder Huthaus genutzt werden kann, müssen die Handwerker ran.
Stolpergefahr in der Bergschmiede: Bevor das Zinnwalder Huthaus genutzt werden kann, müssen die Handwerker ran. © Egbert Kamprath

Doch bevor sich der Verein an die Arbeit machen kann, muss das Holzpflaster im Erdgeschoss wieder begehbar sein. "Auch an dem Türmchen und der Elektrik muss noch was gemacht werden", sagt Märcz.

Der Stadtrat von Altenberg hat für das Vorhaben bereits im November 2.000 Euro freigegeben - was natürlich bei Weitem nicht reichen wird. Gleichzeitig ist der Haushalt angespannt wie nie. Nach der fehlenden Kurtaxe- und Gewerbesteuern im Jahr 2020 ist von dort auf lange Zeit kein Geld für die Wiedereröffnung des Huthauses zu erwarten.

Ortsvorsteher Beeckmann hat sich deshalb für einen anderen Weg entschieden. "Ich möchte an die Zinnwald-Georgenfelder appellieren, selbst aktiv zu werden", sagt er. Eine attraktive touristische Infrastruktur nutzt auch den Einwohnern selbst.

Huthaus hat tiefe Wurzeln in der Bergbaugeschichte

Das Huthaus wurzelt tief in der Zinnwalder Geschichte - auch ein Grund, sich für den eigenen Ort zu engagieren. "1756 wurde es als Dorfschmiede und Wohnhaus gebaut", weiß Wolfgang Mende, der in normalen Zeiten Besuchergruppen in den Zinnwalder Bünaustollen führt. Die Gewerkschaft von der "Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald" war es auch, die 1853 die Schmiede erwarb: "Dort wurde dann das Gezähe, also die Arbeitsgeräte, vom Bergschmied hergerichtet."

Dazu kam die Gebetsstube für die protestantischen Bergleute. "Die Glocke im Turm läutete eine Stunde vor Schichtbeginn, um den Bergleuten genug Zeit zu geben, sich vorzubereiten", sagt Mende. "In der Wohnung im Obergeschoss wohnte der Obersteiger Paul Max Thielemann mit seiner Familie."

Tradition in Zinnwald muss gelebt werden

Als Schauwetterwarte könnte das Huthaus in Zinnwald ein attraktives Besucherziel werden.
Als Schauwetterwarte könnte das Huthaus in Zinnwald ein attraktives Besucherziel werden. © Egbert Kamprath
Im kleinen Saal im Obergeschoss hat der Wetterverein Filmvorführungen und Vorträge geplant. Der Raum könnte aber für Hochzeiten und Firmenfeiern angemietet werden.
Im kleinen Saal im Obergeschoss hat der Wetterverein Filmvorführungen und Vorträge geplant. Der Raum könnte aber für Hochzeiten und Firmenfeiern angemietet werden. © Egbert Kamprath

Bis 1924 der Zinnbergbau in Zinnwald eingestellt wurde, hatte das Huthaus diese Funktion. Viele Gegenstände und Mobiliar der Familie und der Schmiede sind nach wie vor erhalten. "Die Schmiede und der Gebetsraum im Untergeschoss sollen bleiben", sagt Beeckmann, "ansonsten soll es hier um die Ort- und Heimatgeschichte von Zinnwald gehen."

Zinnwalder, die dazu noch aussagekräftige Bilder, Gegenstände oder Dokumente haben oder alte Geschichten zum Ort erzählen können, seien herzlich eingeladen, diese beizusteuern: "Tradition besteht nicht nur aus Vergangenheit, sondern muss auch gelebt werden", sagt der Ortsvorsteher. Sein zweites Ziel neben der Neueröffnung ist deshalb: So schnell wie möglich die Spenden beisammen zu haben, um die Fußbodenarbeiten in Auftrag geben zu können.

Spenden für das Huthaus Zinnwald-Georgenfeld als Heimatmuseum und Schauwetterwarte:

Spendenkonto bei der Stadt Altenberg, Ostsächsische Sparkasse,
IBAN DE54850503003010000021, BIC OSDDDE81XXX,
Verwendungszweck Spende Huthaus Zinnwald

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde