merken
PLUS Dippoldiswalde

Wie man eine Sense hält

Die Bergwiesen im Bielatal müssen oft von Hand gemäht werden. Im Heulager der Grünen Liga erklären Profis, wie das richtig geht.

Die meisten Kursteilnehmer wie Annegret aus Glashütte waren schon oft im Heulager und haben Erfahrung mit dem Sensen.
Die meisten Kursteilnehmer wie Annegret aus Glashütte waren schon oft im Heulager und haben Erfahrung mit dem Sensen. © Egbert Kamprath

Warum er für diesen Sensenlehrgang aus Dresden ins Bielatal gefahren ist? "Weil das hier die Sensengurus sind", sagt Uwe. Dabei lacht er nur so viel, dass klar ist: Jörg Lehnert und Norman Döring haben offensichtlich einen exzellenten Ruf in der Szene der Handmäher. Angenehm ruhig, mit einem feinen Klingen fahren die Sensen der Kursteilnehmer durch die hüfthoch gewachsene Wiese unterhalb der Biotoppflegebasis bei Bärenstein.

Blutige Anfänger sind kaum darunter. Die meisten hier haben bereits vor Jahren das Heulager der Grünen Liga Osterzgebirge für sich entdeckt, kommen mal für einen Tag, mal für eine Woche und rücken auch ihren Wiesen zu Hause mit einer Sense zu Leibe: "Ich habe das sicher 40 Jahre lang gemacht", sagt Annegret: "Aber erst im Heulager habe ich es richtig gelernt."

Anzeige
Willkommen zur FLORIAN 2021
Willkommen zur FLORIAN 2021

Die Fachmesse für Feuerwehr, Zivil-und Katastrophenschutz findet in der Messe Dresden vom 7. bis 9. Oktober statt.

Alle wollen ins Heulager

Auf der Dengelbank wird der Dengelamboss festgemacht. Jörg Lehnert (li.) erklärt Uwe Wächtler aus Dresden die Kniffe beim fachgerechten Dengeln des Sensenblattes.
Auf der Dengelbank wird der Dengelamboss festgemacht. Jörg Lehnert (li.) erklärt Uwe Wächtler aus Dresden die Kniffe beim fachgerechten Dengeln des Sensenblattes. © Egbert Kamprath

Dieses Jahr hat die Grüne Liga gar nicht so laut zum 26. Heulager aufgerufen. Mit 30 bis 50 Freiwilligen pro Tag ist es inzwischen an der Kapazitätsgrenze angekommen. "Wir mussten um eine Anmeldung bitten und auch einige abweisen", sagt Organisator Jens Weber. "Die Bereitschaft, was für die Natur zu machen, ist riesig."

An den 16 Tagen werden zwölf Hektar Bergwiesen gemäht, das Gras regelmäßig gewendet, bis es Heu ist, und letztlich zu circa 300 Ballen á 20 Kilogramm gerollt. "Wir geben loses Heu an Pferdehöfe ab oder auch abgepacktes als Kleintierfutter." Das verkauft dann die Dresdner Verbrauchergemeinschaft: "Aber wirtschaftlich funktioniert es nur durch die Arbeit der Freiwilligen."

Sensenlehrgang als Begleitprogramm

Der Sensenlehrgang gehört zum Begleitprogramm des Lagers. Schließlich haben die meisten Menschen im Alltag kaum Berührungspunkte mit Sensen, doch einige Bergwiesen lassen sich nicht anders pflegen. In der Bielataler Übungswiese beispielsweise steht das Wasser in einigen Senken. Andernorts fallen die Wiesen zu steil ab für fahrbare Technik.

Annegret aus Glashütte bevorzugt die Sense vor allem, weil sie so schön still ist: "Auch meine beiden Nachbarn haben ihre Wiesen immer gesenst. Das ist für mich das schönste Sommergeräusch." Kursteilnehmer Herbert schätzt, dass die Sensen mit Dengeln und Wetzen einfach startklar zu machen sind - anders als der Rasentraktor: "Bei dem ist immer irgendwas." Tatsächlich scheint die Wiese auch schneller gemäht zu sein: "Die Bewegung immer nur aus dem Rumpf heraus", gibt Lehnert den Kursteilnehmern mit auf den Weg.

Norman Döring erklärt Saskia 'Wulff das Schärfen der Sense mit dem Wetzstein.
Norman Döring erklärt Saskia 'Wulff das Schärfen der Sense mit dem Wetzstein. © Egbert Kamprath

Sieht leicht aus, ist aber komplexes Handwerk

Doch was sich so leicht anhört, entpuppt sich aber beim Selbstversuch schnell als komplexes Handwerk. Wo die Profis Schwade um Schwade in gleichmäßigen Viertelkreisen hinter sich lassen, sieht der eigene Abschnitt so aus, als hätte gar keiner gemäht - oder jemand das Gras gleich ausgerissen.

Die Sensenspitze kann sich prima im Gras festhaken oder tief in die Erde fahren. Die Schneide kann die Stengel mit Schwung verfehlen. Die Halme können knicken und lassen sich dann gar nicht mehr schneiden. Ist die Sense zu stumpf? Ist der Winkel falsch eingestellt? Liegt's an der Handhabung?

Die Wirkung der Details

Jörg Lehnert wohnt in Stolpen, hat eine eigene Wiese und beschäftigt sich gern mit der Wirkung von Details. So ist er zum Sensenprofi geworden. Beim Kurs beginnt er mit dem Anfang - wo das Sensenblatt geschmiedet wurde. Und noch wird: bei Schröckenfux in Österreich, vielleicht auch noch irgendwo in Polen. "Die aus dem Baumarkt sind gewalzt", sagt er. Deshalb ist ihr Blatt dicker und lässt nur schwer Dengeln.

Dengeln - das wäre beim österreichischen Sensenverein schon ein Extrakurs, für den auch extra gezahlt werden muss. Lehnert und Döring geben ihr Wissen für den guten Zweck weiter: Nichts ist nachhaltiger und wiesenschonender für die Sensenmahd. Einige der Sensen, die sie mitgebracht haben, stammen noch aus DDR-Zeiten, einige sind noch älter.

Wählerisches Pferd frisst nicht jedes Heu

Der Sensenbaum sollte bis in die Gegend zwischen Kinn und Nase reichen, der Sensengriff eine Armlänge tiefer angebracht sein. Die Sensenblätter, zwischen 50 und 80 Zentimeter lang, sind für filigrane (kurzes Blatt) bis großflächige (langes Blatt) Mähaufgaben geeignet. Die Schneide des Sensenblattes sollte ein bis zwei Zentimeter überm Boden stehen, damit sie das Gras nicht rechtwinklig, sondern leicht schräg anschneidet. Und die Spitze hakt sich vor allem dann im Gras fest, wenn sie im Verhältnis zum Schaft zu tief eingestellt ist.

Norbert Döring aus Dresden fährt so beiläufig mit dem Wetzstein über die Sensenschneide, als würde er sein Frühstücksbrötchen schmieren. Nebenbei erzählt er, wie er zum Sensen kam: "Ich wollte das Heu für mein Pferd selbst machen", sagt er. Ein Freund stellte seine Wiese zur Verfügung, im Gegenzug führte ihn Döring ins Sensen ein. Inzwischen sind Kurse daraus geworden - und ein sehr wählerisches Pferd, dass nicht jedes Heu frisst.

Dengeln - die eigentliche Kunst des Schärfens

Entweder mit der Schmalseite des Hammers auf die Breitseite des Amboss schlagen oder andersrum. Es geht darum, die Schneide auf den vorderen zwei, drei Millimetern zu treffen und dünn zu hauen.
Entweder mit der Schmalseite des Hammers auf die Breitseite des Amboss schlagen oder andersrum. Es geht darum, die Schneide auf den vorderen zwei, drei Millimetern zu treffen und dünn zu hauen. © Egbert Kamprath

Jetzt geht es ums Dengeln - die eigentliche Kunst des Schärfens. Grob gesagt wird das Sensenblatt zwischen Hammer und Amboss an der Schneide sehr, sehr platt gehämmert. "Kaltschmieden", sagt Lehnert. Wie immer steckt der Teufel im Detail und auch im Zubehör: Dengelbank, Dengelamboss, Dengelhammer und eine breite Palette an Möglichkeiten, die Schneide entweder uneffektiv zu bearbeiten oder mit einer Scharte zu versehen. Die Kursteilnehmer üben vorsichtshalber an ausgemusterten Sensenblättern. Döhring setzt sich schon mal Ohrenschützer auf. Denn jetzt wird es im Bielatal doch noch mal ohrenbetäubend laut.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde