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Altenbergs Internet ausgebremst

Die Bergstadt baut seit Jahren an der Datenautobahn. Trotzdem lahmt das Netz in manchen Gebieten.

© dpa

Von Mandy Schaks

Altenberg. Die Stadt Altenberg war die erste Kommune im Landkreis, die 2007 auf den Breitbandausbau mit Glasfaserkabel setzte. Sie war sogar eine der Ersten in Sachsen, die dafür Fördermittel beantragte. Und doch haben die Altenberger das Gefühl, immer einen Schritt zu spät zu sein. Das ärgert Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler), und das hat er auch gegenüber der sächsischen Staatsregierung deutlich gemacht, als vor Kurzem offiziell der zweite Bauabschnitt startete.

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Denn die Altenberger können nur so bauen, wie es die Förderrichtlinien zulassen. „Mein Kollege in Dresden zum Beispiel muss keine Eigenanteile aufbringen, da es genug Kunden und keine Versorgungslücken gibt“, sagt er. Die Bergstädter müssen – wie andere Städte und Gemeinden im ländlichen Raum – immer noch in die eigene Tasche greifen, wenn sie ihre Bürger und Unternehmen ins Internet bringen bzw. die Übertragungsraten erhöhen wollen. „Das schmerzt uns“, so Kirsten. Für die zweite Ausbaustufe stehen rund 600 000 Euro zur Verfügung – 150 000 Euro muss Altenberg selbst beisteuern. Dazu ist die Stadt auch bereit, aber sie erreicht ihre Ziele trotzdem nicht immer wie erhofft.

In der ersten Ausbaustufe gab es nur Fördermittel, um Übertragungsraten von wenigstens bis zu zwei Megabit pro Sekunde hinzubekommen. Manche Leute haben Glück, weil sie nah genug am nächsten Verteilerkasten wohnen, und erreichen mehr, zum Teil 50 Megabit. Obgleich die Grundversorgung von zwei Megabit schon vor ein paar Jahren dürftig war, konnte in Kipsdorf zum Beispiel gar nicht investiert werden, weil der Ortsteil zum Teil mit der Leistung etwas darüber lag. Heute in der zweiten Ausbaustufe geht es zumindest schon einmal um 30 bis 50 Megabit pro Sekunde, die dann in einigen Ortsteilen zur Verfügung stehen sollen. Die Altenberger sind aber dahinter gekommen, dass es auch in den schlechter versorgten Gebieten schneller ginge, wenngleich aus finanziellen Gründen Glasfaserkabel nur bis zu den Verteilerkästen und nicht bis in jeden Haushalt verlegt werden kann. Trotz der Kupferkabel, die bis zu den Gebäuden führen und die das Signal mit zunehmender Entfernung dämpfen, lassen sich nämlich höhere Leistungen erreichen. Das Zauberwort heißt Vectoring. Dabei werden die Verteilerkästen so aufgerüstet, dass auch mit den Kupferleitungen bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich sind.

Technisch – das bestätigen Deutsche Telekom, die in Altenberg das Netz ausbaut, und auch Sachsens Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs (SPD) – ist das möglich, auch wenn die Aufrüstung noch mal Geld kosten würde. Aber das darf in Altenberg nicht gemacht werden. Dagegen stehen Vorschriften. „Sie setzen das um, was möglich ist“, sagte Brangs zu Kirsten. „Wir können die Rahmenrichtlinie der EU nicht beeinflussen.“ Diese sieht eine Bindefrist von sieben Jahren vor, weil für den Breitbandausbau schon einmal Fördermittel geflossen sind. Das bedeutet: Altenberg muss bis zum Jahr 2021 warten, weil der erste Bauabschnitt 2014 fertiggestellt wurde. Kirsten versteht das nicht: „In unserer Bauzeit ließ die Förderrichtlinie einen Ausbau bis zwei Megabit pro Sekunde zu, und von daher ist es unverständlich, dass nur wegen bürokratischer Hindernisse diese Anlagen nicht nachgerüstet werden können.“ Er forderte Brangs auf, zu helfen, um die EU umzustimmen. Denn das blockiere die Entwicklung. Brangs wiederum hofft, dass sich die neue Bundesregierung engagiert, damit höhere Bandbreiten gefördert werden.