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Alter Bahnhof wird Schmuckstück

Nach Abrissarbeiten hat nun die Sanierung des Bahnhofs Potschappel begonnen. Dabei wird ein Makel am Haus beseitigt.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Der Lärm des Presslufthammers gibt den Takt des Gesprächs vor. Auf den alten Dielen liegt millimeterdicker Baustaub. Einzelne Wände im Bahnhof Potschappel sind herausgebrochen. Freitals Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz (parteilos) ist sich trotzdem sicher, dass hier einmal ein richtiges Schmuckstück entsteht. „Das wird das Eingangstor für Freital“, sagt er. Nachdem bereits zum Jahresanfang die Abbruch- und Entrümpelungsarbeiten im Bahnhofsgebäude begonnen haben, ist nun im September der scharfe Baustart erfolgt. Mit den Rohbauarbeiten wird der Bahnhof sein Gesicht verändern.

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So soll der Bahnhof Potschappel nach der Sanierung aussehen. Neu sind die beiden modern gestalteten Obergeschosse der Zwischenbauten.
So soll der Bahnhof Potschappel nach der Sanierung aussehen. Neu sind die beiden modern gestalteten Obergeschosse der Zwischenbauten. © Ansicht: Stadt Freital/Ingenieurgemeinschaft Wätzi

Letzter Blick in den Bahnhof vor der Sanierung

Es ist eines der wichtigsten Vorhaben der Stadtverwaltung in der nahen Zukunft. Freital plant, das Haus, das nicht mehr für den Bahnverkehr gebraucht wird und seit zwei Jahren ungenutzt ist, auf Vordermann zu bringen und dort ein Verwaltungszentrum einzurichten. Da im Rathaus die Raumkapazitäten ausgeschöpft sind, will die Stadt auf drei Etagen Platz für Fraktionen und die Verwaltung schaffen – vor allem, wo es Publikumsverkehr gibt. Auch ein Bürgerbüro ist geplant.

Haus bekommt Symmetrie zurück

Im Gebäude werden neue Wände eingezogen, neue Leitungen und Kabel verlegt, ein Fahrstuhl macht künftig das gesamte Haus barrierefrei zugänglich. Der Aufbau des Gerüstes an der Fassade steht nun unmittelbar bevor. Die Arbeiten sollen im Oktober beginnen. Ebenfalls ab Oktober wird eine Nahwärmetrasse vom Rathaus zum Bahnhof gebaut. Anfang November beginnen die Zimmererarbeiten, Mitte November 2017 starten die Dachdecker. Anfang 2019, so der Plan, sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Die Stadt rechnet derzeit mit Kosten von rund vier Millionen Euro. 1,5 Millionen Euro davon werden durch Fördermittel von Bund und Land finanziert.

Besonders auffällig wird die Neugestaltung der beiden Zwischenbauten links und rechts des Bahnhofseingangs. Dort kommen die Dächer weg, sie werden durch ein modernes Geschoss mit begrünten Flachdächern ersetzt. Die Barrierefreiheit und die Erschließung des Hauses über einen zentralen Aufzug sind damit möglich. Das Bahnhofsgebäude bekommt somit außerdem seine ursprüngliche Symmetrie zurück. Nach einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg war der linke Zwischenbau zerstört und in anderer Form wieder aufgebaut worden. Das wird nun korrigiert. Schautz betont, dass alle Arbeiten mit dem Denkmalschutz abgestimmt sind.

Fest steht jetzt auch, wo im Gebäude künftig was zu finden ist. Links im Erdgeschoss entsteht das neue Bürgerbüro. Dort können die Freitaler an einer zentralen Stelle beispielsweise Ausweise beantragen, Formulare abholen oder Anfragen loswerden. Rechts im Erdgeschoss ist ein Mehrzweckbereich mit Sitzungszimmern geplant, der auch für die Stadtteilarbeit und öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann. In der Etage darüber entstehen 40 Arbeitsplätze für die Stadtverwaltung. Welche Abteilungen genau in das Gebäude umziehen, steht noch nicht fest. Unter dem Dach wird Platz für die Fraktionsräume des Stadtrates.

Wie Schautz betont, wird der Platz dringend gebraucht. „Es gibt in der Stadtverwaltung kaum Besprechungsräume“, sagt er. „Manche Geschäftsbereiche sind an verschiedenen Standorten in der Stadt verteilt.“ Mit dem Verwaltungszentrum im Bahnhof Potschappel soll sich das ändern.

Für den Zugverkehr wird das Gebäude seine Funktion weiter erfüllen. So bleibt der Zugang zu den Bahnsteigen durch das Gebäude samt Treppe und Aufzug weiter erhalten. Die Deutsche Bahn ist dafür verantwortlich.

Bahnstrecke muss gesperrt werden

Nur noch teilweise genutzt werden kann künftig jedoch der Keller. In den Mauern steckte noch die Feuchtigkeit des Hochwassers 2002. Weil eine komplette Sanierung zu aufwendig und zu teuer wäre, wurde das Untergeschoss bereits verfüllt. Nur ein kleiner Teil des Kellers wird weiter genutzt – als Raum für die Technik des Hauses.

Wegen der Bauarbeiten am Bahnhof Potschappel wird es Anfang Oktober zu nächtlichen Streckensperrungen bei der Bahn kommen. Der Aufbau des Gerüstes beginnt an der Gleisseite des Gebäudes. Das dicht daran verlaufende Gleis muss gesperrt und die nahe Oberleitung abgeschaltet werden. Um die Behinderungen für den Zugverkehr so gering wie möglich zu halten, finden die Arbeiten nachts statt. Sperrungen gibt es ab 9. Oktober, 23.15 Uhr, bis 10. Oktober, 5.30 Uhr – und in den darauffolgenden drei Nächten zu den gleichen Zeiten. Zugausfälle oder Ersatzverkehr sind nicht vorgesehen.

Die Stadt hatte den Bahnhof 2014 erworben. Zuvor hatte die Deutsche Bahn 2007 ein Gesamtpaket an Bahnhöfen und anderen Gebäuden an einen luxemburgischen Fonds verkauft – darunter das Potschappler Haus. Das brachte aber anscheinend nicht den gewünschten Ertrag, sodass der Fonds es wieder verkaufte. Die Stadt Freital nutzte ihre Chance und konnte das denkmalgeschützte Gebäude für 110 000 Euro in ihr Eigentum holen.

Die Bauarbeiten am Bahnhof sollten eigentlich schon im September 2016 beginnen. Das scheiterte jedoch zunächst an den fehlenden Fördermitteln. Nach Gesprächen mit dem Freistaat fand die Stadt Freital eine Lösung. Freital bekommt nun die Zuschüsse, die von anderen Kommunen nicht beantragt werden.