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Alternative zu Muslimbrüdern

Görlitz schafft, was in Meißen nicht funktioniert und bietet seinen Muslimen über einen seriösen Verein Gebetsräume an.

© dpa

Meißen/Görlitz/Riesa. Muslime haben in Görlitz jetzt einen offiziellen Begegnungsort. Der neu gegründete Verein „Assalam“ („Frieden“) eröffnete mit vielen Gästen, darunter zahlreiche Vertreter der einheimischen Bürgerschaft, sein interkulturelles Zentrum im Gründerzeitquartier an der Bahnhofstraße. „Dies ist keine Moschee“, betonte der Vorsitzende des Vereins Reda Errafi, welcher seit vielen Jahren in Deutschland lebt und in einem großen Görlitzer Unternehmen als Elektroingenieur arbeitet. Das Zentrum soll ein Ort für kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art sein, nicht nur für Muslime. Es steht also Menschen aller Konfessionen und Herkunft, auch nicht religiösen Gästen, offen. Die Räume werden auch für Gebete genutzt, beispielsweise zu den für Muslime verpflichtenden Freitagsgebeten.

Errafi betonte, dass der Verein völlig eigenständig sei und keinem größeren Verbund angehöre. Auch gebe es keinerlei Verbindung zur umstrittenen Gesellschaft Sächsische Begegnungsstätte (SBS). Der aktuelle Bericht des Sächsischen Verfassungsschutzes enthält alarmierende Fakten zu dieser Gruppe. In Sachsen sei mit ihrer Gründung eine Struktur vorhanden, „bei der tatsächlich Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie über Kontakte zur extremistischen Muslimbruderschaft und der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland verfügt“, heißt es darin.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

In Meißen besitzt die SBS seit Anfang 2017 Räume im Gebäude Neugasse 26. Nach Recherchen der SZ gibt es nahezu keine Kontakte zwischen der SBS und der Stadt Meißen. So fehlen zum Beispiel Informationen zur Herkunft der Prediger sowie Besucher und dem im Koranunterricht verwendeten Material.

Yunus Ulusoy vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen hatte in einem Interview mit der SZ die demokratische Verfasstheit der SBS bezweifelt. Es falle auf, dass diese in Form einer Unternehmergesellschaft organisiert sei. Das finde er außergewöhnlich. Bei einer Unternehmergesellschaft bestimmten allein Vorstände. Das unterscheide sie von der sonst üblichen Form eines Vereins, der durch seine Mitglieder kontrolliert werde.

Genau diese Form wurde jetzt für den Betrieb des interkulturellen Zentrums in Görlitz gewählt. Der Verein finanziere sich ausschließlich aus privaten Spenden, öffentliche Mittel gebe es für das Zentrum nicht, so der Vorstandsvorsitzende Reda Errafi. Der Görlitzer Bürgermeister Michael Wieler (Bürger für Görlitz) beglückwünschte den Verein zu diesem Ort und wünschte ihm und den Muslimen in Görlitz vor allem eines – Frieden. (SZ/fs/pa)