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Altersvorsorge mit Magerzins

Lebensversicherungen werden gesetzlich verpflichtet, ihr Geld zusammenzuhalten. Das trifft jetzt die ersten Anleger.

© dpa

Von Friederike Marx

Frankfurt am Main. Die Lebensversicherungen leiden unter den Niedrigzinsen. Das bekommen die Kunden und auch die Aktionäre zu spüren: Das Gesetz zur Reform der Lebensversicherung ist noch nicht einmal in Kraft, doch erste Einschnitte gibt es bereits. Kurz nach der Verabschiedung der Reform durch den Bundesrat gab die Württembergische Lebensversicherung bekannt, dass ihre Aktionäre vorerst keine Dividende bekommen. Dabei erwartet das Unternehmen Gewinne. Zahlreiche weitere Unternehmen werden nach Einschätzung von Branchenexperten und Verbraucherschützern folgen.

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Bis Details bekannt werden, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern. Denn abgesehen von der Württembergischen Leben ist keine der etwa 70 Lebensversicherungs-AGs börsennotiert und zur Veröffentlichung einer solchen Mitteilung gezwungen. Dem Versicherungsexperten Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband wäre es „lieber gewesen, wenn alle zu einer Mitteilung verpflichtet gewesen wären“.

Schließlich ist die Dividendensperre auch ein Hinweis für viele Versicherte: Ihre Beteiligung an den Bewertungsreserven – auch stille Reserven genannt – dürfte deutlich sinken, sobald das Gesetz in Kraft getreten ist. Bisher erhalten ausscheidende Kunden die Hälfte an den stillen Reserven, die durch Kursgewinne entstehen. Das Problem: Die Versicherungen haben noch viele Policen mit einem vergleichsweise hohen Garantiezins im Bestand, nämlich bis zu vier Prozent pro Jahr. Doch so viel bekommen die Assekuranzen für ihre eigenen Geldanlagen immer seltener.

Kündigung kaum kalkulierbar

Die Versicherungen dürfen Bewertungsreserven aus festverzinslichen Papieren künftig nur noch in dem Maße ausschütten, wie Garantiezusagen für die restlichen Versicherten sicher sind. Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata sagt: „Auf festverzinsliche Anlagen gibt es derzeit nichts auszuschütten.“ Das ist eine Entlastung für die Branche. Zugleich tritt die Dividendensperre ein, wenn eine Garantieleistung gefährdet ist. Spätestens im Geschäftsbericht werden die Aktionäre erfahren, ob sie mit einer Ausschüttung rechnen können.

Versicherte dürften mit der jährlichen „Standmitteilung“ informiert werden, wie stark sie noch an den Bewertungsreserven beteiligt werden – mehr oder weniger deutlich formuliert. Die Verbraucherzentrale Sachsen ist der Frage nachgegangen, ob Kunden ihre Lebensversicherung noch rasch kündigen sollten. In den meisten Fällen sei das wegen der unsicheren Rechtslage nicht zu empfehlen, schreiben die Leipziger. Auch wenn Versicherte damit ihre Anteile an Bewertungsreserven retten würden, müssten sie andererseits auf Schlussüberschüsse verzichten. Ob eine Kündigung sich lohne, sei „kaum kalkulierbar“.

Für die Zukunft macht Heermann den Versicherten wenig Hoffnung. Solange die Kapitalmarktzinsen niedrig bleiben, bleibt die Ausschüttung der Bewertungsreserven gesetzlich beschränkt. Zwar gilt das nur für festverzinsliche Papiere, in denen die Versicherungsgesellschaften Geld angelegt haben. Aktien und Immobilien sind ausgenommen, doch sie machen Heermann zufolge im Schnitt nur 10 bis 15 Prozent der Reserven aus.

Sinnvoll für die Gemeinschaft

Heermann sagt, wenn die Marktzinsen steigen, „gehen die Bewertungsreserven runter“. Er spricht von einem „kalten Ausstieg“ aus der 2008 eingeführten Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven auf absehbare Zeit. Doch das sei ökonomisch richtig und „für die Gemeinschaft der Kunden insgesamt auch sinnvoll“.

Aktionäre müssen sich ebenfalls auf magerere Zeiten einstellen; bei nicht börsennotierten AGs sind es meist Groß-Investoren. „Es ist nicht davon auszugehen, dass viele Lebensversicherer auf kürzere Sicht noch Dividenden zahlen“, sagt Christian Badorff von der Ratingagentur Standard & Poor’s. Die Mutterkonzerne der Versicherungen haben sich die Gewinne aber oft per Vertrag gesichert. (dpa, mit SZ)