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Altes Handwerk hautnah erleben

Seilermeister Frank Schäfer aus Bautzen kommt erstmals zum Naturmarkt nach Wartha. Er hat mehr als Stricke dabei.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Wartha/Malschwitz. Ja, er ist zum ersten Mal beim Naturmarkt im Malschwitzer Ortsteil Wartha dabei. Obwohl er schon öfter gefragt wurde. Es hat von der Zeit her immer nicht gepasst. Denn Seilermeister Frank Schäfer ist übers Jahr auf vielen Märkten der Region unterwegs. Am Sonnabend aber wird er mit seiner Seilmaschine, an der sich die Besucher auch einmal selbst ausprobieren können, in Wartha sein. Zum 19. Mal organisieren die Biosphärenreservatsverwaltung, der Förderverein des Biosphärenreservats und der Heimatverein Radiška diesen Markt.

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Die Seilerei Schäfer kann auf eine 126-jährige Geschichte zurückblicken. Das Haus an der Steinstraße, in dessen Hinterhof die einstigen Kohleschuppen oder die Schlosserei jetzt als Lagerraum und Produktionsstätte dienen, ist in Familienbesitz. Der Urgroßvater von Frank Schäfer, Curt Schäfer, gründete die Seilerei. Zu DDR-Zeiten war sie verstaatlicht, der Vater hat sie nach der Wende zurückgenommen. Doch Frank Schäfer hatte zunächst im Straßenbau gearbeitet, bevor er sich nach der Armeezeit doch entschied, Facharbeiter für Textiltechnik zu werden, der auch die Seilerei beinhaltete. Später folgte eine Meisterausbildung. Während sein Vater in Bautzen arbeitete, leitete Frank Schäfer den Betriebsteil Ebersbach des Seilerhandwerks Kamenz. Die Genossenschaft gab es bis 1990. „Da wir in Friedersdorf wohnen, war der Arbeitsweg nicht so weit“, sagt Frank Schäfer. Doch 1990 war hier Schluss. Schäfer arbeitete als Filialleiter und Verkäufer bei einem Teppichbodenhandel, bevor er 2010 nebenberuflich ins elterliche Geschäft einstieg. Erst im vergangenen Jahr dann der Entschluss, gemeinsam mit Ehefrau Gabriele das Geschäft in vierter Generation zu übernehmen. Seitdem hat sich einiges gewandelt, denn Schäfer weiß, dass es neben dem Ladengeschäft vor allem im Internet läuft. „Ein Drittel des Umsatzes schaffe ich hier“, sagt der 55-Jährige. Vor allem die Schaukeln laufen gut. In diesem Jahr hat er bereits 500 verkauft. Aber er stellt auch Fall- oder Kletternetze her. Auch Terrassenumrandungen und Handläufe entstehen in Bautzen. Spezielle Kunden zum Beispiel in Schützenvereinen haben auch besondere Wünsche.

Jeden Donnerstag ist Werkstattrundgang

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Doch Frank Schäfer weiß auch, wie wichtig die Werbung ist. Deshalb bietet er jeden Donnerstag einen Werkstattrundgang an. Die Besucher erfahren viele Details über das alte Handwerk, lernen den Unterschied zwischen Natur- und Kunstfaser kennen und staunen, wenn sich ein Seil beim Drehen um ein Drittel verkürzt. „So kommen die Leute in den Laden über die Werkstatt zurück in den Laden“, erklärt er seine Strategie. Und reden, ja das kann er. „Habe ich doch als Verkäufer gelernt“, schmunzelt Frank Schäfer. Und so wird er am Sonnabend sicher auch mit den Besuchern des Marktes ins Gespräch kommen. Und sei es mit einem alten Seilerspruch: „Verlässt euch mal der Lebensmut, in meinen Seilen hängt ihr gut.“ Na ja, heute schreibt er hinter die Seile in Klammern noch das Wort Schaukeln. „Da wirkt es nicht so krass“, lacht er. Immerhin konnte Schäfer dem sächsischen Landwirtschaftsminister im vergangenen Jahr zeigen, wie man (sich) einen Strick dreht. „Leider kam ich nicht bis zur Pointe. Der Minister musste weg, bevor der Strick fertig war“, sagt Frank Schäfer. – Das Sortiment für den Markt und der dafür passende Stand stehen in Kisten verpackt schon im Flur. Von jedem etwas aus dem Sortiment bringt er mit. Seilerwaren, textile Seile, Bindfäden, Schaukeln für Erwachsene, Leinen für Tiere sowie hochwertige Bürsten und Besen aus Naturmaterialien sind dabei. „Ich muss nichts anbieten, was es in jedem Baumarkt gibt“, sagt Frank Schäfer. Seine Qualität kostet eben auch ein bisschen mehr.