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Altreifen landen öfter im Grünen

In sechs Monaten hat das Team des Bauhofes 96 illegal entsorgte Autoreifen aufgelesen. Die Umweltbehörde ist eingeschaltet.

© Dietmar Thomas/Archiv

Von Heike Heisig

Roßwein. Dass die Mitarbeiter des Bauhofes die Stadt in Ordnung halten, das finden sie in Ordnung. Das ist schließlich ihr Job. Doch inzwischen räumen sie den Leuten zunehmend illegal entsorgten Müll hinterher. Das ist nicht nur unschön für die Männer und Frauen, sondern auch kostspielig für die Gemeindekasse. Mit detaillierten Entsorgungskosten kann Bauhofchefin Monika Weigel zwar nicht aufwarten. Doch andere Zahlen hat sie parat.

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llegal ist aber auch die Entsorgung von Hausmüll in öffentlichen Papierkörben. Das nimmt in Roßwein überhand.
llegal ist aber auch die Entsorgung von Hausmüll in öffentlichen Papierkörben. Das nimmt in Roßwein überhand. © Dietmar Thomas/Archiv

Insgesamt findet die Bauhofleiterin, dass die Roßweiner und Leute, die durch die Orte fahren, immer mehr Müll hinterlassen. So sind vorige Woche mehrere Arbeiter unterwegs gewesen, die zwischen der B 175 (Döbeln) auf der Strecke Naußlitz und Haßlau bis Roßwein Müll aufgesammelt haben, der im Straßengraben geladen ist. „Sage und schreibe 20 Müllsäcke haben sie auf diesem Stück gefüllt“, sagt Monika Weigel. Von Niederstriegis bis Grunau seien es acht Säcke gewesen. Immer wieder hätten die Helfer auch Dinge aufgelesen, die niemand finden will – volle Windeln zum Beispiel. „Das ist sehr unangenehm.“

Horror vor neuer Wechselsaison

Noch mehr ärgert sich die Chefin des Baubetriebshofes allerdings über einen Trend bei der illegalen Müllentsorgung, der ihr mehr als gegen den Strich geht: Altreifen, die in der Natur landen. Mit Grauen sieht Monika Weigel den nächsten Tagen und Wochen entgegen, an denen die meisten Kraftfahrer ihre Winter- gegen Sommerreifen tauschen. Gut möglich, dass ein Teil der Reifen, deren Profil abgefahren ist, dann wieder am Weg- und Waldesrand landen. „Allein im letzten halben Jahr haben wir 85 Autoreifen ohne Felgen und elf mit Felgen in Roßwein und den Ortsteilen aufgelesen“, entnimmt Monika Weigel ihrer internen Statistik. Doch das ist noch nicht alles. Auch 14 Fahrradreifen und zwei Reifen von Schubkarren fischten die Bauhofmitarbeiter aus dem Straßengraben oder lasen diese unter Brücken auf.

Strafen sind schon empfindlich

„So kann es nicht weitergehen“, findet die Leiterin des Baubetriebshofes. Ihr schwebt vor, mit der Umweltbehörde des Landkreises eine Lösung zu finden. Denn eigentlich müsse die sich um das Altreifenproblem kümmern und die Sünder – sofern sie ermittelbar sind – zur Rechenschaft ziehen. Billig wird das nicht. Wer sich bis zu fünf Altreifen illegal entledigt, kann laut sächsischem Bußgeldkatalog mit einer Strafe zwischen 70 und 250 Euro rechnen. Wer noch mehr Reifen in die Landschaft wirft, für den wird es bis zu 3 000 Euro teuer.

„Bisher kommt die Stadt Roßwein für die Entsorgung der Altreifen auf, die der Bauhof aufgelesen hat“, erklärt Monika Weigel. „Wir nehmen dann Kontakt zu einem Reifendienst auf und versuchen einen guten Preis auszuhandeln, um die Stadtkasse zu schonen.“ Letztlich müssten allerdings alle Roßweiner diese zusätzlichen Entsorgungskosten zahlen.

Genau so verhält es sich bei einem anderen Mülltrend, den die Mitarbeiter des Bauhofes beobachten. Wie schon aus Waldheim und Hartha berichtet, landet nun auch in Roßwein immer mehr Hausmüll in den Papierkörben im Stadtgebiet. Damit wollen Privatpersonen vermutlich das Aufkommen in ihrer eigenen Tonne klein halten und so Gebühren sparen. Zwei Mal in der Woche fahren die Mitarbeiter des Bauhofes jeden einzelnen Papierkorbstandort in der Stadt selbst und in den Ortsteilen an. Inzwischen scheint dieser Turnus fast nicht mehr auszureichen. Sehr oft quellen die Körbe schon über, wenn die Mitarbeiter sie das nächste Mal ansteuern.

„Ungefähr 2,5 Kubikmeter Müll kommen bei einer Tour durchaus zusammen“, sagt Monika Weigel. Die Papierkörbe öfter zu leeren, kommt für sie nicht infrage. Das schaffen die Mitarbeiter des Bauhofes einfach nicht. Nur acht Leute kann Monika Weigel für die verschiedenen Aufgaben einteilen: Reparaturen, Grünpflege, Winterdienst, Verkehrsschilder aufstellen, marode Häuser sichern und Fußgänger vor herabfallen Teilen schützen, eine Mauer dort instandsetzen, Spielplätze in Ordnung halten und tausend andere Dinge mehr.

Keine zusätzlichen Helfer in Sicht

Mit zusätzlichen, staatlichen geförderten Helfern wie sogenannten 1-Euro-Jobbern rechnet die Roßweiner Bauhofchefin nicht. Zumindest zeichnet sich keine solche Entlastung ab. Das sagte sie am Rande der Ortsteilbegehung in Gleisberg, als es um zusätzliche

Wünsche seitens der Einwohner ging. In diesem Fall war es ein Geländer um eine Grünfläche. Das braucht dringend einen neuen Farbanstrich.