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Altwerden in eigenen vier Wänden

Mit dem „Fellbacher Bogen“ geht die Wohnungsgesellschaft Seeg neue Wege – gestern eröffnete damit ihr erstes Projekt mit betreutem Wohnen.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. In der Stadt hat sich etwas in Sachen betreutes Wohnen getan, sagt Klaus Hennig. Damit meint der in Meißen geborene 78-Jährige, der lange als Lehrer in Coswig gearbeitet hat, die Stadt im Allgemeinen und sich selbst und seine Frau Eveline im Besonderen. Denn die beiden Rentner ziehen derzeit in das neue Seeg-Wohnprojekt „Fellbacher Bogen“, das gestern offiziell eröffnet worden ist. „Wir haben noch nicht hier geschlafen, aber derzeit wird die Wohnung eingeräumt, ab Freitag sind wir offizielle Mieter hier.“

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Die Hennigs beziehen eine der insgesamt 38 barrierearmen Wohnungen, die zwischen 31 und 68 m² groß sind. Außerdem gibt es im „Fellbacher Bogen“ noch fünf Wohnungen, die speziell an die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern angepasst sind. Davon sind nur noch zwei zu haben. Seeg-Geschäftsführerin Birgit Richter ist zufrieden damit, wie das neue Wohnprojekt angenommen wird. „Noch vor zwei Jahren hatten wir hier 50 Prozent Leerstand, obwohl die Fenster und die Fassaden schon erneuert worden waren.“ Jetzt sind bereits 23 Wohnungen vermietet, noch 15 sind derzeit zu haben.

Neuen Betreuungsvertrag abschließen

Es gehe darum, „Altwerden in den eignen vier Wänden zu ermöglichen“, dazu müssten die neuen Mieter zwingend einen Betreuungsvertrag abschließen. Birgit Richter weiß, dass es Rentner gibt, die sich neben der Kalt- und der Warmmiete den Betreuungsvertrag nicht leisten könnten, „da scheitert es an den Finanzen“. Zwar würde Wohngeld gezahlt, nicht aber das Betreuungsgeld, „das ist ein echtes Problem“. Die Kaltmietpreise liegen je nach Wohnung zwischen 6,75 und 6,85 Euro. Die Betreuungspauschale beträgt für eine Einzelperson 75 Euro pro Monat, für zwei Personen 120 Euro.

Mit dem „Fellbacher Bogen“ beschreitet die Seeg neue Wege, ihren Bestand an Plattenbauwohnungen so zu vermarkten, dass er zukunftsfähig wird. So verfügt das Wohnprojekt über einen großen Gemeinschaftsraum und die meisten Wohnungen über riesige neue Balkone – in der warmen Jahreszeit quasi ein zusätzliches Zimmer an der frischen Luft.

2013 ging der Architektenwettbewerb über die Bühne, 2014 wurde geplant und 2015 gebaut. Insgesamt seien zwölf Kilometer neue Elektroleitungen verlegt worden und acht Kilometer Fugen verfugt worden. Das Besondere an der Anlage: Alle drei Häuser werden über einen Fahrstuhlschacht erschlossen. Das hält die Kosten im Rahmen sowohl bei der Seeg als auch bei den Mietern, die den Aufzug ja anteilig über ihre Betriebskosten finanzieren müssen. Außerdem befördert ein gemeinsamer Lift die Kommunikation, weil sich an und in ihm die Mieter treffen.

Gemeinschaftsraum für Treffen und Feiern

Überhaupt liegt der Seeg viel an Kommunikation. So lässt sich der Gemeinschaftsraum für Treffen und Feiern nutzen. Und Oberbürgermeister Olaf Raschke erklärte, „wir wollen die älteren Menschen nicht am Stadtrand unterbringen, sondern mitten im Leben. Wichtig ist auch der Service für das neue Wohnprojekt. Friseur und Kosmetik können vor Ort genutzt werden, dazu ein Mehrzweckraum mit Infrarotkabine. Die Stiftung Soziale Projekte Meißen wird die Betreuung der Mieter im „Fellbacher Bogen“ übernehmen. Dazu gehört etwa auch, dass nach dem Rechten gesehen und die Blumen gegossen werden, wenn Mieter einmal im Urlaub oder Krankenhaus sind. Darüber hinaus können Wahlleistungen gebucht werden wie die Essenlieferung, ein Fahrservice oder die Wohnungsreinigung.

Klaus Hennig und seine Frau Eveline beziehen eine Zweiraumwohnung im sechsten Stock. „Die Wohnung ist Spitze, wir haben einen riesigen Balkon. Von dort aus können wir sogar die Albrechtsburg sehen.“ Wie sagte doch die Seeg-Chefin: „Ein langes Leben soll Glück, nicht Last sein.“