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Die Erdbeerernte startet

Die Aussichten in Gelenau und Kaschwitz sind gut. Doch der Mindestlohn schlägt zu Buche. Beim Preis.

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© René Plaul

Reiner Hanke & Ingolf Reinsch

Ein milder Wind pfeift durch die schier unendlichen Erdbeerreihen in Gelenau vor den Toren von Kamenz. Die Pflanzen recken sich nach den warmen Sonnenstrahlen, die endlich vom Himmel fluten. Lange genug ließen sie auf sich warten. Die Mitarbeiter der Agrarproduktivgenossenschaft Lückersdorf/Gelenau sind zwischen den Reihen mit den Unkrautstechern unterwegs. Damit die Pflanzen Luft zum Wachsen bekommen. Auf den ersten Blick sind viele Beeren noch grün. Doch das täuscht. Josef Bosch hebt vorsichtig die Blätter einer Pflanze und gibt den Blick auf stattliche rote Früchte der Sorte Clery frei. Das ist Qualität. Diese und die Sorte Gustine reifen zuerst. Trotz der anhaltend kühlen Witterung in letzter Zeit, so sind sich die Mitarbeiter einig, liege die Reife im Limit und sei nicht spät dran.

Jetzt wird Regen gebraucht

Die Vegetationsphase habe dieses Jahr frühzeitig begonnen, so Matthias Frenzel, der Vorstandsvorsitzende. Und im trockenen Mai konnten die Beeren weiter reifen. Er weiß aber auch, was neben Sonne jetzt ganz besonders gebraucht wird: „Regen!“ Die anhaltende Trockenheit seit dem Jahresanfang hätte sich zu einem ansehnlichen Defizit von 100 Litern auf den Quadratmeter aufgestaut. Vom Niederschlag sei es nun abhängig, ob es eine gute Ernte auf den sechs Hektar Acker mit Erdbeeren wird. Fest steht aber: Am Freitag soll die Ernte beginnen.

Begonnen hat die Ernte bereits in Kaschwitz und in Großnaundorf. Die Ernteaussichten seien gut in diesem Jahr, heißt es, ebenso wie die Qualität der Beeren. Die viele Sonne im Frühjahr sorge für süße Früchte. Ein kleines Manko ist auch hier der wenige Regen. Dadurch sind die Beeren auf seiner Plantage in Bischofwerda etwas kleiner als in anderen Jahren, so Christian Bock, der auch die Erdbeerfelder bei Kaschwitz und Großnaundorf bewirtschaftet. Im Unterschied zur Bischofswerdaer Plantage gibt es dort aber Brunnen, wodurch die Pflanzen bewässert werden können. Außerdem reifen dort die frühen Sorten unter Folie, sodass die Ernte früher beginnen kann. Früher als in Gelenau zum Beispiel, wo die gesamte Ernte unter freiem Himmel reift.

Auch wer selbst pflückt, zahlt etwas mehr

Hier darf gepflückt werden

Gelenau: Die Erdbeeroase befindet sich in Gelenau zwischen Kamenz und Gersdorf an der S95. Geöffnet ist Montag bis Sonnabend, 6 bis 18 Uhr. Es wird informiert, wenn reifebedingt auch sonntags gepflückt werden kann.

Großnaundorf: zwischen Großnaundorf und Oberlichtenau; täglich 7 bis 19Uhr – wetterbedingte Einschränkungen sind möglich;

Kaschwitz: zwischen Säuritz und Panschwitz-Kuckau; täglich 6 -19 Uhr.

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Was die Anbieter eint, sind Veränderungen bei den Preisen. Für frische Erdbeeren müssen die Kunden diesmal mehr bezahlen als in vergangenen Jahren. Hintergrund sei der Mindestlohn für die Mitarbeiter, so Matthias Frenzel. Er gehe aber von einer minimalen Steigerung im Kilopreis aus. Wie der sich genau gestalten werde, könne er noch nicht sagen, so die Auskunft gestern. Branchenkollege Christian Bock steht vor ähnlichen Problemen: „Wir müssen auch unseren Saisonkräften jetzt den Mindestlohn zahlen. Dadurch steigen natürlich die Preise“, sagt er. Wer selbst pflückt, zahlt auf seinen Erdbeerfeldern in diesem Jahr 2,50 Euro fürs Kilo, 50 Cent mehr als im vergangenen Jahr. Ein 2,5 Kilo-Korb gepflückter Erdbeeren kostet 13 Euro; im vergangenen Jahr waren es zehn Euro. Im Obstbaubetrieb Wahode (Demitz-Thumitz) sind es 12,50 Euro. Selbstpflücker zahlen ebenfalls 2,50 Euro pro Kilogramm.

Frische Beeren bis Ende Juli

Sachsenweit werden auf 356 Hektar Erdbeeren angebaut, teilt der Landesverband „Sächsisches Obst“ mit. Auf rund 175 Hektar können die Verbraucher die süßen Früchtchen selber ernten. Die Erdbeere gilt als die Königin der Früchte und ist nach dem Apfel die beliebteste Frucht bei Jung und Alt. Die wichtigste Sorte ist die mittelfrühe, hellrote Elsanta, die fast die Hälfte der sächsischen Produktion ausmacht.

Gelenau hat sich auf andere Sorten spezialisiert, fünf in diesem Jahr. Ab Mitte Juni sind unter anderem Asia und Malling Centenary reif zum Pflücken. Die Asia zum Beispiel bringt besonders große Früchte hervor. Geerntet wird sogar bis weit in die Ferien hinein. Denn im Frühjahr wurden bereits 55 000 junge Pflanzen in die Erde gebracht. Die blühen jetzt und sollen uns noch bis Ende Juli mit frischen Erdbeeren versorgen.