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Am Gymnasium geht es um Gewalt

Die Zehntklässler sprechen mit den jüngeren Mitschülern über Aggressionen. Denn manchem Sechstklässer fehlt der Respekt.

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© André Braun

Von Cathrin Reichelt

Hartha. Julia hat den Vergleich. Vor fünf Jahren saß sie selbst als Neuling am Martin-Luther-Gymnasium den Zehntklässlern gegenüber. Die erzählten den Jüngeren etwas über Gewalt, wie sie mit ihr umgehen sollten und wie sie vermeidbar ist. Jetzt gehört Julia zu den Großen und meint: „Wir hatten damals mehr Respekt vor den Älteren. Der hat abgenommen.“ Das bestätigt auch Therese. Es komme nicht selten vor, dass die Jüngeren regelrecht frech reagieren, wenn die Zehntklässlerin sie auf ein falsches Verhalten hinweisen. Damit meint sie zum Beispiel das permanente Drücken des Öffnungsknopfes im Bus, auch wenn niemand aussteigen will, oder das Schubsen auf dem Schulhof. Teilweise sei auch die Sprache erschreckend, die für manchen Fünft- und Sechstklässler selbstverständlich zu sein scheint.

Gleichzeitig seien die Kleineren aber auch offener geworden, sagt Julia. Hätte sie sich früher nur sehr zögerlich und gemeinsam mit einer Freundin getraut, ältere Schüler oder einen Lehrer anzusprechen, kämen die Kleineren heute ganz ungezwungen auf die Großen zu, wenn sie ein Problem haben.

Julia und Therese gehören zu den Zehntklässlern, die sich an der Gewaltprävention des Gymnasiums beteiligen. Sie sprechen mit den Jüngeren über die Unterschiede zwischen Mobbing und körperlicher Gewalt und deren Auswirkungen. Aber auch darüber, wie sich die Mädchen und Jungen dagegen wehren können. „Am wichtigsten ist es, dass ihr die Menschen so respektiert, wie sie sind“, sagt Julia. So komme manche Aggression erst gar nicht auf.

An sechs Stationen setzen sich rund 70  Sechstklässler mit dem Thema Gewalt in der Familie, im Alltag und in den Medien auseinander. Ihre älteren Mitschüler haben sich darauf in vier Ethikstunden vorbereitet. „Ich hatte richtige Bauchschmerzen. Aber nach dem Projekt werde ich mich vor den Zehntklässlern verneigen“, sagt Christine Riedel. Die Lehrerin ist begeistert von der Art, wie sie mit den Sechstklässler um gehen. Die wiederum freuen sich über die jugendliche Frische des Unterrichts. Ziel ist es, dass die Schüler mehr Verständnis füreinander entwickeln und im Alltag besser aufeinander achten. Das funktioniert schon während des Projektes. Therese und Maxi ist ein zierliches Mädchen aufgefallen, das beim Thema Mobbing und Depressionen fast verängstigt wirkte. Mit ihr wird die Lehrerin nach dem Projekt reden.