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Am Rande der Rezession

Die Verunsicherung unter deutschen Firmen ist groß. Denn immer noch sind die letzten Details der Sanktionen nicht bekannt, die die EU nun gegen Russland beschlossen hat.

© dpa

Von Thomas Kaufner

Die Verunsicherung unter deutschen Firmen ist groß. Denn immer noch sind die letzten Details der Sanktionen nicht bekannt, die die EU gestern gegen Russland beschlossen hat. Damit bleibt offen, welche Konsequenzen hiesige Unternehmen im Einzelnen erwarten müssen. Fest steht nur: Schon jetzt hat die Ukraine-Krise und die Reaktion des Westens Russlands Wirtschaft heftig gebremst – und das in einer ohnehin kritischen Zeit. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Wie trifft die EU mit ihren Sanktionen Russland?

Durchaus an einer empfindlichen Stelle. Neben einem Verbot von künftigen Rüstungslieferungen soll es ein Exportverbot für bestimmte Hochtechnologiegüter an das russische Militär geben, außerdem Ausfuhrverbote für Spezialtechnik zur Ölförderung. Weil Russlands Wirtschaftsmodell bislang ganz entscheidend auf der Gewinnung und dem Export von Energie beruht, müsste sich das Land nach Alternativen bei Lieferanten umsehen. Schmerzen könnte Moskau aber vor allem, dass der Zugang zum europäischen Kapitalmarkt erschwert werden soll. So wird russischen Banken der Handel mit Anleihen in der EU verboten, was die Kosten für die Finanzierung der angeschlagenen russischen Wirtschaft noch einmal erhöht.

Verfügt Russland nicht über genügend finanzielle Reserven?

Bislang schon: Das stürmische Wachstum der Vergangenheit beruhte auf sprudelnden Energieexporten und steigenden Preisen für Energie. Dieser Trend hat sich aber nicht ungebremst fortgesetzt. Das Wachstum wird langsamer, mit entsprechenden Folgen für die Deviseneinnahmen. Devisenreserven schrumpfen, der Rubel gerät unter Druck. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, sagen Volkswirte.

Kann Russland sich nicht frisches Kapital beschaffen?

Der russische Staat hat wachsende Probleme, Kapital aufzunehmen. Der Zinssatz für russische Staatsanleihen ist zuletzt auf bis zu 9,4 Prozent gestiegen. Die Schuldenaufnahme wird also immer teurer für den russischen Staat. Geplante Verkäufe von Staatsanleihen wurden vor diesem Hintergrund schon mehrfach abgesagt.

Aber Russland gehört doch zu den Riesen der Weltwirtschaft?

Schon. Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Aber die „goldenen Jahre“ mit Wachstumsraten von bis zu acht Prozent sind schon lange vorbei. Russland droht eine Rezession – mit entsprechenden Folgen auch für seine Handelspartner.

Wie sehen die Folgen aus?

Russland hatte 2013 Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Damit steht das Land zwar nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden. Einzelne Branchen könnten aber deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft. Für die deutsche Schlüsselbranche Maschinenbau ist Russland der viertgrößte Exportpartner, und Maschinenbauer verbuchen schon jetzt rückläufige Russland-Exporte.

Wie geht es nun weiter?

Das ist so lange offen, wie es keine Listen gibt, welche Produkte und Firmen genau von Handelsbeschränkungen betroffen sind. Unklar ist auch, ob Beschränkungen für bereits laufende Geschäfte gelten oder nur für neue Aufträge. (dpa)