merken

Ambulante Chirurgie am St. Carolus-Krankenhaus eröffnet

Im neuen Medizinischen Versorgungszentrum in Görlitz arbeiten drei Ärzte abwechselnd. Perspektivisch soll noch ein Hausarzt dazukommen – und gern auch ein Internist.

© Pawel Sosnowski

Von Daniela Pfeiffer

Sächsische.de zum Hören!

Zu Hause, unterwegs, in der Pause – Sächsische.de kann man nicht nur lesen, sondern auch immer und überall hören. Hier befinden sich unsere Podcasts.

Görlitz. Die Premiere lief gut. Ein paar Verbesserungsmöglichkeiten hätten sich zwar aufgetan, aber alles Kleinigkeiten, zog Nils Walther gestern Bilanz des ersten MVZ-Tages am St. Carolus-Krankenhaus. Gut vier Jahre nach Schließung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im City-Center haben die Malteser seit gestern wieder ein solches. Es liegt direkt im St. Carolus-Krankenhaus. Patienten müssen nicht lange suchen: Zum Haupteingang rein und gleich rechts abbiegen, da, wo einst die Station 1 war. In den letzten Jahren waren hier Aufenthaltsräume für Ärzte, die jetzt innerhalb des Hauses verlagert wurden.

Damit die Idee von Nils Walther Wirklichkeit werden konnte. Der 51-Jährige ist im St. Carolus-Krankenhaus Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Chirurgie. Bei einer Geburtstagsfeier erzählte ihm sein niedergelassener Kollege, Chirurg Wolfgang Kinscher, vor einigen Monaten, dass er keinen Nachfolger für seinen Praxissitz in Holtendorf finde. Nicht eine einzige Bewerbung habe es gegeben. Ohne die Lösung, die jetzt gefunden wurde, wäre der Sitz an die Kassenärztliche Vereinigung (KVS) zurück gefallen. Einen neuen Sitz hätte es nicht gegeben, weil laut KVS in Görlitz Überversorgung besteht. Tatsächlich aber wäre doch eine beachtliche Versorgungslücke entstanden, zumindest viele Patienten von Dr. Kinscher hätten erstmal in der Luft gehangen. Nils Walther überlegte, wie das zu verhindern sei und kam auf die Idee, ein MVZ zu gründen – eine ambulante Praxis im Krankenhaus. Er überzeugte Malteser- Sachsen-Brandenburg-Geschäftsführer Florian Rupp und dann ging alles sehr schnell. Im Dezember kam die Zulassung von der KV, gute zwei Monate später schon die Eröffnung. Dr. Walther nennt das sportlich.

Immerhin wurden in dieser Zeit rund 100 000 Euro in die Hand genommen, um das MVZ zu gestalten. Das verfügt über zwei Wartebereiche, Anmeldung, zwei Sprechzimmer, zwei OP-Säle. Und immerhin drei Ärzte. Denn Nils Walther und seine Kolleginnen von der Chirurgie, Christine Krause und Lucie Strupova, teilen sich den Sitz. Christine Krause übernimmt gleichzeitig die Leitung des MVZ. So kommt es zu einer ungewöhnlichen Chef-Konstellation. Während Nils Walther eigentlich ihr Chef ist, wird sie nun an einem Tag in der Woche zu seinem. Nämlich montags, wenn Dr. Walther seinen Sprechtag im MVZ hat. „Das Ambulante ist auch für mich eine neue Erfahrung“, sagte er gestern an seinem ersten Tag. Seit sechs Jahren ist er inzwischen am St. Carolus-Krankenhaus, arbeitete davor im Städtischen Klinikum. Er sieht Vor- und Nachteile in der neuen Tätigkeit: „Es ist natürlich zusätzliche Arbeit, andererseits kann ich Patienten, die ich operiert und stationär behandelt habe, jetzt gut nachbetreuen.“

Neu ist die Situation auch für die Damen in der Anmeldung: Katharina Altmann und Carolin Weckwerth kommen beide aus der Praxis von Dr. Kinscher. „Ich war dort 22 Jahre“, sagt Katharina Altmann. Seit 1. Januar ist sie nun am neuen Arbeitsplatz und „froh, den Schritt gemacht zu haben.“ Zum Start gestern standen noch EDV-Profis zur Seite, denn das Bestellsystem läuft über ein anderes Programm als bei Dr. Kinscher. „Wir haben den Patienten erklärt, dass es der erste Tag ist und alles noch etwas dauern kann“, sagt Katharina Altmann. Verständnis und Freude über die neue Anlaufstelle habe bei den Patienten überwogen. Zehn waren regulär bestellt, ein paar Unbestellte kamen auch schon. Sobald sich herumgesprochen hat, dass das MVZ jetzt offen hat, werden es wohl richtig viele werden, glauben sowohl die Schwestern als auch Arzt Nils Walther. Auch eine Erweiterung ist geplant. Ein Allgemeinmediziner soll das MVZ ergänzen. Ihn zu finden, wird nicht leicht, fürchtet Nils Walther. Außerdem wäre man froh, wenn sich zudem ein Internist fände. „Wir würden auch ausbilden“, so Walther.