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Amerika rechnet mit Schweizer Banken ab

Die Credit Suisse muss für Beihilfe beim Steuerhinterziehen eine Rekordstrafe zahlen. Bald trifft es auch andere Banken.

Von Thomas Burmeister

Zürich. Es war wie bei den drei Affen. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Milliarden haben Schweizer Banken mit diesem Geschäftsmodell an reichen Deutschen, Amerikanern, Briten und anderen Ausländern verdient. Sie wähnten in der Eidgenossenschaft einen sicheren Hafen für ihr Schwarzgeld. Doch der fast naive Glaube an den ewigen Bestand des Schweizer Bankgeheimnisses kommt nicht nur viele ertappte Bankkunden, sondern auch Geldinstitute teuer zu stehen. 2,6 Milliarden Dollar überweist nun die Großbank Credit Suisse (CS), um ihren Steuerstreit in den USA beizulegen.

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Es ist die höchste Strafe, die in den USA je einer Firma für steuerrechtliche Vergehen aufgebrummt wurde. Für die zweitgrößte Schweizer Bank entspricht die Summe zwar nur einem geringen einstelligen Prozentsatz des Gesamtkapitals. Dennoch ist der Deal von existenzieller Bedeutung. Die Alternative wäre der Ausschluss vom US-Finanzmarkt gewesen. Ein Entzug der US-Lizenz wäre laut Branchenexperten der Anfang vom Ende jeder global agierenden Bank.

Mit dieser Drohung hat das US-Justizministerium eine Bazooka im Anschlag, der kein Schweizer Bankenpanzer gewachsen ist. Spätestens 2009 ist das den Eidgenossen bewusst geworden: Damals rettete die größte Schweizer Bank, die UBS, ihre US-Lizenz durch einen Vergleich, der sie 780 Millionen Dollar kostete. Dass die Strafe für die CS deutlich höher ausfällt, erklärt deren Chef Brady Dougan mit der Weigerung, Daten von Kunden herauszugeben. Die UBS hatte das mit Zustimmung der Regierung in Bern getan, die eine Gefährdung des Finanzstandortes Schweiz befürchtete.

So gut wie keines der rund 300 Schweizer Geldhäuser bleibt vom Steuerstreit mit den USA gänzlich unberührt. Nach einem im Herbst 2013 erzielten grundsätzlichen Deal zwischen Bern und Washington können die meisten zwar durch Offenlegungen ihre Geschäftsdaten vor Strafverfolgung schützen – sofern keine schwerwiegenden Verstöße gegen US-Gesetze offenbar werden. Doch eine Reihe von Banken muss wie die CS mit hohen Bußen rechnen. (dpa)