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Amtsleiter sieht Ehrenamtliche als Sicherheitsrisiko

Nach dem Rausschmiss fordert Löbaus Stadtkämmerer den Museumsverein auf, sich ein neues Domizil zu suchen.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

Rausschmiss! Anders vermag Michael Bachin es nicht zu bezeichnen, wie die Löbauer Stadtspitze mit ihm umgegangen ist. Bachin ist Vorsitzender des Museums- und Geschichtsvereins Löbau. Seit Jahren unterstützt der Verein die Ausstellungen und Aktivitäten des Löbauer Stadtmuseums. Doch seit dem 1. Februar ist der Sitz des Fördervereins in den Räumen des Museums faktisch geräumt. Die Schlösser wurden ausgetauscht. Michael Bachin hat keinen Zutritt mehr.

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In einem Brief an Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) und die Stadträte beklagt sich Bachin nun über das „Hausverbot“. Das habe ihm Holm Belger, Leiter des städtischen Amtes für Finanzen, im Auftrag des Oberbürgermeisters telefonisch ausgesprochen. Er wirft dem Oberbürgermeister rechtswidriges Verhalten vor. „Die Stadt ist Vereinsmitglied und das Stadtmuseum laut Satzung Sitz des Vereins. Bis zum heutigen Tag gibt es keine offizielle Erklärung oder ein klärendes Gespräch über die Gründe und die weitere Verfahrensweise“, schreibt Bachin. Er sieht dem Verein mit dem Rausschmiss die Arbeitsgrundlage entzogen und empfindet das Verhalten auch als verletzend: „Der Vorstand des Vereines sieht das ausgesprochene Hausverbot als Missachtung der jahrelangen ehrenamtlichen Tätigkeit und des Engagements der Vereinsmitglieder für die Stadt Löbau.“ Er fordert vom Oberbürgermeister, die satzungsgemäße Arbeit wieder aufnehmen zu können.

Michael Bachin hat auch eine Antwort auf sein Schreiben erhalten – allerdings nicht von Oberbürgermeister Buchholz, sondern von Amtsleiter Holm Belger. Er vermag sich weder an ein Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden, noch gar an ein ausgesprochenes Hausverbot zu erinnern. „Richtig ist, dass im Rahmen der vom Oberbürgermeister angeordneten Inventur des Sammlungsgutes des Museums (...) eine Änderung im Schließsystem vorgenommen wurde“, erklärt Belger in der Antwort. Diese Maßnahme solle für die damit beschäftigten Mitarbeiter „ein Höchstmaß an Konzentration für die Tätigkeit“ sicherstellen. Das sei nur gewährleistet, wenn ein begrenzter Personenkreis Zugang zum Museum habe. Ein permanentes Arbeiten des Vereins könne deshalb „leider nicht ermöglicht“ werden. Benötigte Unterlagen des Vereins könne Bachin jederzeit bei Anwesenheit des Museumspersonals abholen. Ende offen: „Auch die Dauer der Inventur mit dieser Verfahrensweise kann jetzt noch nicht eingeschätzt werden.“ Der Verein möge seine Arbeit bis dahin bitte anderswo ausüben. Der Amtsleiter kommt dem Verein aber auch entgegen: „Sollte mal ein Beratungsraum benötigt werden, stehen die Beratungsräume der Stadt Löbau außerhalb des Museums durchaus zur Verfügung.“ Die Stadt plant aber ganz offenbar den finalen Rauswurf des Vereins aus dem Museum. „Der Verein sollte aber grundsätzlich einmal über die Verlegung seines Sitzes, heraus aus den Räumen des Oberlausitzer Sechsstädtebund- und Handwerksmuseum Löbau, nachdenken“, schreibt Amtsleiter Belger – zum Wohle des Vereins und des Museums. „Zum einen geht es hier für die Mitglieder des Vereins um mögliche Haftungsfragen und für das Museum um die Sicherheit der Sammlungsbestände.“ Und sollte der Eindruck entstanden sein, dass der Oberbürgermeister das ehrenamtliche Engagement des Vereins missachtet habe, so tue es ihm leid, schreibt Belger. Michael Bachin sieht seine Arbeit und die der Vereinsmitglieder durch diese Antwort erst recht verhöhnt. „Wenn wir anderswo Räume beziehen und bezahlen müssen, können wir den Verein auflösen“, sagt er. Außerdem brauche er den Platz im Museum für seine Recherchen. Die Stadtspitze könne nicht eigenständig die Satzung des Vereins ändern. Auch das wirtschaftliche Wohl des Museums sieht er durch das Handeln der Stadtspitze bedroht: „Nur durch die Arbeit der Ehrenamtlichen des Vereins konnte das Museum in der Vergangenheit überhaupt seine Öffnungszeiten gewährleisten.“ Und die Zugänglichkeit spiele auch für die Gewährung von Fördergeldern eine erhebliche Rolle.