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And the Oscar goes to ... Sebnitz

Ein Babelsberger Drehteam hat 2015 in der Sächsischen Schweiz gefilmt. Das Ergebnis überzeugte an höchster Stelle.

© MDR/Filmuniversität

Von Dirk Schulze

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Über den Köpfen spannt sich ein großes Sonnensegel, Kameras und Mikrofone sind ausgerichtet. Neben der Tür hat die Filmcrew extra einen zusätzlichen Briefkasten angebracht, und auch ein zweites Hausnummernschild musste her. Das kleine Ferienhaus „Am Horn“ in Sebnitz soll wie ein Mehrfamilienhaus mit mehreren Eingängen wirken. Es braucht mehrere Durchgänge, bis der Tonmann sein Okay gibt und noch einmal so viele, bis die Kameraleute zufrieden nicken. Die Szene an der Haustür ist im fertigen Film nur ein paar Sekunden lang, der Dreh hat fast einen ganzen Tag in Anspruch genommen.

Die professionelle Liebe zum Detail hat sich gelohnt. Der rings um Sebnitz gedrehte Kurzfilm „Am Ende der Wald“ von Regisseur Felix Ahrens gewinnt jetzt einen Studenten-Oscar. Die „Student Academy Awards“ sind ein Ableger des wichtigsten Filmpreises der Welt und werden von der Oscar-Akademie an amerikanische und internationale Nachwuchsregisseure verliehen. „Am Ende der Wald“ hat gemeinsam mit zwei weiteren deutschen Hochschulproduktionen in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ gewonnen, das steht bereits fest. Wer von den dreien Gold, Silber und Bronze erhält, erfahren die Macher erst bei der Preisverleihung am 22. September in Beverly Hills. Insgesamt gingen 1 749 Filme aus 286 Ländern und 95 internationalen Hochschulen ins Rennen.

Der 30-minütige Spielfilm erzählt die Geschichte der jungen Polizistin Elke. Gemeinsam mit ihrem Kollegen befindet sie sich auf Streife nahe der tschechischen Grenze. Bei einer routinemäßigen Fahrzeugkontrolle widersetzt sich ein junger Tscheche ihren Anordnungen und wird dadurch unbeabsichtigt von Elke erschossen. Elke wird daraufhin während der internen Ermittlungen vom Dienst suspendiert und sinkt in ein tiefes Loch aus Schuldgefühlen. Eines Nachts bekommt sie Besuch von der Ehefrau des verstorbenen Tschechen. Die Frau beteuert dessen Unschuld und wirft Elke vor, für den Tod eines guten Menschen verantwortlich zu sein, dessen zwei Kinder nun ohne Vater aufwachsen müssten. Am nächsten Tag macht Elke sich aus unerträglichen Schuldgefühlen auf den Weg nach Tschechien, um der jungen Familie Geld zu bringen. Dort stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es scheint. Gedreht wurde der Film unter anderem auf einem Bauernhof in Saupsdorf, in den Wäldern im Kirnitzschtal sowie in Sebnitz. Mit einem Aufruf in der SZ suchten die Studenten der Filmuniversität Babelsberg im Frühjahr 2015 händeringend nach einem Quartier für ihre 28-köpfige Crew. Mitten in der Saison war kurzfristig und mit begrenztem Budget schwer etwas zu finden.

Das Team kam schließlich im Ferienhaus „Am Horn“ von Dietmar Heidtmann und Nadine Kumpe in Sebnitz sowie einem weiteren Quartier unter. „Die waren wirklich wahnsinnig engagiert“, erzählt Vermieter Dietmar Heidtmann, der die Filmleute zwei Wochen lang beherbergte. Pünktlich um sieben Uhr seien sie jeden Morgen aufgestanden und hätten unter Zeitdruck die zwei Wochen durchgeackert. Das Wohnzimmer einer der beiden Ferienwohnungen war zeitweise zum Maskenraum umfunktioniert.

„Am Ende der Wald“, Ausstrahlungstermine: 25. September, 00.05 Uhr im Ersten, 27. September, 00.05 Uhr im MDR-Fernsehen