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Anders wohnen, glücklich wohnen

Viele Dresdner fühlen sich wohl in ihrem Zuhause. Das hat auch mit der Stadt zu tun, wie eine SZ-Umfrage zeigt.

Von Nora Domschke (Text) und Sven Ellger (Fotos)

Ob im einstigen Technikraum auf dem Hochhausdach, in der Nobelwohnung am Neumarkt oder im hölzernen Bauwagen am Alten Leipziger Bahnhof – wo auch immer Dresdner in den letzten Wochen ihre Türen für die SZ-Serie „Anders wohnen“ geöffnet haben, wurde eines deutlich: Sie leben gern in ihren vier Wänden. Zugegeben – ganz gewöhnlich waren ihre Wohnungen nicht. Zu zehnt in einer XXL-WG, mit Familie in einem alten Ballsaal oder im Dynamo-Dresden-Fußballfan-Traum – die Serie bot Einblicke, die wohl sonst nur wenigen Menschen vorbehalten bleiben. Besonders wird das Wohnen dort, wo Menschen ihr Zuhause ganz individuell gestalten. Nach ihren eigenen Wünschen, um sich richtig wohlzufühlen.

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Kuschelige Stunden mit heißem Aufguss

Gemütliches Schwitzen in der Mitternachts-Sauna im Freitaler "Hains". Sekt gibt's gratis dazu.

Schlicht, modern, schwarz: Die Küche des Designers Norbert Mutschmann hat allerlei technische Raffinessen. Türgriffe gibt’s an den Schränken aber nicht.
Im früheren Tanzsaal ist auf 200 Quadratmetern jede Menge Platz – sogar für einen Kickertisch. Der steht auf dem „Dach“ eines Würfelzimmers.
Über den Dächern von Dresden: Iris Haubold wohnt dort, wo früher die Technik eines Aufzuges untergebracht war. Fotos: Sven Ellger (9)
Ordnung muss ein: In der Zehner-WG hat jeder Bewohner sein eigenes Kühlschrankfach. Die Küche ist Treffpunkt für alle – dann wird es hier schnell eng.
Liebt es spartanisch: Frank Dresig lebt auf dem Wagenplatz am Alten Leipziger Bahnhof. In seinem grünen Bauwagen fühlt er sich wohl – und frei.
Wohnen in Schwarz-Gelb: Die beiden Dynamo-Fans Jörg E. Voigt und Angelika Cselenyi haben die Einrichtung ihrem Lieblingsfußballverein gewidmet.
Nichts für Einzelgänger: Wer in einer XXL-Wohngemeinschaft lebt, darf keine Berührungsängste haben. In Löbtau teilen sich zehn Studenten und Azubis eine Etagenwohnung.
Im alten Ballsaal: Architekt Eric Ressel hat mithilfe von Würfelzimmern ein ganz eigenes Raumkonzept für seine Wohnung in Wachwitz entwickelt.

Und das tun offenbar viele Dresdner, wie eine nichtrepräsentative Umfrage der SZ ergeben hat. Von 2 178 Befragten gaben 45 Prozent an, dass sie sehr zufrieden sind mit ihrer Wohnung, immerhin 38 Prozent sind zufrieden. Nur ein Prozent ist mit der Wohnung gar nicht glücklich. Häufigster Grund dafür ist die Lage, gefolgt von der Größe der Wohnung und der Miethöhe.

Trotz einiger Unzufriedener gaben nur sieben Prozent der befragten Dresdner an, dass sie vorhaben, innerhalb der nächsten zwölf Monate umzuziehen. Auch hierbei spielt der Wunsch nach einer besseren Lage die große Rolle, wie die Umfrage zeigt. Noch häufiger wurde allerdings die Wohnungsgröße als Umzugsgrund angegeben. Ob das künftige Zuhause größer oder kleiner sein soll, wurde dabei nicht berücksichtigt. Weitere Gründe für einen Wohnungswechsel sind eine erschwinglichere Miete, eine bessere Ausstattung, der Umzug in eine Eigentumswohnung oder ein eigenes Haus, sowie der Job. Zufrieden sind viele Dresdner offenbar mit der Erreichbarkeit von Schulen und Kitas: Das gab keiner der Befragten als Grund an, sich ein neues Heim zu suchen.

Zu hohe Mietkosten ist unter den Umfrageteilnehmern ebenfalls kein vordergründiges Thema. Die Frage, ob sie trotz ihrer Miete gut leben können, beantwortete mehr als ein Drittel mit Ja. 18 Prozent gaben sogar an, dass sie trotz Mietkosten sehr gut leben könnten. Ein Prozent schätzt ein, wegen der hohen Miete nur schlecht um die Runden zu kommen.

Dass sich viele Dresdner zuhause wohlfühlen, liegt wohl nicht zuletzt am Wohnumfeld. Auch das zeigt die SZ-Umfrage. 56 Prozent empfinden Dresden als lebenswert, elf Teilnehmer sprachen Dresden dieses Attribut jedoch ab. Wem es in der Landeshauptstadt gut gefällt, schätzt hier vor allem die kulturellen Angebote. Zumindest sagen das 1 800 Befragte. An zweiter Stelle der Wohlfühlfaktoren liegen die Grünflächen, gefolgt von den guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, den vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten, dem dichten ÖPNV-Angebot, der guten Ärzteversorgung und der Ruhe. Schlusslicht sind das Straßennetz und der Zustand der Straßen. Auf dem vorletzten Platz landet die Qualität der Dresdner Luft.

Und wo würden Dresdner leben, wenn nicht hier? Auf Platz eins liegt das Dresdner Umland mit 104 Stimmen. Das schließt die Landkreise Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und den Westen des Kreises Bautzen ein. Mit 87 Stimmen, also knapp dahinter, landet die Ostsee mit den Inseln Rügen, Usedom und Fehmarn sowie den Küstenstädten Stralsund, Rostock, Greifswald und Warnemünde.

Viele Dresdner könnten sich offenbar auch ein Leben an den Alpen oder mitten im lebendigen München gut vorstellen. Bayern schafft es auf den dritten Platz. Beliebt ist auch Hamburg, gefolgt von Leipzig, Berlin und der Lausitz. Auf dem neunten Platz liegt der Schwarzwald, auf Platz zehn Potsdam. Völlig unberücksichtigt auf der Wunschliste bleibt die Nordseeküste mit ihren Inseln.

Egal wie jeder einzelne Dresdner lebt – luxuriös am Neumarkt oder auf 18 Quadratmetern im Bauwagen: Die Serie hat gezeigt, dass die meisten glücklich in ihrer Stadt und in ihrer Wohnung sind. So wie Rolf Heinemann, der im Löwenhof wohnt. „Als Kind habe ich die Stadt auf einer Postkarte gesehen und gedacht: Wenn man da nicht wohnt, dann ist man nix“, sagt der Mann, der in Düsseldorf aufwuchs.

Mit dieser Auswertung endet die Wohnserie. Alle bisher erschienenen Teile der Serie „Anders Wohnen“ finden Sie auf www.sz-link.de/anders-wohnen,