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Döbeln

Andrang an der „Bücherzelle“

Fast täglich ist Hildegard Beyer in ihrer Telefonzellen-Bücherei. Dort entdeckt sie manchmal Erstaunliches.

Claudia Fischer vom benachbarten Rehazentrum an der Döbelner Straße bestätigt, dass sich die Tauschbibliothek wachsender Beliebtheit erfreut.
Claudia Fischer vom benachbarten Rehazentrum an der Döbelner Straße bestätigt, dass sich die Tauschbibliothek wachsender Beliebtheit erfreut. © Dietmar Thomas

Roßwein. Genauso hat es sich Hildegard Beyer vorgestellt: Seit der Einweihung der Mini-Leihbücherei in einer ausgedienten Telefonzelle auf dem Platz an der Döbelner Straße 44, erfreut sich diese wachsender Beliebtheit bei den Roßweinern.

„Ich habe sogar den Eindruck, dass die Leute mehr Bücher hineinstellen, als sie sich mit nach Hause nehmen“, sagt sie. Manche seien allerdings schon so „zerlesen“, dass sie niemandem mehr angeboten werden können. „Die sortiere ich aus“, sagt Hildegard Beyer.

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Erstaunt ist sie aber immer wieder, von welch schönen Büchern sich die Nutzer der Tauschbibliothek trennen. „Also ich könnte das nicht“, sagt die Roßweinerin, die selbst oft und gerne liest. „Ich habe schon so manches Buch gefunden, das ich auch selbst habe und es niemals weggeben würde“. Sie nimmt sich auch hin und wieder ein Buch mit nach Hause und stellt es, nachdem sie es gelesen hat, wieder den Nutzern zur Verfügung. Nicht immer sei es aber so, dass die Bücher auch tatsächlich wieder zurückgebracht werden. „Das finde ich aber nicht schlimm.“

Die Bandbreite des Lesestoffes sei riesengroß. „Es gibt fast nichts, das es nicht gibt“, so Hildegard Beyer. Nicht nur Romane oder Krimis stehen bereit, auch Reiseführer, Altlanten, Bücher mit Back- und Kochrezepten oder rund um das Thema Ernährung sind in der zur Bibliothek umfunktionierten Telefonzelle zu finden. „Lediglich Kinderbücher sind zurzeit keine vorhanden. Die waren ganz schnell vergriffen“, so die Roßweinerin.

Auch während der zurückliegenden Hitzetage sei die Buchausleihe rege genutzt worden. „Ich habe an solchen heißen Tagen die Türe aufstehen lassen, sonst heizt es sich drinnen zu sehr auf“, sagt Hildegard Beyer.

Die Idee, in einer Telefonzelle eine Tauschbibliothek einzurichten, hatte Hildegard Beyer im Urlaub. „Ich habe das bei einem Ausflug in Bonn gesehen. Seitdem ließ mich der Gedanke nicht mehr los, in Roßwein auch so eine Tauschbibliothek einzurichten“, erzählt sie. Mit ihrem Mann Dieter recherchierte sie und wurde fündig. Die Telekom hat ausgediente Telefonzellen aus ganz Deutschland auf einem riesigen Areal in Michendorf bei Potsdam gelagert. Beyers kauften eine davon und holten sie nach Roßwein. Das Grundstück auf der Döbelner Straße 44 gehört einem ihrer beiden Söhne. Beyers selbst wohnen in einem der angrenzenden Häuser.