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André Sarrasani will ins Ausland

Der Magier kämpft weiter gegen die Pleite in Dresden. Er will einiges anders machen. Von Experimenten will er aber die Finger lassen.

© Christian Juppe

Von Andreas Weller

Mit Energie und Optimismus bereitet Magier André Sarrasani seine neue Show vor. Drei Künstler hat er bereits gebucht, vor allem will er ab November wieder mehr auf der Bühne stehen. Ziel ist es nach wie vor, sich aus der finanziellen Schieflage zu befreien. Nach der Insolvenz seiner Firma und der privaten Pleite kurz darauf, arbeitet er als Geschäftsführer einer neuen Gesellschaft, mit Geldgebern und Beratern im Hintergrund. Die erste Saison war Anfang Februar vorbei. Mittlerweile ist sie abgerechnet. „Wir haben eine schwarze Null hinbekommen. Ich hatte mit einem leichten Minus gerechnet“, so Sarrasani. So gesehen, sei es gut gelaufen. „Das war die Pflicht. Jetzt kommen ein paar Jahre Kür“, sagt der Magier.

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Bei den Zahlen kann er nicht zaubern, sie zeigen die Realität. Etwa 11 000 Besucher kamen in das Trocadero, das erstmals im Elbepark aufgebaut war und dort bleibt. Zu Sarrasanis besten Zeiten, am Straßburger Platz, waren es bis zu 20 000 Besucher. Einige Gäste kamen auf seine Einladung, rund 9 500 haben in der abgelaufenen Saison Tickets gekauft. Vorher hatte Sarrasani gesagt, er müsse 10 000 Tickets verkaufen, damit das Unternehmen Geld verdient. Das hat nur knapp nicht geklappt.

Mit dem Geldverdienen hat es in Radebeul auch nicht so funktioniert, wie Sarrasani es sich vorgestellt hatte. Aus der Theaterkneipe „Goldene Weintraube“ stieg er vorzeitig wieder aus. „Meine Gesellschafter haben gesagt, das ist ein zusätzliches Ding, das nichts bringt“, erklärt er. „Wir sind einfach keine Kantinenbetreiber. Wir machen keine Experimente mehr.“ Nun will er sich noch mehr auf seine Show konzentrieren. Die Trilogie „Elements“ ist vorbei, es kommt ein neues Thema. Welches, will er demnächst verraten. „Es wird ganz anders, ich freue mich total darauf.“

Details verrät der Magier noch nicht. Aber eines verspricht er: „Es werden auf jeden Fall Jada und Kaya auftreten.“ Jada ist das Panther-Mädchen, das seit vergangenem Jahr bei Sarrasani lebt und in der Show getauft wurde. Sie bringt mittlerweile 17 Kilo auf die Waage. Kaya, die weiße Tigerdame, wiegt stattliche 250 Kilo. „Die Ruhe nach der Show bis jetzt hat mir gutgetan. Ich bin wieder bei 100 Prozent, deshalb kann ich auch wieder richtig mit den Tigern arbeiten“, erklärt Sarrasani. Und er hofft auf Erfolg, auch wenn er sich bewusst niedrige Ziele steckt. 12 000 Besucher möchte er in der kommenden Saison erreichen. Er habe aus seinen Fehlern gelernt. Deshalb wird auch mehr im Unternehmen kontrolliert. Zu seinen Beratern und Geldgebern zählen ein Steuerberater, ein Anwalt, Unternehmer und Firmenberater. „So etwas wie mit Real Bodies würde mir heute nicht mehr passieren“, erklärt Sarrasani. Die Ausstellung plastinierter Körper floppte total, brachte ihm statt Gewinn nur noch mehr in finanzielle Not. In diese war er vor allem durch Steuerschulden geraten.

„Ich war noch nie reich“

„Ich habe aber keine Angst und werde nicht erneut scheitern“, zeigt sich Sarrasani kämpferisch. Er habe aus den Insolvenzen viel gelernt. Die Firmenpleite betreffe ihn nur noch indirekt, weil diese ein Verwalter abwickelt. Allerdings bleiben Geschäftspartner, denen Sarrasani noch Geld schuldet, auf den Kosten sitzen. „Das ist leider so. So ist es mir umgekehrt auch schon ergangen“, ist Sarrasanis Antwort dazu.

Was ihm nachhängt, ist die Privatinsolvenz, die er vor knapp einem halben Jahr wegen Zahlungsunfähigkeit anmelden musste. Rund 200 000 Euro fordern Banken und Finanzamt von ihm. Sieben Jahre lang wird alles gepfändet, was über rund 1 800 Euro Einkommen im Monat geht. „Klar, ich kann die nächsten Jahre nicht reich werden. Ich war noch nie reich. Aber ich bin glücklich mit dem, was ich tue.“ Er habe durch die Erfahrungen einiges in seinem Leben geändert. „Mittlerweile nehme ich mir bewusst Zeit, um mit meiner Frau, meinen Kindern und meiner Mutter etwas zu machen.“ Das habe er vorher zu häufig vernachlässigt. Und Sarrasani habe durch die Schwierigkeiten gelernt, wer seine richtigen Freunde sind. Diese haben ihm geholfen, als er am Boden war – andere waren weg oder haben laut seinen Aussagen sogar noch „nachgetreten“.

Etwas völlig Neues könne er sich aber doch vorstellen. „Ich überlege, eine Zeit ins Ausland zu gehen.“ Zwar werde er weiterhin die Show in Dresden machen, sein Zelt vermieten und Veranstaltungen durchführen. „Aber zwei oder drei Monate Engagement irgendwo anders, das kann ich mir gut vorstellen.“ Er und seine Familie brauchen über den Sommer zusätzliche Jobs. Dann könnte er als Illusionist in einem Zirkus oder einer anderen Show auftreten.

In seiner neuen Show im Trocadero werde es neue Kostüme, viel Musik und mehr zum Lachen geben. Apropos Lachen: Der Liedermacher und Autor Reinald Grebe macht ein Stück zur Magier-Familie. „Circus Sarrasani: The greatest Show on Earth“ läuft ab 26. Mai im Schauspielhaus. „Was da rauskommt, weiß ich auch nicht“, so Sarrasani. Grebe habe ein paar Mal mit ihm dazu gesprochen. „Aber wenn wir kein Thema wären, würde keiner ein Theaterstück dazu machen.“